Auf... gelesen
Frei
Betto,
brasilianischer Theologe und Dominikaner, hat das derzeitige
Globalisierungsmodell für gescheitert erklärt. 80 Prozent der weltweiten
Industrieproduktion würden derzeit von nur 20 Prozent der Weltbevölkerung
kosumiert. 1,2 Milliarden Menschen lebten derzeit laut Weltbank-Angaben mit
einem monatlichen Einkommen von 35 Euro in absolutem Elend.
Publik-Forum, Nr. 5, 8.3.2002
Rund
60.000 Personen haben sich in der Diözese Innsbruck Mitte März an den
Pfarrgemeinderatswahlen beteiligt. Die Wahlbeteiligung sank damit nach 20,8
Prozent im Jahr 1997 auf 18,7 Prozent. Der Frauenanteil unter den 2.352 gewählten
Pfarrgemeinderäten stieg von 52 auf 55 Prozent. Gewählt wurde In 260
Pfarreien. 1.412 der Gewählten sind erstmals in dem Gremium vertreten.
Das
durchschnittliche Alter liegt bei 39 Jahren. In zwei .Pfarrgemeinderäten - in
Biberwier im Außerfern und in Innsbruck-Hungerburg - gibt es in Zukunft nur
noch weibliche Mitglieder.
Tageszeitung, 19.3.2002
Franz
Kripp „war eine außerordentlich mutige Person, von denen es ja so viel auch
wieder nicht gibt in diesem Land der Kriecher und Schleimer. Er hat es immer
gewagt, seine Stimme für all jene zu erheben, die im wahrsten Sinne des Wortes
ohne Stimme waren. ... Der Herr Baron ist vor allem für diese seine Tätigkeit
für die Extrakommunitären sehr angefeindet worden, schlecht gemacht, wie der
walsche Seppl damals, als die Walschen die Neger waren. Die sollen doch bleiben,
wo sie herkommen. Und überhaupt, dieser Kripp soll sie bei sich einquartieren,
die Zaggler. All das hat ihn nicht davon abgehalten, aufrechten Ganges seinen
Weg zu gehen, in der festen Überzeugung, dass Menschenrechte und vor allem die
Menschenwürde nicht den Launen der guten Bürger untergeordnet werden dürfen,
auch wenn dieser Mob Mehrheit ist, christliche Mehrheit, wie bei uns. Franz von
Kripp hatte für unser Land eine Vorbildfunktion, er war eine positive Autorität,
es tut mir deshalb Leid, dass er geht.“
Arnold Tribus, Tageszeitung, 23./24.2.2002
Martinus
Muskens, niederländischer Bischof,
hat erneut die Einberufung eines Dritten Vatikanischen Konzils gefordert. Die
Kirche sei „führungslos“; über zahlreiche Fragen gebe es in der
Kurie unterschiedliche Auffassungen, die weder diskutiert noch harmonisiert würden.
Das liege nicht zuletzt am schlechten Gesundheitszustand des Papstes.
Publik-Forum,
Nr. 5, 8.3.2002
Franziskanerinnen
treten Haft an
Dorothy
Henessey OFM (88) und Gwen Henessy (68), Geschwister und Franziskanerinnen in
den USA, haben im Gefängnis von Pekin/Illinois eine sechsmonatige Haftstrafe
angetreten. Die beiden Ordensfrauen hatten im November 2000 an einem nicht
genehmigten Protest auf dem Gelände der Militärschule in Fort Benning/Georgia
teilgenommen und waren verhaftet worden. Sr. Dorthy lehnte eine Aussetzung der
Strafe ab: Sie sei „keine Invalidin“.
St. Antoniusblatt, Februar 2002
Das
alles und mehr hätte geschehen können in diesem Monat: Die Landesregierung
setzt mehrere Milliardenprojekte auf die Warteliste und verdoppelt mit
sofortiger Wirkung die Entwicklungshilfe. "Wir leisten unseren Beitrag zum
Kampf gegen den Terrorismus, indem wir gegen seinen Nährboden, die Armut, kämpfen"
erklärt der Landeshauptmann. Diözesanbischof, Oberrabbiner und Imam der Region
laden zu einem Gebet um Frieden in Bozen. Die heimischen Banken erstellen eine
"Schwarze Liste" der internationalen' Konzerne, die ihr Geld mit
Ausbeutung und Kinderarbeit erwirtschaften; die Anlageberater raten künftig zum
Umstieg auf Aktien von "sauberen" Unternehmen. Das Schulamt startet
ein Projekt gegen die dramatisch zunehmende Gewalt an den Schulen. "Nach
diesem 11. September ist die Welt anders." Dieser Satz war in diesen Tagen
oft zu hören. Zumindest in Südtirol ist das Allermeiste beim Alten. Das Land fährt
auf der gewohnten Bahn. Die Chance auf einen Spurwechsel, auf Besinnung,
Zusammenrücken, auf eine neue Wertordnung ist vertan.
Martin Lercher, Sonntagsgedenken, Zett, 14.10.2001