Zivilcourage in der Kirche

 Protest gegen den Treueid

50 mutige Priester der Erzdiözese Freiburg  -  Solidaritätsaufruf

Im November 2000 sorgte eine Annonce in Publik Forum für Aufregung. Unter dem Titel "Priester mit Courage gesucht" wandte sich  das "Priesterforum der Erzdiözese Freiburg" an Priester, die bereit waren, gegen den so genannten Treueid aufzustehen.  50 Kirchenmänner aus der Diözese und zahlreiche andere aus verschiedenen deutschen Diözesen meldeten sich bis Ende Jänner 2001 und erklärten  schriftlich ihre Bereitschaft, öffentlich gegen den Treueid zu protestieren. Sie kamen aus allen Bereichen der Kirche: Pfarrer, Kooperatoren, Dekane, Hochschul-, Klinik-, und Jugendseelsorger.

Der Treueid zwingt seit 1989 sämtliche Priester der Welt, bei der Übernahme eines Amtes "Gehorsam des Willens und des Verstandes" zu geloben, auch bei Lehren, die nicht "in einem endgültigen Akt festgelegt sind" , wie z.B. an der nur Männern vorbehaltenen Priesterweihe", an der "Rechtmäßigkeit der Papstwahl", an der "Ungültigkeit der anglikanischen Weihen".  Längere Zeit hatten die deutschen Bischöfe Widerstand dagegen geleistet: es gäbe keine amtliche Übersetzung des lateinischen Textes. Im Frühjahr 2000 jedoch legte Kardinal Ratzinger eine offizielle Übersetzung vor. In der Diözese Bozen-Brixen dürfte er schon seit Anfang der 90er Jahre vorgeschrieben sein.

Als Zeichen der Sorge um die Kirche, nicht als Zeichen des Protestes gegen den Freiburger Erzbischof Oskar Saier sei die Aktion zu verstehen, erklärte das Priesterforum. Dieser habe als versierter Kirchenrechtler jahrelang gegen den Treueid intern gearbeitet. "Allerdings sehen wir die Gefahr, dass durch die von der Kirchenleitung in Rom vorgeschriebenen Bekenntnis- und Eidesformeln die neuen Impulse, die das Zweite Vatikanische Konzil für die Kirche gegeben hat, in Frage gestellt werden. ... Wir geben der Sorge Ausdruck, dass durch diese Form von Glaubensbekenntnis und Treueid die theologische Diskussion eingeschränkt und eine Konformität erzeugt werden soll, die nicht mehr der katholischen Weite entspricht."

Die Reaktion der Diözesanleitung war tiefe Betroffenheit und  teils Druck (ein Priester zog daraufhin seine Zustimmung zurück).

  

Kontakt: Priesterforum - c/o Pfarrer Christoph Heimpel, Blumenstr. 23, D-69115 Heidelberg, Tel. 06221/130216, Internet: www.joerg-sieger.de/forum.

 

Übrigens: Vor einigen Jahren hatte Prälat Oppolzer von St. Pölten den Treueid verweigert. Seither kann er zwar nicht Pfarrer sein, wohl aber ständiger Pfarradministrator.

Die 9. Bundesversammlung von "Wir sind Kirche" Deutschland - auch Vertreter des Vorstandes der Initiativgruppe waren als Gäste dabei - hat am 24.3.2001 in München ihre Solidarität mit den 50 Priestern aus der Erzdiözese Freiburg ausgedrückt. Hier der Wortlaut:

"Der mutige Protest der 50 Priester aus der Diözese Freiburg gegen den Treueid bestärkt uns in unserem Engagement für eine geschwisterliche, freiheitliche Kirche, das wir seit dem Kirchenvolksbegehren 1995 unermüdlich aufrechterhalten.

Es ist ein Hoffnungszeichen, ein weiterer Aufbruch, der uns Mut macht!

"Christliche Freiheit statt heiliger Herrschaft" war bereits auf einer Bundesversammlung am 4. Oktober 1998 in Würzburg ein zentrales Thema. Das Referat vom Kirchenrechtler Prof. Dr. Werner Böckenförde zeigte uns auf: Indem den Priestern und Bischöfen unter Strafandrohung bei Gehorsamsverweigerung ein Treueid abverlangt wird, der in einem Zusatz zum Glaubensbekenntnis auch Gehorsam gegenüber den Lehren des Papstes bzw. Bischofskollegiums verlangt, wird der Absolutheitsanspruch des kirchl.  Lehramtes manifestiert.

Unsere Vision von einer Kirche, die christliche Freiheit praktiziert, in der Angst und Gesetzestreue ersetzt wird durch Vertrauen, geben wir nicht auf.

Deshalb stellen wir uns voll und ganz hinter den Protest der Priester aus Freiburg. Wir rufen Priester anderer Diözesen auf, ebenfalls ein Hoffnungszeichen zu setzen und ihre Solidarität öffentlich zu machen."

 

Es geschehen Zeichen und Wunder

In Mainz wurden am 23. Juni vier Männer zu Priestern geweiht. Sie kamen aus Köln, Trier und Mainz.  Sie haben zum ersten Mal Frauen der Aktion Lila Stola zu ihrer Weihe eingeladen!!