Alexander
Langer zur Kirchenreform
Alexander Langer hat im Mai 1969 in Tübingen auf einem Kongress mit dem Thema "Autoritäre Strukturen in Kirche und Gesellschaft: Strategien für Veränderungen" einen auch heute noch beachtenswerten Vortrag gehalten. Er ist 32 Jahre danach aktueller denn je. Viele prophetische Gedanken von damals warten noch auf Umsetzung.
Alexander Langer war immer religiös und wohl auch vor allem am Beginn seiner Tätigkeit kirchlich interessiert. War er doch in der Marianischen Kongregation des Franziskanergymnasiums Bozen aktiv.
In seinen Vortrag entwirft Alexander Langer ein schonungsloses Bild des Zustandes der Kirche, entlarvt die pseudodemokratischen Tendenzen nach dem II. Vatikanischen Konzil, die bis heute in Gremien und Verbänden andauern, um auf die ursprüngliche Aufgabe der Kirche und ihrer Ämter auf der Basis des Evangeliums zurückzukommen.
Neue Generation und alte Strukturen der Macht
Gespräche
der Paulus-Gesellschaft, hsg. von Erich Kellner
Vortrag
von Alexander Langer, Mai 1969, Tübingen, auf dem Kongress: „Autoritäre
Strukturen in Kirche und Gesellschaft: Strategien für Veränderungen“
Vorträge
hielten u.a. auch Prof. Jürgen Moltmann und Prof. Hubertus Halbfass.
von ALEXANDER LANGER
Demokratisierung
- Ende und Anfang einer Kirche
Hat
es heute überhaupt noch einen Sinn, sich mit dem Problem einer Demokratisierung
der Kirchen auseinanderzusetzen? Haben sich die christlichen Kirchen in der
Geschichte nicht als so konservativ und reaktionär erwiesen, daß alle Hoffnung
auf Erneuerung vergeblich ist? Selbst Christen, die auf ihre Kirche nicht
verzichten wollen, könnten dieser Meinung sein. Menschen aber, die den Kirchen
fernestehen, fragen sich heute, ob die Institution Kirche sich nicht weit überschätzt,
wenn sie glaubt, in den historischen Prozeß der Menschheit noch eingreifen zu können.
Wird die Umgestaltung der Welt ohne die Kirchen nicht genau so, wenn nicht sogar
weit besser vor sich gehen? Wer heute für eine Erneuerung der Kirchen plädiert,
ist in Gefahr, für naiv und provinziell gehalten zu werden.
Trotzdem:
immer noch gibt es Menschen, Christen, die in der Kirche Spuren der Jüngerschaft
Christi sehen. Ihnen geht es bei der Erneuerung der Kirchen um deren überzeugende
Annäherung an ihren Auftrag zum Zeugnis und zur Prophetie. Andere befürchten
die Entstehung von Ersatzorganisationen, wenn diese Kirchen erst verschwunden
sein sollten. Alle versuchen darum, sie wenigstens soweit umzufunktionieren, daß
ihre objektiv bremsende und repressive Wirkung auf die Gesellschaft überwunden
und ihr menschliches und "ideologisches Potential" anderen Zielen
dienstbar gemacht wird. Ob die neuen Positionen in der Kirche dann dem
Evangelium Christi mehr entsprechen werden als die alten ist den ausschließlich
an der gesellschaftlichen Wirksamkeit der Kirche Interessierten mehr oder
weniger gleichgültig, nicht aber denen, für die Kirche Zeugnis und Prophetie
bedeutet.
Kein
Bannfluch kann noch helfen
In
einer Gesellschaft, die sich immer mehr emanzipiert, haben Werte wie Demokratie,
Partizipation, Eigenverantwortlichkeit, Dialog, Partnerschaft einen sehr hohen
Stellenwert. Demgegenüber erscheinen die Kirchen in ihrer derzeitigen Struktur
als "unzeitgemäß". Eine Kritik, die alle gefestigten Strukturen der
Gesellschaft in Frage stellt, nimmt selbstverständlich die Kirchen nicht aus.
Ja, sie findet gerade in den Kirchen massive Ansatzpunkte. Während progressive
Studenten, Soziologen, Lehrer, Journalisten oft nur mit Mühe geschickt
verschleierte autoritäre Strukturen in der Profangesellschaft aufdecken können,
bieten die Kirchen ihre Herrschaftsverhältnisse in zahlreichen äußeren
Symptomen offen dar. Man denke an "Humanae vitae", an das Problem des
Pflichtzölibats, an bestimmte Formen der Liturgie, an Äußerungen von
bestimmten kirchlichen Amtsträgern. Oft nur Streiflichter, die sich Tag für
Tag aber aneinander reihen und die Unhaltbarkeit der jetzigen Situation deutlich
machen.
