Priesterinnenweihe in Österreich
Beweggründe
und Auswirkungen - die Promotorin antwortet
Impulse:
Frau Christine Mayr - Lumetzberger, wo sind Sie geboren und aufgewachsen,
welche Studien haben Sie gemacht?
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Christine Mayr-Lumetzberger |
Christine
Mayr-Lumetzberger: Ich bin 1956 in Linz
/ Österreich geboren
und mit drei Geschwistern in einer religiös geprägten Familie aufgewachsen.
Ich habe eine Ausbildung als Kindergärtnerin absolviert und eine
Zusatzausbildung in Heil- und Sonderpädagogik gemacht. 1976 bis 1981 war ich
Ordensmitglied der Benediktinerinnen von Steinerkirchen / Oberösterreich. 1982
folgte die Heirat mit Michael Mayr. Die religionspädagogische Lehranstalt der
Diözese Linz habe ich mit der Lehramtsprüfung für das Fach Kath. Religion
1984 abgeschlossen. 1996 habe ich ein akademisches Theologiestudium begonnen.
Welchen
Beruf üben Sie derzeit aus? Sind Sie von der Kirche oder beim Staat angestellt?
Beruflich
bin ich als Religionslehrerin, in Kindergärten und in einer Sonderschule tätig
gewesen. Derzeit unterrichte ich eine Integrationsklasse der Hauptschule
(Mittelschule) Marchtrenk in Oberösterreich. Ich bin staatlich bestellte und
bezahlte Lehrerin.
Ihr
Engagement im kirchlichen Bereich?
Ich
habe in der Christlichen Betriebsgemeinde des Unternehmens VOEST in Linz seit
der Kindheit mitgearbeitet und war – wie erwähnt - 5 Jahre Ordensmitglied bei
den Benediktinerinnen. In der action 365 engagierte ich mich, ebenso habe ich
von 1990 bis 1999 in der Krankenhausseelsorge mitgearbeitet. Bei der Plattform
„Wir sind Kirche“ übe ich die Funktion der stellvertretenden Vorsitzenden
in der Diözese Oberösterreich aus. Außerdem bin ich die Vertreterin der
Plattform bei WOW (Women`s Ordination Worldwide) und Mitglied des Frauenforums
Feministische Theologie. Seit einigen Jahren arbeite ich an der Ausbildung für
Weiheämter für Frauen in der römisch - kath. Kirche mit und nehme selber
daran teil.
Wie
kam es dazu, dass Sie sich entschieden haben, die Weihe zur Priesterin
anzustreben?
Ich
habe seit meiner Kindheit den Wunsch verspürt, Priesterin zu werden. Z.B.
spielte ich gemeinsam mit meinen Geschwistern immer wieder Messe. Mein Bruder
wollte immer den Pfarrer spielen, aber er konnte nur die Wandlungsworte
auswendig sprechen. Als Bub reklamierte er die Rolle des Pfarrers für sich,
meine Schwester und ich konnten aber auch die übrigen Messtexte auswendig.
Trotz meiner Mitarbeit in der Pfarrei war es mir immer verwehrt, den
seelsorglichen Dienst am Altar und in einer Pfarrgemeinde auszuüben. Im Orden
wurde die Frau als Dienende angesehen. Mit Papst Johannes Paul II. ist nach großen
Hoffnungen infolge des Konzils jede Öffnung in Richtung einer geschwisterlichen
und geschlechtergerechten Kirche zum Stillstand gekommen. Nach meiner Heirat
1982 ist mir die kirchliche Lehrerlaubnis für das Fach Religion entzogen
worden, weil mein Mann geschieden war. Das tat sehr weh. Außerdem hätte ich
dringend eine Arbeit gebraucht. Nach einer Zeit der Trauer begann ich wieder mit
der Mitarbeit in der Pfarrei, leitete Wortgottesdienste und war in der
Krankenseelsorge tätig. Heute arbeite ich in der Freizeit seelsorglich z.B. bei
den Jägern und halte ihnen auch Gottesdienste. Ich war und bin nach wie vor auf
der Suche nach Gott. (Meine gesamte Berufungsgeschichte ist unter der
Internetadresse unter
meinem Namen nachzulesen.) 1999 haben wir einen Ausbildungslehrgang für Frauen
auf dem Weg zum Priestertum begonnen. Jetzt ist es konsequent, auch die Weihe
anzustreben.
Ist
das nicht eine allzu große Zumutung für die Katholische Kirche?
