Diözesane Medien

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass

Schade für die Leserinnen und Leser des Sonntagsblattes, schade für Florian Kronbichler! Das dachte ich mir als erstes, wie ich von seiner Ausgrenzung bei unserer Kirchenzeitung hörte. Dann kam ein Anruf eines empörten, bisher sehr engagierten Christen.

Und empört bin auch ich nach wie vor. Warum darf ein freier (!) Journalist im Sonntagsblatt nicht mehr schreiben? Es wäre so belebend, wohltuend und bereichernd gewesen. Nicht dass ich immer mit Kronbichler einverstanden gewesen wäre. Aber er verstand es, zum Nachdenken anzuregen und nannte die Dinge (vorsichtig) beim Namen.

Heute frage ich mich, warum ihn die Redaktion überhaupt engagiert hat. Man wusste ja von seiner Einstellung und seiner Herkunft. Offensichtlich wollte die Redaktion doch etwas Öffnung und hoffte, Kronbichler werde sich eine Selbstzensur auferlegen, wie sie heute in unserer Kirche üblich ist. Das Motto sollte wohl sein: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Vor allem sollten der Bischof und das Verlagshaus Athesia nichts abbekommen. Wo aber bleibt dann die Freiheit?

Das Interview Kronbichlers in der ff war dann vermutlich ein (willkommener ?) Anlass, die Mitarbeit aufzukündigen. Es war sicher nicht der Grund. Die von der Redaktion ins Spiel gebrachte Frage einer Grundloyalität ist so weit und so eng auslegbar, dass man damit alles begründen kann. Interessant ist, dass den Leserinnen und Lesern des Sonntagsblattes das besagte Interview nach wie vor vorenthalten wird.

Nein, es wird sich nichts ändern, Kronbichler wird trotz Leserbriefen und vielleicht auch Abbestellungen nicht mehr schreiben dürfen, sagte mir eine andere empörte engagierte Christin. Und ich dachte mir nachher, ja, was müsste geschehen, damit diese kritische Stimme in unserer Diözesanzeitung auch kirchenintern wieder hörbar würde?

20 Priester und 5 Dekane müssten es in einem öffentlichen Brief fordern, 5 Professoren der philosophisch-theologischen Fakultät müssten protestieren, 30 Religionslehrpersonen und Pfarrgemeinderatsvorsitzende müssten sich solidarisieren, 5 katholische Verbände müssten aufschreien, 10 Aktionäre der Athesia müssten öffentlich bekannt geben, dass sie das Vorgehen in der Aktionärsversammlung ansprechen würden. Nichts von alledem ist geschehen.

Was soll’s, werden sich viele gedacht haben. Der Vorstand der Initiativgruppe hat eh protestiert (das ist ja seine Aufgabe ), Leserbriefe hat es viele gegeben und Georg Oberrauch vom Katholischen Forum hat gefordert, das ernst zu nehmen, was Kronbichler gesagt hat. Die Sache werde im Forum besprochen werden. Und er fügte hinzu, die Vorgangsweise entspreche dem System. Das war eigentlich ein schwerwiegender Vorwurf. Man wird es überhören.

Ja, es wird sich nichts ändern, denn die meisten wollen doch nur, dass sich etwas ändert ohne dass sie sich selber „schmutzig“ machen, ohne dass sie sich exponieren müssen, ohne dass sie selber und andere „nass“ werden.

Robert Hochgruber


Mutiger kritische Themen aufgreifen

Pastoralrat diskutiert über kirchliche Medien

In der Sitzung des Pastoralrates vom 10.11.2001 wurden unter Tagesordnungspunkt 6 „Chancen, Freuden und Sorgen der kirchlichen Medien“ besprochen. Statements hielten Walther Werth, Paolo Valente und Josef Innerhofer

„Walther Werth möchte mit dem "Katholischen Sonntagsblatt" (SB) verstärkt die Familien und mit ihnen die breite Basis der Gesellschaft erreichen. Die Leute sollen sich mit dem SB identifizieren; es soll ihre Zeitung" werden. Werbekampagnen, ein neues Layout und neue Themen sollen das SB attraktiver machen. Verstärkt will er Themen der Pastoral, der Glaubensvertiefung und der aktuellen kirchlichen und weltlichen Ereignisse aufgreifen (Artikelserie über Sekten, Sakramente, Selbsthilfegruppen, Geistlicher Weg im Alltag). Ein Zwiespalt entsteht freilich nicht selten durch die Tatsache, dass Herausgeber (die Diözese) und Eigentümer (Verlagsanstalt Athesia) des Sonntagsblattes nicht immer gleiche Interessen haben.“

Paolo Valente, früherer Chefredakteur von „Il Segno“: „In einer Zeit, in der die Anzahl der Priester abnimmt, nimmt die Bedeutung der Medien zu;  sie geben besonders auch den Gruppen am Rande der Gesellschaft eine Stimme. Zu bemängeln sei allerdings in unserer Diözese die fehlende Transparenz und Klarheit in den Strukturen und Zielvorstellungen. Das Vertrauen zu den Laien und die Bereitschaft, sich den Herausforderungen zu stellen und auch finanzielle Opfer auf sich zu nehmen, lasse zu wünschen übrig.“

„In der anschließenden Diskussion“,  wird angeregt, „man solle noch mutiger kritische Themen aufgreifen, um auf diese Weise auch kirchenkritische Leser anzusprechen.“

Protokoll, Folium Dioecesanum, Januarius, 2002, Nr. 1, S. 25 und 26.