Bedeutsamere
Gründe tragen noch tiefere Unsicherheit in die überkommenen äußeren wie
inneren Strukturen: der Zusammenbruch der aristotelisch-thomistischen
Grundlegung des Herrschafts- und Lehrsystems, der in der katholischen Kirche
seit vierhundert Jahren verpaßte Anschluß an die zeitgenössische Kultur- und
Geistesgeschichte, die Technisierung und die Massendimensionen der Welt von
heute, die sich anbahnende Befreiung zahlreicher Menschen und Gruppen von überkommenen
Vormundschaften. Diese Kräfte sind durch keinen Fluch mehr zu bannen und durch
kein noch so geschicktes Ablenkungsmanöver mehr zu ignorieren. Daß die
katholische Kirche meistens etwa um zwei Jahrhunderte hinter der Entwicklung der
Profangesellschaft in Europa zurück ist und erst in unserem Jahrhundert
begonnen hat, sich den Anforderungen der frühesten konstitutionellen Monarchie
einigermaßen anzupassen, ist ebenfalls kein Geheimnis.
Die
"Führer" und die "Geführten"
So
mußte wohl auch der Bewußtseinsprozeß innerhalb der kirchlichen Hierarchie,
der sich auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil progressiver manifestiert hat als
er in Wirklichkeit ist, dazu führen, daß man die gegebene Situation annähernd
zur Kenntnis nahm und darauf antwortete. Ein neues Selbstverständnis der Kirche
wurde theoretisch und praktisch in Ansätzen erarbeitet. Man durfte nun auch
offiziell vom ,,Volke Gottes" sprechen.
Mit
den ersten Schritten auf dem Weg zur stückhaften und immer wieder beargwöhnten
Verwirklichung der "Volk-Gottes-Idee" sind aber wiederum einige
belastende kirchliche Komplexe deutlich in Erscheinung getreten:
a)
Die Kirche erwies sich als eine von der Kaste des Klerus beherrschte Institution
mit einer klaren Unterscheidung von "Führern" und "Geführten",
die der modernen Profangesellschaft fremd ist. Die Scheidung der "duo
genera christianorum" war so offensichtlich einseitig, daß Unbehagen und
Reaktion nicht ausbleiben konnten.
b)
Die Diskrepanz zwischen der innerkirchlichen Politik, die praktisch in mehr oder
weniger absoluter Monarchie und absolutistisch-selbstherrlichen
Herrschaftspraktiken verharrte und der inzwischen im Westen vom Bürgertum
geschaffenen liberalen Demokratie mußte sich ebenfalls auswirken, wenn man
nicht auch auf das Bürgertum als Kirchenvolk verzichten und sich auf die
verbliebenen restlichen Bastionen der Feudal- und Agrargesellschaft zurückziehen
wollte.
c)
Die Konkurrenz der rationalisierten und auf technokratische Effizienz bedachten
Welt, besonders spürbar in der Wirtschaft, den Massenmedien und zum Teil auch
im Bildungssystem, förderte für viele unerwartet die Obsoletheit des
Jahrtausende alten und eigentlich immer bewährten Kirchenapparates zutage.
Die
ungenügende Reform
Das
Stichwort auf diese belastenden Komplexe lautet: "Demokratisierung der
Kirche". Sie stellt sich heute so dar:
a)
Die rein klerikale Funktionärsschicht in der Kirche wird mit mehr oder weniger
vielen "Laien" durchsetzt. Der zahlenmäßig sowieso schwindende
Klerus tritt einen Teil seiner Macht ab. Dafür tauscht er die Anpassung der
Laien an die eigenen Denkformen und Verhaltensmodelle ein. Es entstehen die
zahlreichen "Berufslaien", deren Präsenz und quantitative Häufung
von manchen als Indiz für eine "demokratische" Kirche gewertet wird.
Sie verkennen dabei, daß sich das Prinzip der Machtverteilung und Machtausübung
nicht geändert hat.
b)
Die Diskrepanz zu den weltlichen Gesellschaftsstrukturen soll verringert werden
durch die Einführung von "demokratischen" Elementen. Sie können
selbst in den gewagtesten Fällen wohl nur als liberaldemokratische
Parlamentarisierung bürgerlicher Prägung - Laienräte, Liberalisierung der
Presse, äußeres "aggiornamento" -, oder als Kodifizierung eines
neuen kirchenrechtlichen Formalismus verstanden werden, mit dessen Hilfe sich
dieses neue "Bürgertum" der Kirche -aktive Laien, Theologen und
unzufriedene Priester -, die Erhaltung seiner Errungenschaften sichern will. Man
denke hier an genau ausgeklügelte Wahlverfahren, an Prozeduren bei der Kurie
und anderes mehr.
c)
Der Rückstand der kirchlichen Institutionen an rationalisierter und vielleicht
technologischer Effizienz wird durch "Modernität" und äußerlich
neue und zweifellos rationelle Strukturen aufgeholt. Die Kirche bemüht sich,
ihre Methoden der freien Marktwirtschaft anzupassen. Man braucht Managertypen.
Man flirtet durch Fernsehen, Funk, Leppichs, "public-relations",
karitative und bildungsfördernde Anstalten mit dem wenig kirchenfreudigen Volk.