Ist
es nicht eine Zumutung für die Hälfte der Christenheit - das sind nämlich die
Frauen - dass es keine geweihten Priesterinnen gibt?
Wäre
es nicht sinnvoller, auf die Abschaffung auch des männlichen geweihten
Priesters zu drängen, anstatt sich weihen zu lassen? Hat die Priesterweihe überhaupt
noch ein ausreichendes theologisches Fundament?
Warum
sollten wir die Abschaffung einer guten Einrichtung wollen? Priester als
spirituelle Menschen in einer Gemeinde, die einladen, versammeln, erinnern, mit
den Menschen das Brot brechen und den Becher teilen, die Sakramente an den
Lebensschnittpunkten feiern, Gott zur Sprache bringen, die Frohe Botschaft verkünden,
trösten und segnen.... Warum sollten nicht diesen Menschen die Hände aufgelegt
werden, für sie um den Heiligen Geist gebetet werden, sie einen Auftrag von der
Gottesdienstgemeinde mit einem Bischof bekommen? Ich denke, es gibt theologische
Für und Wider, aber eine gute und von den Menschen akzeptierte Einrichtung möchte
ich nicht abschaffen - in diesem Sinn bin ich Traditionalistin.
Vielleicht
ist es aber möglich, dass sich mit den Frauen auch das Priestertum wandelt.
Wie
viele Frauen möchten sich weihen lassen und woher kommen Sie?
Derzeit
haben wir etwa 7 bis 8 Kandidatinnen aus mehreren Ländern und Kontinenten.
Es
gab in der Presse Spekulationen, dass der angeblich alt-katholische Bischof
Peter Hickman aus den USA die Weihe vornehmen würde. Damit würde laut
Kirchenrecht – wie Kardinal Schönborn erklärte – automatisch die
Exkommunikation für Sie und Ihre Mitstreiterinnen eintreten.
Bischof
Peter Hickman hat mir als Erster angeboten aus Gründen der Gerechtigkeit mit
uns über eine mögliche Weihe zu sprechen und diese möglicherweise auch zu
spenden. Dies ist bis dato nicht definitiv geklärt.
Wir
wünschen allerdings ausdrücklich eine Weihe mit größtmöglicher Beteiligung
anderer christlicher Kirchen. Die Ökumene ist uns ein so großes Anliegen, dass
wir ein Zeichen setzen wollen. Auch kommen Weihekandidatinnen aus
Schwesterkirchen, haben konvertiert und daher ist diesen Kirchen größtmöglicher
Respekt entgegenzubringen. Wir wollen den Reichtum dieser Kirchen würdigen und
uns an eventuellen Problemen nicht stoßen. Wir verstehen uns als einladende,
inklusive, geschwisterliche Christinnen, die bewusst ein Zeichen gegen Aus- und
Abgrenzung setzen wollen. Dazu zählt auch die Akzeptanz von Amtsträgern und
Bischöfen aus der Ökumene. Es soll auch ein Zeichen gegen diverse
Religionskriege, wie z.B. in Irland sein.
Zu den Bischöfen aus der Ökumene kommen als weihende Bischöfe natürlich mindestens 2 römisch katholische Bischöfe. Sie haben eine sehr schöne und lupenreine apostolische Sukzession. Sie sind sehr spirituell, fromm und mutig. Ihnen ist das einseitig männliche Priesteramt zu ungerecht. Um einen Schritt in die richtige Richtung im 3. Jahrtausend zu machen, werden sie uns die Diakoninnen- und Priesterinnenweihe spenden. Sie werden dazu beitragen, dass die Kirche von ihre Halbsicht von Gott - Einäugigkeit - ein wenig geheilt werde: Gott ist nicht mehr gefangen in der Halbheit des männlichen Geschlechtes!!! Die weibliche Sicht kann zur Fülle beitragen. Wahrscheinlich werden aber noch mehr römisch katholische Bischöfe kommen, wir sind mit weiteren im Gespräch.
Zu
Kardinal Christoph Schönborn:
Wie
wollen Sie verhindern, dass Sie aus der Katholischen Kirche ausgeschlossen
werden?
