Ermündigung - Projekte

Auszüge aus den Vorträgen von A. Zitelmann und B. Klammer

Arnulf ZITELMANN

In Anlehnung an Gioacchino Di Fiore, Abt aus Kalabrien, erläutert Zitelmann mit lebendigem Vortrag die  Prozesstheologie.

Der PROZESS  ist Bewegung, ein „procedere“, ein Vorwärtsgehen. Darin wird die Dreifaltigkeit (Vierfaltigkeit mit Maria) als Zeitablauf  so gesehen, dass der VATER den BEGINN, der SOHN die ERMÜNDIGUNG und der HEILIGE GEIST die MÜNDIGKEIT darstellen.

Das „qui fecit te sine te“  von Augustinus wird als Evolution verstanden.

Unser freier Entschluss ist notwendig. Luther sagt: „Ich muss auch dabei sein, aber d.h. nicht, dass ich auch damit einverstanden sein muss.

Gott kann nicht als Stück der Natur gesehen werden.

Die Schöpfungsgeschichte der Bibel ist ein Entwicklungsprozess, der sich vom ersten bis zum siebten Tage abspielt. Der Mensch ist das „Spitzenprodukt“ der Evolution; der Fortgang der Menschheit ist ein Katastrophen-Slalom, in dem der Mensch bisher immer Glück gehabt hat.

Das uns bekannte Gottesbild ist total veraltet (Bilder überleben sich); mit alternativen Gottesbildern haben wir Schwierigkeiten. Der Baum des Lebens blüht überall.  Gott ist mehr als Person. Gott ist transpersonal.

Augustinus: Du hast uns auf Dich hin erschaffen; unser Herz ist unruhig bis es ruht in Dir.

Wir sind ein „Entwurf“. Diese unsere Lebens-Realität (Buddha : alles Leben ist Leid) ist es nicht wert, wir müssen darüber hinausgehen.

Taillard de Jardin: alles endet im Omega-Punkt.

Die Kirchen haben aus der Frohbotschaft eine Drohbotschaft gemacht.  „Wer nur den lieben Gott walten lässt“  kann so nicht stimmen.

Es bedarf eines „demo­kratischen“ Gottesbildes: Gott „ermündigt“ die Menschen, er gibt Hilfe zur Selbsthilfe, er entmündigt nicht. Seine Botschaft ist:  Je selbständiger du bist, umso besser gefällst du mir.

In der Apokalypse sagt Johannes: Ich sah einen neuen Himmel ... und ich sah keinen Tempel.

GOTT IST LIEBE !  Die Erweiterung von Liebesfähigkeit ist Gottesdienst.

Wir brachen ein „weltraumfähiges“ Gottesbild; z.Z. ist nur der Buddhismus „weltraumfähig“.


Bruno KLAMMER

Der moderne Mensch gibt nur partielle Zustimmung, oder - anders gesagt - er weicht partiell ab.

Er geht heute nur auf einzelne Projekte ein. Mündig werden heisst: mich für das einzusetzen, womit ich einverstanden bin.

Die Kirche muss PROJEKTE anbieten.

Der Mensch ist eingebunden in ein Netzwerk , darin kann er wählen. Die Wahrheit ist unten, im praktischen Leben. Der Weg geht vom Zentralen zum Lokalen, dort liegt die Zukunft.

Kirche ist für viele nur noch ein Ort, wo eigene Religiosität einfließen kann, weil gerade keine andere Gemeinschaft zur Verfügung steht.

Das Projekt des heiligen Franz war: die Naturnähe, der Abbau von Schuld (er hat sich später vom großen Orden zurückgezogen).

Karl Trojer


Vollversammlung der Initiativgruppe

Am 7. April fand die Vollversammlung der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche in der Cusanus Akademie in Brixen statt.

Als Gäste waren Ingrid Thurner von "Wir sind Kirche" Österreich, Sebastian Zebe von der Evangelischen Kirche Bozen, Stefan Wedra von der Alt-katholischen Kirche, Harald Knörzer von der Freien Evangelischen Gemeinde Brixen anwesend. Georg Oberrauch vom Katholischen Forum und Seelsorgeamtsleiter Bernhard Holzer ließen sich entschuldigen. "Wir sind Kirche" Deutschland schickte eine liebe Grußbotschaft.

Wir änderten die Statuten dahingehend, dass in Zukunft alle fördernden und ordentlichen Mitglieder stimm- und wahlberechtigt sind.

Beschlossen wurde, die "Initiative für mehr Demokratie" in Südtirol zu unterstützen und mit ihr zusammenzuarbeiten. Sie versucht - ähnlich wie unsere Initiativgruppe - das Recht auf Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger durch direktdemokratische Elemente zu beleben und einzuführen. Damit  könnte in die Entscheidungsprozesse des Landes und der Gemeinden z.B. durch Volksbefragungen eingegriffen werden. Eine ausführliche Vorstellung der Initiative für mehr Demokratie erfolgt in den kommenden Impulsen.

Jahresbericht und Kassabericht wurden entgegengenommen. Positiv vermerkt wurden die vielen Tätigkeiten der Initiativgruppe und die Tatsache, dass aus den wenigen Finanzen viel gemacht wurde.

Die begeisternde Begegnung mit Arnulf Zitelmann und Bruno Klammer rundete den Nachmittag ab.