Pseudodemokratisches
Verhalten
Das
Konglomerat dieser Art "Laienaktivismus", Parlamentarismus-Spiels und
betrieblicher Rationalisierung wird dann gerne und häufig als "aggiornamento"
oder "Demokratisierung" der Kirche proklamiert und ein beträchtlicher
Teil der innerkirchlichen Bestrebungen zahlreicher "mündiger"
Christen läuft in diese Richtung.
Es
entbehrt nicht ganz der Komik, wenn eine Kirche, hoffnungslos unliberal, jetzt
auf Liberalismus macht, selbst klerikal, jetzt die Laien zu klerikalisieren und
das numerische Gleichgewicht neu auszupendeln versucht. Wenn sie, obwohl
unterschwellig technik- und fortschrittsfeindlich, plötzlich Marktforschung,
Werbung und Betriebsrationalisierung "tauft", das heißt
verchristlicht und vereinnahmt.
In
Wirklichkeit aber werden durch derartige Anpassungsmanöver weder die autoritären
Herrschaftsstrukturen in der Kirche berührt noch auch die Funktion der Kirche
in der Gesellschaft.
Was
aber soll "Demokratisierung der Kirche" bedeuten? Worauf zielt sie?
Kirche
wird bewertet nach ihrer Erscheinung
Endziel
aller globalen Veränderungen innerkirchlicher Strukturen und Verhaltensmodelle
kann nur sein, den Auftrag der Kirche an die Menschheit in einer neuen überzeugenderen
Weise wahrzunehmen. Nur in dieser Perspektive hat eine Veränderung
innerkirchlicher Verhältnisse einen Sinn. Sonst könnten Christen wie
Nichtchristen darauf verzichten, an einer hoffnungslos zurückgebliebenen Kirche
noch etwas ausbessern zu wollen. Wo hingegen der Auftrag gesehen wird, ist es
von unübersehbarer Bedeutung, daß die Kirche eine Gemeinschaft in Brüderlichkeit
ist, in der Gott erfahrbar Mensch wird. Daß die Zeichen, durch die sich eine
solche Gemeinschaft ausdrückt und ordnet, diese Realität möglichst deutlich
machen, daß die konkreten Strukturen sich jeweils am theologisch fundierten
Kirchenverständnis messen und daß sie somit historisch gestaltet und geändert
werden. Die christliche Gemeinde hat einen Auftrag zur Verkündigung, der heute
großenteils allein durch die Art ihrer Präsenz und ihrer erfahrbaren Verfaßtheit
verstanden und gehört werden kann. Eine Kirche, die dem modernen Menschen, an
den sie ihre Botschaft richtet, zumutet, trotz allem und gegen ihre Evidenz an
das "Eigentliche" der Kirche zu glauben, überfordert ihn. Gerade als
Verwalterin der Botschaft mißt er sie an ihrer Erscheinung.
"Demokratisierung"
in der Kirche ist gefährlicher und "verunsichernder" als alle anderen
Spiele, die bisher unter dieser Etikette gespielt wurden. Denn es kann sich
dabei nicht um eine plumpe Nachäffung von staatlichen Strukturen handeln, auch
nicht darum, daß sie der Welt eine "perfekte Gesellschaft"
vorexerziert und auch nicht einmal nur darum, ihren "Nachholbedarf" an
Demokratie zu decken. "Demokratisierung" in der Kirche heißt
Entinstitutionalisierung der Kirche, heißt Suche nach einem pastoralen und
soziologischen Standort in der Gesellschaft, heißt die Wahrnehmung ihres
Auftrages in der Welt.
Die
Entinstitutionalisierung
Zugleich
mit dem Untergang der Metaphysik, des Absolutheitsdenkens und der auf Autorität
gegründeten Sicherheiten muß eine Reihe von Begleitkategorien das Feld räumen.
So wurden die Absolutsheitsansprüche der Lehre schlicht auf die kirchlichen
Strukturen übertragen. Eine fixierbare und arbeitsteilige Unterscheidung in
geistliche und weltliche Belange, in Priester und Laien, in Kirche und Welt, in
privat und öffentlich, in innerkirchlich und außerkirchlich wies allem seinen
bestimmten Ort zu. Es gab berufenen Mund, um "die Meinung der Kirche"
oder "die katholische Lehre" allgemeinverbindlich festzustellen oder
auszusagen. Man wußte, wer zur Kirche gehörte, wer nicht und wann "die
Kirche" gesprochen hatte. Ein zutiefst in römisch-rechtlicher Überlieferung
verwurzeltes juristisches Denken wußte die Unerfaßbarkeit der Gemeinde, die
auf den Herrn wartet und für ihn Zeugnis ablegt, in nachprüfbare Kriterien und
Kategorien zu fassen.
Solange
die Kirche als Institution nicht tot ist, bleibt jede
"Demokratisierung" sinnlos und führt zu unentwirrbaren Widersprüchen.
