Sexueller
Missbrauch durch Priester
Weltweite
Skandale und ihre Ursachen
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Gründonnerstagsbrief des Papstes: "In dieser Zeit erschüttern uns als Priester zutiefst die Sünden einiger unserer Mitbrüder" |
Die Nachrichten über aufgedeckte und vermutete Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester überschlagen sich in letzter Zeit. Mehrere Bischöfe in den USA sind bereits zurückgetreten, ein Erzbischof in Polen, sowie ein irischer Bischof. Klagen gegen Diözesen und den Vatikan laufen. Wegen Schadensersatzforderungen scheinen drei Diözesen in den USA vor dem Bankrott zu stehen. Die Ordensgemeinschaft der Oblaten in Kanada sieht sich in 1.200 Gerichtsverfahren verwickelt. Die Schweizer katholischen Bischöfe haben eine Expertengruppe eingerichtet, die ihnen helfen soll, sich mit dem Problemfeld zu befassen. Die katholische Kirche in Deutschland will jede sexuelle Verfehlung ihrer Priester aufdecken und dem Vatikan melden, erklärte die Sprecherin der Bischofskonferenz, Martina Höhns. Der Zeitung "Welt am Sonntag" zufolge sollen laut amtlichen Umfragen in den vergangenen 3 Jahren in den 27 Bistümern und Erzbistümern 12 Fälle von "Verfehlungen" aufgedeckt worden sein. Der Hamburger Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke forderte dem Bericht zufolge "klare, strenge Kontrollen und Prüfungen". Bei Päderasten dürfe es keine Nachsicht geben. "Wer Kinder verführt, ist pervers und krank." Auch in
unserer
Diözese hat es in den vergangenen Jahren einige Male Vorwürfe gegen Priester
wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen gegeben. Sie wurden, wie in
vielen Diözesen der Welt, mit Versetzung in eine andere Pfarrei oder gar nicht
gelöst. Das könnte der Kirchenleitung bald auf den Kopf fallen.
Ein
„Mea Culpa“ für sexuelle Verfehlungen von Priester an Nonnen hatte der
Papst erstmals im Dezember 2001 in einer Antwort auf die Synodalbeschlüsse der
Bischöfe Ozeaniens ausgesprochen. Es war eine allzu späte Antwort auf einen
Bericht einer Ordensoberin an den Vatikan aus dem Jahr 2001, der von sexuellen
Vergehen von Priestern an Ordensfrauen in 23 Ländern der Welt in den letzten 10
Jahren gesprochen hat. Im heurigen Gründonnerstagsbrief an die Priester hat
Papst Johannes Paul II. eindringlich die jüngsten Skandale um sexuellen
Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche angeprangert und sein
ganzes Mitgefühl den Opfern ausgesprochen sowie Gerechtigkeit und Fürsorge für
die Leidtragenden verlangt.
Es
ist Zeit, dass die Kirchenleitung offen zu diesem bisherigen Tabuthema Stellung
bezieht. Es ist erfreulich und selbstverständlich, dass die Aufklärung der
Vorwürfe erfolgen soll und die Betroffenen Solidarität und Wiedergutmachung
erfahren. Natürlich sind es einzelne Fälle, allerdings sind die Ausmaße beängstigend.
Die Verdienste vieler Priester in aller Welt seien ohne Umschweife anerkannt und
es ist bedauerlich, dass ein dunkler Schatten des Verdachts auf alle fällt, wie
der Papst sagte.
Wichtig ist jetzt Allerdings, wie solch schlimme Vorfälle, ja Verbrechen in Zukunft verhindert werden können. Die tiefer liegenden Gründe für das fehlerhafte Verhalten einzelner Priester sind vermutlich in verschiedenen frauenfeindlichen und sexualfeindlichen Äußerungen und Strukturen der Amtskirche zu suchen. Ohne echte Gleichberechtigung der Frau in der Kirche und ohne wirklich positiver Bewertung der Sexualität besteht immer wieder die Gefahr, dass es in beträchtlichem Ausmaß zu solchen Vergehen an Kindern, Jugendlichen und Frauen kommt.
Robert
Hochgruber