Humor in der Kirche

Er aber lacht, der in den Himmeln wohnt

Kirche unernst: Über kaum etwas gibt es so viele Witze wie über Gott und sein Bodenpersonal

Dass es in der Kirche wenig zu lachen gibt. behaupten sinniger weise vor allem kirchliche Mitarbeiter -und haben trotzdem Unrecht damit. Denn über nahezu nichts und niemanden gibt es eine solche Zahl von Witzen und Anekdoten wie über Gott und Kirche, Himmel und Hölle, Bibel und "Gottes Bodenpersonal". Nicht selten waren und sind es hochrangige Kirchenvertreter selbst, die Entsprechendes zusammentrugen  - wie zum Beispiel der Heidelberger Kirchenhistoriker Hans von Campenhausen und der Hamburger Systematiker und Michel-Prediger Helmut Thielicke.

Je bedeutender die Person, desto häufiger wurde sie selbst zur Quelle zahlreicher Witzeleien: Dem Protestanten Karl Barth (1886-1968) etwa wurde zugetragen, dass der Papst ihn für den größten lebenden Theologen seiner Zeit hielte. Worauf Barth gesagt haben soll, dass vielleicht noch mal überdacht werden müsse, ob der Papst nicht doch unfehlbar sei.

"Die Kirche ist wie ein Schiff - sie wird von lauter Nieten zusammengehalten", heißt es in der Sammlung eines Hamburger Diakons. Und bereits legendär ist der Spruch über den Synodalen, der nichts zu sagen hat und trotzdem schweigt. In der feinen Boshaftigkeit solcher Sätze liegt das Lachen direkt neben einer Art von "heiligem Ernst" - womit gemeinhin angedeutet sein soll, dass  auch Gott Humor habe: Sonst hätte er "das Lachen der Heiligen und Narren" (Thielicke - Buchtitel) nicht geschaffen.

Vor einiger Zeit war es kein Geringerer als der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Hans Christian Knuth aus Schleswig, der in seiner Predigt am Ostermontag einen Witz nach dem anderen erzählte und sich für die "Länge" seiner Predigt entschuldigte mit den Worten: Für eine kürzere habe er keine Zeit gehabt. Er berichtete auch von dem Bischof, der seinen Fahrer bat loszufahren. Und auf die Frage: "Wohin denn?" die Antwort gab: "Egal wohin. Ich werde überall gebraucht." Witze gibt es über alle Berufe - doch auch hier haben Theologen gewissermaßen das "Gesamtmandat", weil sie sich mit dem "Herrn des Himmels" verbunden wissen und sich selber in den Witz mit einbeziehen. So sei die Farbe der Juristen Rot, weil das Blut rot ist. Die der Mediziner Grün, weil grüner Rasen ihre Opfer bedeckt, und die der Philosophen Blau, weil sie das Blaue vom Himmel herunterlügen. Die Farbe der Theologen jedoch sei Schwarz: Weil die Unschuld weiß ist.

Oft ist auch das wörtlich verstandene Wunder, der Poker mit Gott, Gegenstand des Gelächters: "Stimmt es, dass dir tausend Jahre wie ein Tag sind?" "Ja", sagt Gott. - "Dann sind eine Million Mark für dich wie eineMark?" - "Ja." - "Dann schenke mir doch diese Mark." - "Warte einen Tag", sagt Gott. - Ähnlich auch die Geschichte voll dem Lottospieler, der die Existenz Gottes mit einem Sechser beweisen will, trotzdem aber nie gewinnt und sich bitter beklagt  - bis die Stimme Gottes grollt: "Lass mir eine Chance - und gib endlich mal deinen Spielschein ab!"

Petrus an der Himmelstür ist ebenfalls Hauptperson unzähliger Witze: Wen er abweist und wen nicht. wen er warten lässt oder gar in die Hölle schickt -  da tummeln sich Päpste, Kardinäle, Regierungschefs und Eugen Drewermann. Bischof Knuth erzählte zum Beispiel von dem Busfahrer, der sofort hereingelassen wird - der Pastor hingegen nicht. Als der sich beschwert, sagt Petrus: "Während du gepredigt hast, haben alle geschlafen: Aber wenn er fuhr, haben alle gebetet."

Niemand, so Bischof Knuth, sollte bezweifeln, dass Gott Humor habe. Wem es dafür an entsprechender Anschauung fehle, sollte mal einen Zoo wie "Hagenbecks Tierpark" besuchen. Man müsse "nicht einmal bei den Affen hereinschauen". Spätestens bei den Pinguinen sei das doch unübersehbar, sagte Knuth: »All die kleinen Wichtigtuer, die Diplomaten im Frack, die Dirigenten im Smoking, die Bischöfe im Lutherrock."

Klaus Merhof,
Publik-Forum, Nr. 12, 9.6.2001

  

Urlaub das gesamte Jahr

Ein Südtiroler Pfarrer meinte in einem Gespräch mit seinen "Schäfchen", dass er nun wohl, nachdem er zwei Pfarreien betreuen müsse, Anrecht auf zwei Monate Urlaub hätte, nicht nur auf einen Monat wie bisher.

Darauf ein Mann:

"Ich rate Ihnen, 12 Pfarreien zu übernehmen. Somit hätten sie dann 12 Monate Urlaub im Jahr".

Vielleicht unsere Kinder

Zwei katholische Geistliche unterhalten sich über den Zölibat, die Ehelosigkeit der Priester.

"Glauben sie", meint der eine, "dass es nicht doch in absehbarer Zeit aufgehoben wird?"

"Ich fürchte, so schnell wird man sich in Rom nicht dazu entschließen. Wir jedenfalls werden es sicher nicht mehr erleben. Vielleicht unsere Kinder ..."