Solange der abstrakte Begriff "Kirche", deren konkrete Vertretung dem
kirchenbürokratischen Apparat nach präzisen Rechtsregeln zusteht, nicht
verschwindet, solange an die Stelle der Institution Kirche mit all ihrem
Anspruch und ihren Verbindlichkeiten nicht die christliche Gemeinde tritt, die
sich nicht aus dem Bekenntnis zur Institution definiert, ist eine noch so
"demokratisch" verfaßte Kirche immer eine Lüge und eine Anmaßung.
Sie würde nämlich immer letztlich nicht verifizierbare Tatbestände mit inadäquaten
Kategorien zu fassen und zu repräsentieren beanspruchen und immer eine
Verbindlichkeit vortäuschen, die die Institution nicht gewähren kann. Deutlich
wird das an zwei Beispielen.
Die
Kirche als Institution ist tot
Wer
spricht im Namen der Kirche? Wer ist diese Kirche? Die Amtskirche? Der Klerus
und die Laienfunktionäre? Deren Mehrheit? Wer sonst? Erst wenn jeder Christ
diffus und ohne Bezugnahme auf eine abstrakte Institution gleichermaßen "für
die Kirche" sprechen kann, womit diese Usurpation gegenstandslos und also
unnötig wird, verschwindet die Institution. Parallel dazu würde dann endlich
jene Schizophrenie geheilt, die heute vielfach beim Klerus, besonders bei Bischöfen,
zu bemerken ist, kraft deren sie "als Mensch", "als Bürger",
"als Christ", “als Bischof“ verschiedene Ansichten haben oder sie
nur verschieden laut äußern dürfen oder sollen.
"Die
Kirche" als Institution, der keine effektiv teilhabende Gemeinschaft
entspricht, wohl aber ein durch seine Macht und seinen Reichtum erdrückender
Apparat mit juristisch befugten und durch entsprechendes Prestige ausgewiesenen
Amtsträgern, kann nicht "demokratisiert", sondern nur abgeschafft
werden.
Es
bleibt die lebendige Gemeinde
Selbstverständlich
kann Kirche als brüderliche Gemeinschaft nicht auf jegliche Verfaßtheit und
Ordnung verzichten. Aber der Weg ist von unten her zu beschreiten, so daß alte
auf die gemeinsame Botschaft und die bestellten Amtsträger auf jene, die sie
bestellt haben, unmittelbar und nie letztlich verbindlich bezogen bleiben. Eine
"Meinung der Kirche" gäbe es zunächst nicht mehr, bis sich die
Kirche neu gefunden hat. Nur die konkrete Gemeinschaft und die Sammlung von
konkreten Gemeinschaften könnten durch immer lebendig gebliebene Vermittlung
Meinungen äußern und agieren.
Demokratisierung
der Institution Kirche, die nicht das apparathaft Institutionelle überwindet,
ist also konsequent abzulehnen. Ein besseres Kirchenrecht, zweckdienlichere
kirchliche Institutionen helfen nicht weiter. Nur wo die Identität der
christlichen Gemeinde effektiv, nicht formaldemokratisch oder gar juristisch,
einen Grad erreicht, der Abstrahierung zuläßt, und wo dem "Wehen des
Geistes" nicht unüberwindliche bürokratisch-juristische Schranken gesetzt
sind, kann eine Verfaßtheit und somit auch Geordnetheit der Kirche wieder ihren
Anfang nehmen. Heute hat die innere Identifikation der Gläubigen mit dem verfaßten
Amt ein Mindestmaß und der normierte und überkommene Apparat in einem
eigengesetzlichen Automatismus einen hohen Grad erreicht.
Man
könnte entgegenhalten, daß die innere Identifikation als ein
Internalisierungsprozeß auch in der Institution stattfinden kann, wie es z. B.
für einen Teil des traditionell katholischen Kirchenvolkes dem Papst gegenüber
zutrifft. Es ist klar, daß in solchen Fällen die Autoritätsabhängigkeit am höchsten
und somit am gefährlichsten ist und daß noch viel Emanzipationsarbeit
geleistet werden muß. Denn eine derartige Haltung mag zwar insofern
"kirchentreu" sein, als sie Gehorsam produziert. Aber das ist gerade
jener Gehorsam, den es zu bekämpfen gilt, nämlich der Gehorsam gegenüber der
Struktur nicht gegenüber der Botschaft.
Die
Kirche der Armen
Die
Entfremdung zwischen der Institution Kirche und jenen Völkern und
Volksschichten, denen die Botschaft Christi zuerst geschuldet ist, nimmt zu.