Wir
sind durch die Taufe in die Gemeinschaft der Christen hineingenommen. Die Taufe
ist ein unauslöschliches Merkmal - damit kann man/frau auch nie mehr "tauflos"
werden. Viele Menschen, die durch einen Rechtsakt die Institution der römisch -
katholischen Kirche verlassen haben, sind innerlich und in ihrer
Christusnachfolge Christen und Christinnen geblieben. Ein Ausschluss aus Gründen
der Christusnachfolge, wie wir sie durch unseren Wunsch Priesterinnen zu werden
und eine Weihe anstreben, wird von uns keinesfalls akzeptiert. Falls dies jemand
ausspricht, werden wir einen solchen Ausschluss nicht anerkennen.
Viele
unserer Hauskirchen bestehen oft aus Menschen, die sich von der Kirche als
Institution, oft auch wegen des Kirchenbeitrages verabschiedet haben. Sie sind
quasi "draußen" - werden sie durch eine Gottesdienstfeier mit mir
dann ausgeschlossen, sind sie dann wieder drinnen (minus mal minus gibt plus)???
Welchen
Einfluss wird Ihre Weihe zur Priesterin auf Ihre Tätigkeit in der Kirche haben?
Fürchten Sie Strafmaßnahmen?
Meine
Weihe wird auf die Art meiner pastoralen Arbeit wenig Einfluss haben in dem
Sinn, dass ich die gleichen Arbeiten machen werde, wie bisher: einzelne
Menschen, Gruppen betreuen und begleiten, Kranke und Sterbende besuchen und mit
ihnen die Sakramente feiern, Einladungen zu Gottesdiensten und Predigten
annehmen, an meinem Arbeitsplatz priesterlich wirken. Geweiht werde ich dann mit
den Menschen auch öffentlich Gottesdienste und Sakramente feiern.
Ich
fürchte keine Strafmassnahmen, warum auch. Es gibt zuwenig Priester, Kirchen
stehen leer, Menschen bitten um Seelsorge. Wer sollte mich strafen und wofür?
Ich mache die pastorale Arbeit, die ohnehin keiner machen will.
Wie
ist es zu Ihrer Bewegung um die Frauenordination gekommen und welche diesbezüglichen
Bemühungen gibt es in Österreich insgesamt?
Der
Punkt 2 der Forderungen des Kirchenvolksbegehrens von 1995 war die volle
Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche und ihr Zugang zum Diakonats- und
Priesteramt. Ich habe lange Zeit gewartet und gehofft, dass irgendjemand etwas
unternimmt und ich mich anmelden kann. Das ist jahrelang nicht geschehen. Da ich
ständig älter werde, habe ich das Programm zur Priesterinnenausbildung
entwickelt, der Plattformvollversammlung vorgestellt, diese hat es einstimmig
angenommen. Wir haben es in 3 Gruppen begonnen, meine Gruppe ist inzwischen
fertig und nun gehen wir den nächsten Schritt.
Manche
Personen innerhalb der Kirchenreformbewegung in Österreich betonen, dass Ihr
Schritt ein Schuss nach hinten sein könnte und keine Vorteile, sondern eher
Nachteile für die Frauenordination bringt. Was sagen Sie dazu?
Mir
ist seinerzeit das Kirchenvolksbegehren leider nicht eingefallen. Ich bin während
des Anfangsprozesses erst dazu gestoßen. Ich denke, diejenigen Kirchenreformer
sollten sich ihre Forderungen nochmals durchlesen und über die Konsequenzen
nachdenken. Recht hat sich noch nie von selbst geändert. Es hat sich immer erst
durch Rechtsbruch oder Nichtbeachtung (totes Recht) etwas verändert. Das ist
nicht anders im CIC (Kirchenrecht). Warum sollte eine Männerwirtschaft
grundlos, nur aus gutem Willen, den Frauen auch nur ein einziges Recht oder ein
kleines Quäntchen Gerechtigkeit einräumen? Damit wären doch auch Machtverlust
und wahrscheinlich eine qualitative Konkurrenz verbunden. (Denken Sie an den
Lehrberuf!)
Wir
haben mittlerweile die definitive Zusage von römisch katholischen Bischöfen,
uns die Hände aufzulegen und uns zu Diakoninnen und Priesterinnen zu weihen.
Wenn Gott Priesterinnen in der römisch – katholischen Kirche will, wird er
sie bekommen. Und wenn auf unseren Bemühungen der Segen Gottes liegt, dann wird
es zum Heil der Menschen in dieser Kirche im 3. Jahrtausend gelingen.
