Herbert
Haag in seinem neuen Buch
Nur
wer sich ändert, bleibt sich treu
Für
eine neue Verfassung der katholischen Kirche
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„Hat die Kirche noch eine
Zukunft?"
Die Antwort ist schnell gegeben: Die Katholische Kirche hat dann noch eine Zukunft, wenn sie den Mut und die Kraft aufbringt, sich eine neue Verfassung zu geben. Diese muss, angesichts des Misserfolges der bisherigen Verfassung, vor allem drei Kriterien erfüllen.
I. Die "Rücksicht auf die Weltkirche" darf kein bestimmendes Prinzip mehr sein. Sie darf für die Bischöfe kein Vorwand mehr sein, dringende Reformen zu verhindern. Die einzelnen Bischofskonferenzen müssen frei bestimmen dürfen, was den Bedürfnissen ihres Landes oder ihrer Gegend entspricht. Wer warten will, bis alle Bischöfe und Laienvertretungen der Welt sich in einer wichtigen Sache einig sind, kann ewig warten. Wo noch genügend Priester da sind, kann man daran festhalten, dass ein" Geweihter" der Eucharistie vorstehe. Wo die Eucharistie wegen Priestermangels nicht mehr gefeiert werden kann, müssen "Laien" dazu ermächtigt werden können. Wo der Pflichtzölibat für bestimmte Männer oder Frauen in der Kirche mehrheitlich gewünscht wird, kann es ihn geben. Wo nicht, soll er abgeschafft werden. Wird dies jedoch nicht erst dann möglich sein, wenn "Netzwerke bischöflicher Ortskirchen" (B. J. Hilberath) darüber befinden können ?
2. Es darf keine Zwei-Stände-Kirche mehr geben. Sie ist ein Werk der Kirche und mag einmal ihren Sinn gehabt haben, heute hat sie diesen Sinn verloren. Die Kirche darf nicht länger eine Kleruskirche sein. Sie ist eine Gemeinschaft von gleichberechtigten Jüngern und Jüngerinnen Jesu. Es darf keine Vorrechte mehr geben für "Geweihte" und keine mehr für Männer. Die volle Gleichberechtigung von Mann und Frau auch in der Kirche ist ein Menschenrecht.
3. Die Kirche sollte nicht länger als eine absolute Monarchie verfasst sein, in der einer allein die ganze katholische Welt regiert. An der Spitze könnte vielmehr ein Gremium die Leitung wahrnehmen, das sich aus Bischöfen sowie Männern und Frauen aller Kontinente zusammensetzt. Der Kompetenzbereich und die Machtbefugnisse dieses Gremiums werden schon dadurch eingeschränkt sein, dass die aktuellen Entscheidungen, die konkret Leben und Disziplin der Kirche betreffen, von den jeweiligen Bischofskonferenzen getroffen werden. Dem "Weltkirchenrat", wenn wir jenes Gremium einmal so nennen wollen, werden nur relativ wenige, im Einvernehmen mit anderen Weltreligionen zu treffende Entscheidungen verbleiben.
Aus allen diesen Optionen ergibt sich mit zwingender Notwendigkeit die Schaffung eines neuen Kirchenrechts, das sich am Evangelium orientiert.„
(Seiten 119 und 120)
Als Zusammenfassung des Buches wählt Herbert Haag einen Auszug aus dem Brief des Innsbrucker Altbischofs Reinhold Stecher vom November 1997:
„Das
Bestürzende (der heutigen Situation der Kirche) liegt darin, dass die
derzeitige Kirchenleitung einfach ein theologisches und pastorales Defizit
aufweist, so peinlich das zu sagen ist. Das Amt in der Kirche ist von seinem
Biblischen Verständnis her ein dem Heile dienendes Amt und kein sakramentaler
Selbstzweck, dem es völlig gleichgültig sein kann, ob Millionen und
Abermillionen von Christen überhaupt je die Möglichkeit haben, Heil stiftende
Sakramente zu empfangen und die Mitte ihrer Gemeinschaft, die biblisch und
dogmatisch die Eucharistie ist, in einer menschlich erlebten Weise zu
pflegen„.
In diesem Buch geht es
dem international geachteten Bibelfachmann Herbert Haag, geb. 1915 mit Blick auf
die heutige strukturelle und pastorale Situation der Kirche um Grundsätzliches:
Um den notwendigen, überfälligen und möglichen Strukturwandel der Kirche, den
schon vor dreißig Jahren Karl Rahner leidenschaftlich angemahnt hat. Wie kann
Kirche aussehen, die sich auf biblischem Fundament an Jesus Christus orientiert,
an seinen Lebensmaximen, an seinem Sendungsauftrag?
Ein mutiger Beitrag in der Diskussion um eine glaubwürdige und geschwisterliche Kirche im dritten Jahrtausend. Herbert Haag beschreibt in mutiger Weise und zudem in einer erfrischenden Sprache die Probleme der heutigen Kirche und versteht es, knapp und klar wesentliche Antworten zu geben.
Haag,
Herbert: Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Für eine neue Verfassung der
katholischen Kirche, Herder 2000,
128 Seiten, ca. 25.000 Lire.