Durch die Unverständlichkeit der kirchlichen Sprache, die sozio-kulturellen
Bezugssysteme in ihrer Verkündigung, die historische Zuordnung zu den Mächtigen
dieser Welt, ihre effektive soziologische Allokation in der Mittelschicht der
Wohlstandsgesellschaft und bei den reichen Völkern der Erde ist die Kirche
heute keine Kirche der Armen, sondern in manchen Ländern sogar eine Kirche der
Reichen und der Mächtigen. Ganz allgemein gesprochen ist sie weder selbst arm
noch den Armen zugeordnet. Die Armen in unserer Gesellschaft können noch so
vielen Entfremdungen und Unterdrückungen unterworfen sein: die Kirche stellt
ihnen gegenüber einen äußerst wirksamen Integrationsfaktor dar, ein
gemeinsames Bezugsmoment, das klassenverbindend und vertröstend wirkt. Sie ist
eine Macht, die im besten Fall lieber durch ihre Institutionen Caritas betreibt,
als daß sie den Armen durch die Verkündigung der frohen Botschaft eine Kraft
vermitteln würde zur Befreiung und Selbstbefreiung.
Das
prophetische Amt der Kirche
Wir
haben uns an eine Kirche gewöhnt, die durch eine ganze Apparatur bestimmter
Riten, Moralgesetze, Strukturen und verpflichtender Dogmen eine Institution
lokalisierbarer Heilsvermittlung ist. Sie erhebt den Anspruch, objektiv das Heil
in der Welt zu verwalten. Auch die Strukturen der Kirche, sowohl die
organisatorischen wie auch die sakramentalen, verstand man als objektiv wirkend
- ex opere operato - und selbst die Zugehörigkeit zur Kirche, bzw. die
missionarische Ausbreitung der Kirche wurden als Weg zum Heil gesehen. Heute ist
das Verständnis der Heilswirksamkeit im Sinne des Ritualismus und Automatismus
theologisch überholt. Auch die Notwendigkeit der institutionellen Zugehörigkeit
zur Kirche wird immer mehr relativiert. Stattdessen tritt das prophetische, das
zeugnishafte und auf Verkündigung bedachte Amt in der Kirche und der
christlichen Gemeinschaft mehr und mehr in den Vordergrund.
Unter
dem Aspekt einer "Demokratisierung" der Kirche ist ihr prophetisches
Amt in Bezug auf ihre Strukturen zu bedenken. Diese Strukturen hat die Kirche
vorwiegend "ad intra" ausgerichtet, auf die Verwaltung der Institution
und die Erfüllung wirklicher oder vermeintlicher Aufträge. Nach außen, zur
Welt hin, trat die Kirche durch eine Vielzahl von Einrichtungen auf, die
vornehmlich der stellvertretenden Wahrnehmung von Aufgaben dienten, die eine
fortgeschrittene Gesellschaft ohne weiters und wesentlich besser ohne die Kirche
durchführen kann. Man denke an Schulen, Krankenhäuser, karitative
Institutionen usf..
Die
Kluft zwischen Zeichen und Realität
Die
christliche Gemeinschaft, die Kirche, kann heute der Welt einen anderen und
dringenderen Dienst leisten. Sie kann der Welt eine Gemeinschaft vorleben, die
auch in ihren je gegebenen Strukturen zeugnishaft jene Werte verwirklicht, an
die sie glaubt und die sie verkündet: Freiheit, Brüderlichkeit, Würde des
Menschen, Hoffnung.
Soll
eine solche christliche Gemeinschaft überzeugend sein, dann muß sie die Kluft
zwischen Zeichen und Realität auf ein Mindestmaß reduzieren. Unablässig muß
sie daran arbeiten, Struktur und Wert, Zeichen und Realität einander so anzunähern,
daß diese Relation auch für Menschen, die der Kirche fernestehen, deutlich in
Erscheinung tritt. Nur so kann sie glaubhaft verkünden. Dabei ist nicht zu übersehen,
daß auch in einem solchen Bemühen Gefahren liegen können, die sich heute in
einem sogenannten progressiven Kirchenverständnis auch bereits niederschlagen.
Die christliche Gemeinschaft verwirklicht die ideale Gesellschaft in ihrem
Inneren. Menschen, die ihr zugehören, flüchten in diese Oase der
Menschlichkeit, Freiheit, Liebe. Das prophetische Amt der Kirche aber fordert
unmißverständlich, daß sie ihre Botschaft und ihr Zeugnis ständig der Welt
zur Konfrontation anbietet und damit Unruhe schafft. Sie kann sich nicht damit
begnügen, Evasionsbedürfnisse zu befriedigen.
Wirklich
befreiend können humane und christliche Züge innerhalb der kirchlichen
Gemeinschaft erst dann wirken, wenn dadurch Impulse zur Realisierung der von ihr
verkündeten Werte in der Welt vermittelt und die Widersprüche zu den
bestehenden Ungerechtigkeiten deutlich gemacht werden.
„Offen
dem Wehen des Geistes“
Prophetische
Kirche, Entinstitutionalisierung und Kirche der Armen gehören zusammen, denn
die institutionelle und von den Armen und der Armut entfernte Kirche kann ebenso
wenig prophetisch wirken wie sie ihr prophetisches Amt, wieder
institutionalisiert, nur einfach in einer anderen Richtung - also etwa links
statt rechts - wahrnehmen kann.