Frauenordination
wäre vor 30 Jahren genauso gut möglich gewesen, wie es jetzt möglich oder
nicht ist oder in 30 Jahren. Daher ist der Zeitpunkt egal. Wir haben vor 3
Jahren den Beginn des priesterlichen Ausbildungsweges bekannt gegeben. Die Männer
in Rom haben Zeit genug gehabt, um darüber nachzudenken und selbst initiativ zu
werden. Als Frauen wissen wir "the baby must be born" und "nichts
kann uns scheiden von der Liebe Christi".
Herzlichen
Dank für das Gespräch.
Interview:
Robert Hochgruber
Das
letzte "Kirche In" war noch nicht einmal ganz durchgeblättert, da kam schon der
Anruf von Tantchen: „Bist du auch eine von denen?" Nein, bin ich nicht.
"Gott sei Dank!" Die Ankündigung, dass sich einige Frauen auf die
Priesterweihe vorbereitet haben und einen Bischof gefunden hätten, der sie
(unerlaubt) weiht, hat hohe Wellen geschlagen. Auch bei denen, die die
Priesterweihe für Frauen befürworten und das Anliegen unterstützen. Am selben
Tag kam dann auch noch per E-Mail die Stellungnahme der Plattform "Wir sind
Kirche", die sich von der geplanten Weihe deutlich distanziert.
Das
finde ich wichtig festzuhalten; und auch die Tatsache, dass die Gruppe um
Christine Mayr-Lumetzberger nur einen sehr kleinen Teil der Frauen repräsentiert,
die sich zum Priesteramt berufen fühlen. Die Mehrheit wünscht zwar auch die
Weihe, möchte dies aber im Rahmen der offiziellen Kirche, möchte die
Anerkennung und die Beauftragung der (im Wortsinn) "katholischen"
Kirche und nicht die einer schismatischen Kleingruppe. Wo liegt der Sinn, wenn
die Weihe zwar kirchenrechtlich gültig, aber unerlaubt ist, wenn ich mich von
vornherein gegen den Ortsbischof stelle? Da kann doch jede ihre Fähigkeiten
sinnvoller im Rahmen des Erlaubten einsetzen - für die Menschen und nicht gegen
sie. Was ja nicht bedeuten muss, dass wir nicht weiterhin um unser berechtigtes
Anliegen kämpfen. Die Kirche denkt in Jahrhunderten, und eine ernsthafte
Diskussion um das Weiheamt für Frauen findet erst seit etwa 30 Jahren statt.
Auch in den anderen Kirchen ging der Entscheidung für die Frauen ein jahre- und
jahrzehntelanger Meinungsfindungsprozess voran.
Es
scheint, als wollten mit dieser (angeblich ?) geplanten Weihe einige Frauen
ihren persönlichen Kleinkrieg mit der kirchlichen Obrigkeit ausfechten und
gewinnen. Sie tun der Sache nichts Gutes, denn die meisten auch noch so
wohlwollend gesinnten Menschen lehnen diese Vorgangsweise ab. Auch den von
Werner Ertel geschilderten Umgang dieser Gruppe mit der Eucharistie halte ich für
bedenklich, und mit dieser Meinung bin ich nicht allein.
Deshalb,
liebe Frauen, mein Appell: Es ist gut, wenn das Thema Frauenpriestertum in der römisch-katholischen
Kirche im Gespräch bleibt, damit sich (hoffentlich bald) etwas ändert. Aber
bitte nicht so! Das ist ein Schuss nach hinten und bringt für unser Anliegen
rein gar nichts.
Kirche
In, 03/2002
Frauenweihen
und römischer Widerstand
„In
ein geistiges Gefängnis eingesperrt“
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Die katholische deutsche Theologin Ida Raming veröffentlichte jüngst das Buch: Priesteramt der Frau - Geschenk Gottes für eine erneuerte Kirche, LIT-Verlag |
PUBLIK-FORUM:
Frau Raming, Frauen aus Österreich und Deutschland wollen sich demnächst zu
Priesterinnen weihen lassen, obwohl Rom strikt dagegen ist. Werden Sie jetzt
auch Priesterin - nach über 30 Jahren zwecklosen Diskutierens mit dem Vatikan?
IDA
RAMING: Bisher haben sich erst zwei Frauen aus dem Ausbildungskurs für
Priesterinnen geoutet. Die anderen halten ihre Absicht aus guten Gründen unter
Verschluss. Eine Ordination ist kein schnell beschaffbarer „Waren-hausartikel“.
Der Bischof ordiniert nur nach sorgfältiger Prüfung der Weihekandidatinnen.
PUBLIK-FORUM:
Also lassen Sie sich auch weihen?