Ist
eine Kirche, die nicht institutionalisiert, arm und prophetisch ist,
realisierbar? Entinstitutionalisierung der Kirche bedeutet eine Gemeinschaft,
deren Selbstverständnis nicht durch eine vorgefundene und von den Gliedern
wesentlich unabhängige Institution bestimmt wird, sondern die trotz ihrer
historischen Kontinuität ihre Gestalt, ihren Glauben, ihren Auftrag ständig
neu vollzieht und erfährt und dabei dem „Wehen des Geistes“ offenbleibt.
Der
Schritt von der bürokratisch-hierarchisch verfaßten autoritären Institution
zur Kirche, an die wir glauben, kann nicht von selbst und nicht sofort erfolgen.
Das Dilemma jeglichen reformistischen Denkens wird offenbar: Soll eine Politik
der kleinen Schritte versucht werden? Soll der lange Marsch durch die
Institutionen anheben? Sollen Kompromisse geschlossen werden oder sind klare
eindeutige Verhaltensweisen zu bevorzugen?
Aprioristische
allgemeingültige Leitsätze aufzustellen ist sicher nicht möglich. Vielmehr
sollte die Taktik streng funktional zur einmal erkannten und beschlossenen
Strategie sein, ohne irgendwelchen absoluten Wert zu beanspruchen. Doch ist zu
bedenken, daß ein Reformismus abzulehnen ist, der hinauszögert und
verschleiert. So wenig etwa ein Moralist, der die Polygamie abschaffen will,
einen graduellen Übergang von zehn zu neun, von neun zu acht Frauen usf. gutheißen
würde, so wenig kann die Kirche "tropfenweise" reformieren. Der Papst
irrt, wenn er glaubt, eine Erneuerung und Demokratisierung der Kirche wirklich
einzuleiten dadurch, daß er den Prunk und die Zahl seiner aristokratischen
Trabanten vermindert, seine Schweizer Garde einfacher ausstattet, die
Purpurschleppen seiner Kardinäle verkürzt.
Affront
aus Liebe zur Kirche
Um
die Entinstitutionalisierung in der Kirche voranzutreiben, wird sich in vielen Fällen
die Ablehnung und Verweigerung als einziger Weg anbieten. Die Christen werden
aus Liebe zur brüderlichen Kirche jede Verlautbarung oder Äußerung der
institutionellen Kirche, die nicht aus der Gemeinschaft erwächst, ablehnen und
ihr christliche Legitimität absprechen müssen. Sie werden an der Zerstörung des Apparats der Kirche, ihrer
Vereine und Verbände, ihrer Presse, ihrer alten und neuen kirchenrechtlichen
Vorschriften arbeiten müssen. Neue Verhaltensweisen zwischen den
Kirchengliedern, besonders zwischen den Amtsträgern und der Basis sind zu
entwickeln. Autoritäre Elemente und Strukturen, abgesichert durch Katechese,
durch Gebete und Gesten in der Liturgie, durch eine bestimmte Aura des
Unnahbaren und Heiligen, sind zu entlarven und zu bekämpfen.
Vor
allem anderen aber muß eine intensive Bewußtseinsbildung aller Kirchenglieder
einsetzen, so daß jeder Christ weiß, er selbst ist die Kirche und hat sich
dementsprechend zu verhalten. Zugleich ist die Legitimation nach innen und nach
außen zu zerstören, die heute noch weithin der kirchlichen Institution
anhaftet. "Die Kirche hat gesprochen", "die Stellung der Kirche
zu ..", "die Kirche meint" -, alles das sind Unwahrheiten, die
als solche gekennzeichnet werden müssen. Bei allem aber ist der Versuchung zu
entgehen, der institutionellen Usurpierung neue Usurpierungen entgegenzusetzen.
Wo
im Namen der Kirche und mit entsprechenden Zitaten, etwa aus "Rerum Novarum"
gegen die Vergesellschaftung der Produktionsmittel argumentiert wird, sollte man
nicht "Populorum progressio" bemühen und die Gegenmeinung als
Position der Kirche hinstellen. Wahr ist, daß die Kirche keine Position
beziehen kann, solange sie nicht als Kirche, als Gemeinschaft, besteht. Ob sie
zu solchen Fragen etwas sagen wird, wenn sie brüderliche Gemeinschaft ist, läßt
sich nicht mit Sicherheit voraussagen.
Wie
die "Könige der Heiden“ ...
Damit
die Kirche eine Kirche des Volkes, das heißt, eine Kirche der Basis und der
Armen wird, muß eine ganze Reihe von Hindernissen abgetragen werden. Die
unverständliche und volksferne Symbolik, die Pracht- und Machtentfaltung und ähnliche
evangeliumfremde Entartungen sind abzubauen. Vielleicht können hier nur massive
Aktionen helfen wie etwa kollektive Enthaltung von Gottesdienst und Kommunion,
Demonstrationen, Übernahme und Veräußerung kirchlicher Gegenstände und
Reichtümer.
Abzuschaffen
sind auch alle Strukturen, die der weltlichen Gesellschaft nachgebildet sind und
schlichtweg das Evangelium verleugnen. Im Evangelium werden bestimmte Formen der
Machtausübung "den Königen der Heiden" angekreidet. Heute findet man
wenige "Könige der Heiden", die so verbissen an Macht, Prestige,
Autorität und Statusdenken, an erstarrten sozialen Rollen hängen wie die
"Kirchenfürsten". Dabei soll gerade die Kirche eine Gemeinschaft
sein, die das Magnifikat wahrmacht und die Mächtigen von den Thronen stürzt.
Nur mehr von der Gemeinde effektiv geforderte und anerkannte Dienste, nicht eine
Vortäuschung unkontrollierbarer Investitur, soll die Funktionsträger in der
Kirche ausweisen. Auch hier wäre ein gradueller Reformismus verfehlt. Es sei
denn, man wollte dadurch den Zerfall der Institution beschleunigen, um nach dem
Zusammenbruch wieder neu bauen zu können.
Der
neue Mittelbau im kirchlichen Apparat
Man
kann die autoritären Strukturen innerhalb der Kirche nur überwinden, wenn die
Prozesse der Information, der Kommunikation und der Entscheidung auf ganz andere
Grundlagen gestellt werden. Die Vorenthaltung von Informationen, ihre
Konzentration bei gewissen Stellen, ihre Verschleierung dienen dem Machtzuwachs
einiger weniger und dem Abhängigkeitsverhältnis der vielen. Alle Christen
sollten für größte Wahrhaftigkeit und Öffentlichkeit, d. h. für effektive
Zugänglichkeit und Verbreitung der Information eintreten. Auch das Spiel um die
Entscheidungsprozesse, die Ansätze zu einer zaghaften Parlamentarisierung,
haben in der bisher entwickelten Schau keinen Sinn. Man sollte prüfen, ob der
Boykott von Pastoralräten nicht dringlicher ist als der Versuch, einige
passable Leute in die Gremien hineinzuschmuggeln.
Besonders
schwerwiegend wirkt sich in diesem Zusammenhang die fortdauernde Klassentrennung
zwischen Priestern und Laien in der Kirche aus. Alle Informationen,
Entscheidungen, Wahlen, werden doppelgleisig kanalisiert. Als Unterklasse des
Klerus sind dabei vielleicht privilegierte Laien anzusehen, die allein oder in
Gruppen langsam beginnen, einen neuen Mittelbau im kirchlichen Apparat
darzustellen. Auch diese Christen erster Kategorie haben jedoch keinerlei
Sonderlegitimation.
Das
Problem des Amtes
Wie
soll eine Demokratisierung in der Kirche als Mitbeteiligung aller am kirchlichen
Gemeinschaftsleben bewirkt werden ?
Vielleicht
wäre ein erster Schritt, die Möglichkeit des freien Wortes zu schaffen. Dabei
wird sich dann allerdings zeigen, wie sehr die Kirche heute von den tatsächlichen
Bedürfnissen und Lebensbereichen derer entfernt ist, denen sie das Evangelium
verkünden will. Aus diesem Grunde und in Rücksicht auf den langdauernden Prozeß
einer Demokratisierung und Bewußtseinsbildung sollte man versuchen,
entsprechende synodale Strukturen von unten zu entwickeln, um die Gemeinschaft
dort wirksam vertreten zu können, wo sie zahlenmäßig nicht mehr in direkter
Wahrnehmung ihrer Aufgabe handeln kann. Damit ist das Problem des Amtes in der
Kirche neu gestellt.
Kirche
und Macht
Wichtiger
noch als die Veränderung der Gemeinschaftsstrukturen in der Kirche ist ihr Rückweg
zu einer Kirche der Armut und der Armen. Wer von Demokratisierung der Kirche
spricht, kann nicht absehen von dem Verhältnis Kirche und Macht. In der
Geschichte hat die institutionelle Kirche der politischen Macht vielfältige
Dienste geleistet. Immer hat sie dadurch beigetragen zum Beharren des
herrschenden Gesellschaftssystems innerhalb der christlich-abendländischen
Welt. Sie hielt die Menschen zu einem autoritätsunterworfenen Gehorsam an,
lieferte dem Bestehenden ideologische Legitimierung und bestimmten Machtformen
und ihren Trägern theologische Investitur. Angeblich unpolitisch, betrieb sie
in Wirklichkeit eine eigene Politik - eine Politik der unkritischen Anpassung an
das jeweils herrschende System, soweit es von der Kirche gesegnet war. Immer
wieder kanonisierte sie, oft asketisch verbrämt, die Flucht vor der weltlichen
Verantwortung. Unter diesen und zahlreichen anderen Formen hat die Kirche als
Institution neben anderen Institutionen der Macht gelebt, sich mit ihnen in die
Herrschaft der Welt geteilt und ihnen sogar einen besonders wirksamen Dienst
erwiesen: sie hat sie mit ihren Mitteln sanktioniert.