RAMING:
Ich habe ja den Ausbildungskurs nicht mitgemacht.
PUBLIK-FORUM:
Aber Sie sind promovierte Theologin und seit Jahrzehnten Vorkämpferin für die
Frauenordination. Von Ihnen und Iris Müller stammen die ersten Eingaben für
die Weihe von Frauen beim Zweiten Vatikanum. Reicht Ihnen das Argumentieren
nicht langsam?
RAMING:
Der Aussage, dass es reicht stimme ich voll zu. Insofern als Frauen sich
ja wirklich seit fast 40 Jahren öffentlich für ihren Zugang zu den Weiheämtern
stark gemacht haben. Eine große Zahl anerkannter Theologinnen und Theologen hat
sich für die Ordination von Frauen ausgesprochen. Und was war die Antwort der
vatikanischen Kirchenleitung auf all diese Bemühungen? Auf seriöse
Argumentation ? Sie schlug alle noch so stichhaltigen Begründungen in den Wind
und schleuderte den Befürwortern ein wiederholtes „Nein“ entgegen! 1994 und
95 hat der Vatikan das in einer quasi-dogmatischen Entscheidung bekräftigt die
Frauen für alle Zeiten vom Priesteramt ausschließen soll.
PUBLIK-FORUM:
Sie insistieren auf seriöse Argumentation. Ist es Ihnen vielleicht zu unseriös,
sich jetzt „contra legem“ weihen zu lassen?
RAMING:
Nein. Das, was die Frauen da jetzt tun wollen, ist nicht unseriös. Sie handeln
aus einer Notsituation heraus, weil sie sich in ein geistliches Gefängnis
eingesperrt fühlen. Ich weiß auch, dass sie sich wiederholt bemüht haben,
einen römisch-katholischen Bischof dazu zu bewegen, sie zu weihen. Das ist
lange nicht gelungen, denn die allermeisten Bischöfe fürchten nichts mehr als
eine Abweichung von der Disziplin. Nun aber haben die Frauenoffenbar doch einen
römisch-katholischen Bischof gefunden, dessen Name nicht genannt wird, um ihn
zu schützen.
PUBLIK-FORUM:
Das klingt nach viel Geheimkrämerei. Glauben Sie da, dass weihewillige Frauen
später Gemeinden finden, die mit ihnen als Priesterinnen leben und arbeiten
wollen?
RAMING:
Es hängt sehr davon ab, wie kirchliche Frauenverbände, die ja auch zur
Frauenbewegung gehören, auf diese Weihen reagieren. Sie sollten sagen:
Diejenigen, die die Frauen vom Amt ausgeschlossen haben, tragen die
Verantwortung für alles, was jetzt geschieht. Und sie sollten die Priesterinnen
unterstützen.
PUBLIK-FORUM:
Was spricht für Rom gegen die Weihe?
RAMING:
Das kann man dem apostolischen Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“
entnehmen: Vor allem wird vorgebracht, dass Jesus zwölf Männer um sich
geschart habe und dass die Kirche an dieser männlichen Tradition festhalten müsse.
Aber es ist ja längst erwiesen, dass diese Gründe den Ausschluss der Frauen
nicht legitimieren können. Jesus handelte nämlich symbolisch und knüpfte mit
der Zahl zwölf an die zwölf Stämme Israels an - die ihrerseits durch Stamm-Väter
repräsentiert wurden. Im damaligen Milieu kamen für diesen Symbolkreis der Zwölf
nur Männer in Frage. Aber seit damals sind 2000 Jahre vergangen! Und Jesus hat
Frauen nie ausdrücklich ausgeschlossen.
PUBLIK-FORUM:
Manche sagen, es reiche, wenn frau erst mal Diakonin werden dürfe.
RAMING:
Das ist eine Sackgasse. Weil der Diakonat durch die sakramentale Ordination
stark im Zusammenhang mit dem Priesteramt steht. Ich sage deshalb: Das Ganze
fordern - dann werden auch die einzelnen Schritte möglich sein.
PUBLIK-FORUM:
Sehen Sie eine Chance, dass auch der Vatikan irgendwann Priesterinnen will?
RAMING:
Ja. Aber es hängt davon ab, wie jetzt die Frauenverbände reagieren- und die
Bischöfe. Die sollten sich fragen: Lassen wir die Frauen nicht im Stich, wenn
wir sie nicht ordinieren?
Interview:
BRITTA BAAS
Publik-Forum, Nr. 5, 8. März 2002