Auftrag
der Kirche nur im Jenseits?
In
dieser für die Herrschenden dieser Welt so nützlichen Institution ist nun
Unruhe erwacht. Eine Gesellschaft, deren Ordnung sie garantiert hat, versucht,
sie in ihre Schranken zu verweisen. Immer mehr Unternehmer, Presseleute,
Politiker und andere Machtträger erkennen plötzlich, daß der
"eigentliche" Auftrag der Kirche im Jenseits, nicht im Diesseits begründet
ist.
Vorsicht
ist geboten. Jeder Kompromiß und jede Absprache mit den Mächtigen ist zu
entlarven und zu unterbinden, gleich ob es sich um Militärseelsorge, um
Kirchensteuer, um Religionsunterricht, um Finanzen handelt.
Manche
Menschen glauben heute, eine bisher institutionelle, konservative Kirche solle
sich nun progressiv engagieren, um frühere Sünden wieder gutzumachen. Die
Versuchung, das institutionelle Prestige der Kirche mit dem entsprechenden
Einfluß auf viele Menschen für das legitime Anliegen der gesellschaftlichen
Umgestaltung in Anspruch zu nehmen, ist groß. Dennoch: solange ein Bischof die
Kirche als Institution versteht, sollte er nicht, auch wenn er links steht, für
"die Kirche" sprechen. Ein diffuses Kirchenbewußtsein und eine
effektiv entinstitutionalisierte Kirche vertragen in der gegenwärtigen
historischen Belastung solche Haltungen nur schwer.
Politische
Theologie sollte heute nur mehr auf der Basis einer nicht mehr institutionell
fixierten christlichen Gemeinde betrieben werden. Andernfalls werden die Mächtigen
dieser Welt wieder einen Weg finden, mit der Institution entschärfende
Absprachen zu treffen. Eine institutionelle Kirche läßt sich festlegen und
knebeln, während sie munter den Anwendungsbereich der Konkordate auch auf den
sozialistischen Machtbereich ausdehnt. Nur eine diffuse Kirche kann Ort der
befreienden Kritik und Prophetie sein und bleiben.
Gefahren
der Erneuerung
Dem
Konzept zur Erneuerung und Demokratisierung der Kirche stellen sich selbstverständlich
zahlreiche Widerstände entgegen. Dabei ist der Widerstand, der offen von
autoritär-konservativer Seite her erfolgt, vielleicht noch der relativ ungefährlichste,
weil er offen erfolgt und leicht zu durchschauen ist. Bedenklicher ist es, wenn
sich einerseits die weltlichen Machtträger bemühen, gefährliche Tendenzen in
der Kirche abzufangen oder wenn andererseits der kirchenbürokratische Apparat
mit mehr oder weniger gutgemeinten
Konzessionen und Scheinreformen aufwartet, die einmal das Dilemma aufwerfen, ob
man damit einen Kompromiß schließen soll oder nicht, und zum anderen leicht
den Effekt haben, die Kräfte der Umwälzung zu spalten, ja sogar gegeneinander
auszuspielen. Auch die Gefahr des Neointegralismus oder Neotemporalismus von
links, die Umfunktionierung der Institution Kirche durch Bündnisse nach links
statt nach rechts, weil nun einmal die Entwicklung dahin geht, liegt nahe.
Trotzdem: alle Gefahren werden die Erneuerung der Kirche nicht verhindern, wenn
sich nur genug Menschen existentiell und überzeugend dafür einsetzen.
In was für einer Gestalt wird sich die Kirche am Ende dieses Entwicklungsprozesses konkretisieren? Das ist eine Frage, die heute niemand mit Sicherheit beantworten kann. Sicher ist, daß eine Gemeinschaft, die sich im Gehorsam zum Evangelium weiß, den Entwicklungsprozeß wagen muß. Wagt sie ihn nicht, dann bleibt für die Menschen, die in Treue zur Botschaft stehen, nur das Engagement zur Zerstörung der institutionellen Kirche schlechthin oder aber das Aufgeben jeglicher Bemühungen um die Kirche, damit die Toten ihre Toten ungestört begraben können.
Geboren am 22. Februar 1946 in Sterzing. Journalist, Übersetzer, Lehrer. Seit frühester Jugend aktiv bei verschiedenen Zeitschriften, Verbänden und Bürgerinitiativen.
Sein Einsatz galt seit jeher dem friedlichen Zusammenleben der verschiedenen Volksgruppen und einer demokratischen Autonomie in Südtirol. Ab 1978 in den Südtiroler Landtag und Regionalrat Trentino-Südtirol gewählt, zuletzt als Abgeordneter der "Grünen Alternativen Liste fürs Andere Südtirol".
Seit 1989 Abgeordneter im Europäischen Parlament, 1994 wiedergewählt, erster Vorsitzender der neu gegründeten Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament.
Am 3. Juli 1995 entscheidet er, sein Leben zu beenden.