Von der Unmenschlichkeit des Zwangszölibates

Mórrope - ein Dorf wehrt sich

Mórrope ist ein kleines Dorf, ca. 20 km nordwestlich von Chiclayo, Hauptstadt des Departments Lambayeque in Perú. Sonntag, 20. Dezember. Die Kirche ist überfüllt von Gläubigen, denn heute geht es ums Ganze: Sie wollen Ihren Pfarrer nicht verlieren. Schon seit Monaten richtet die Gemeinde Schreiben an den Opus Dei-Bischof, damit er seine Entscheidung rückgängig mache. Die örtlichen Autoritäten stehen entschlossen hinter ihrem Hirten, der, zusammen mit mehreren Priestern mit Familien, eine aufopfernde Seelsorgearbeit bis in die letzten "casaríos" betreibt, dort, wo die Anhänger des Bischofs nicht hinkommen.

Wir, von der Nationalen Bewegung, haben die Einladung unserer regionalen Basiskirche angenommen und waren von Abgesandten aus Chimbote, Huancayo und Lima vertreten. Am Ende der Messe verlasen wir im Namen der Bewegung "Dialogo y Vida" eine Erklärung mit folgendem Wortlaut:

"Angesichts der Probleme die sich in dieser Ortskirche von Mórrope, auf Grund der Anordnung des Bischofs von Chiclayo Mons. Jesus Moliné Labarte, ergeben haben, dass nämlich P. Jorge Arbañil ab 1. Januar seine Pfarrei zu verlassen habe, erklärt der "Movimiento Nacional Diálogo y Vida":

1. Es ist unser dringender Wunsch, dass jederzeit und jedenorts der letzte Wunsch Jesu sich erfülle: "dass alle eins seien.."( Jo 17, 11).

2. Mit Johannes XXIII. glauben wir, dass alles was eint, Werk Gottes (opus dei) ist, und alles was trennt, Werk des Bösen.

3. Von unseren Bischöfen erwarten wir, dass sie Diener und Garanten der Einheit sind und, gleich dem heiligen Cyprianus aus dem 2. Jh., keine Entscheidung treffen ohne den Rat und die Zustimmung des Volkes Gottes einzuholen.

4. Und diese geliebte Ortskirche laden wir ein, den Geist Gottes anzurufen, den brüderlichen Dialog von ihrer Seite mit den berufenen Dienern der Kirche weiterzuführen, ohne deshalb auf ihr menschliches und christliches Recht zu verzichten, dass man ihre Liebe und Hochachtung zu ihrem Hirten ernst nehme und die willkürliche Ausscheidung ihres Pfarrers überdenke."

Es unterschrieben die anwesenden Koordinaten von Huancayo, Josë Zárate Aguirre, - von Chimbote, Erman Colonia Fiegueroa, - von Chiclayo, Juan Fco. Cabrera Chudan und von Lima, meine Wenigkeit als Präsident der Nationalen Bewegung "Diálogo y Vida".

In den drei Tagen meines Aufenthaltes in Chiclayo kam mir so recht zum Bewußtsein, welche Dramen das Gesetz des Zölibats bei Männern, Frauen und Kindern hinter sich läßt. Die meisten Priester, die das "Alleinsein" als Frustration ihres Menschseins erfuhren (1 Gen 18), die vorzogen eine Frau zu lieben anstatt zu "brennen" (1 Kor 7,9), jedoch aus Existenzgründen, den offenen Schritt in die Welt nicht wagen (ohne Beruf, mit fortgeschrittenem Alter, in einem Land über 50% verarmt und noch mehr, nicht - oder unterbeschäftigt, und mit einem Katholizismus bei fast totaler innerer Abhängigkeit und Unreife in religiösen Fragen). Von den Frauen, die sich in Priester verliebt haben, sind es nur ganz wenige die mutig ihr Gesicht zeigen. Fast immer handelt es sich dann um Lehrerinnen und Sozialhelferinnen, die sich schon einen Platz im Herzen der Bevölkerung erobert hatten. Diese stellen sich mutig vor ihren Geliebten und nehmen sich vor den Bischöfen kein Blatt vor den Mund. Beispiel: Jannett, die Frau von Erman und Shalivana von Chiclayo, letztere, von einem fortgeschrittenen Krebsleiden gezeichnet, stellt ihre Zeit und Kraft als Lehrerin voll und ganz den armen Kindern und der Sache Jesu zur Verfügung. Die meisten Priesterfrauen jedoch leben geradezu im Untergrund, um dem unwissenden und fehlgeleiteten Pöbel und seinen bösarigen Beschimpfungen zu entgehen, während ihre Kinder als Waisenkinder mit lebenden Vätern bezeichnet werden müssen.

Ich frage mich: Wie kann eine solche Kirche, vertreten vom gegenwärtigen Papst und seinem unterwürfigen Gefolge, Menschenrechte verteidigen, während sie selber solche Unmenschlichkeiten auf ihrem Gewissen hat?

Daß die nicht wenigen Priester in Chiclayo, mit Frau und Kindern, diese Tortur besonders durchstehen müssen, ist der Tatsache zuzuschreiben, daß hier die Hochburg des Opus Dei ist. Bekanntlich verfügt diese Geheimorganisation über eine Universität in dieser nördlichen Stadt Perus. Während die Bischöfe von Huancayo, von Trujillo und anderen Regionen, verheiratete Priester weiter im Dienste belassen, erleben unsere Brüder in Chiclayo eine regelrechte Verfolgung. Man versetzt sie nicht, man stellt sie einfach auf die Straße. Schlimm ergeht es solchen, die aus dem Verein des Opus Dei selber ausbrechen und ihn von innen kennen. Nach dem Zeugnis eines dieser Opfer wird kein Mittel gescheut, um sie seelisch, moralisch und selbst physisch fertig zu machen. Tränen und Wut sah ich in den Augen dieses jungen Mannes, den Mitglieder des Opus Dei, die heute hohe Posten in der Diözese besetzen, für verrückt erklärten und durch ihren Einfluß seine Internierung in ein Asyl erreicht hätten, wenn er nicht entlaufen wäre.

Es ist wirklich Zeit, es von allen Dächern zu rufen, was unser verehrter Bischof Stecher (Innsbruck) so klar aussprach: Die Kirche darf nicht die Sache Christi menschlichen Gesetzen und Autoritäten unterordnen und sie muß sich bewußt werden, daß die Lieblosigkeit, mit der sie ihre schwachen (oder vielleicht und zum Teil ehrlichen) Schwestern und Brüder behandelt, eine Sünde gegen das Hauptgebot Jesu, die Liebe ist, was man nicht von denen behaupten kann, die gegen solche menschliche Normen verstoßen, die sich aus der Botschaft Jesu nicht ableiten lassen und der Person in seinem Wachstum und berechtigtem Suchen nach Selbstverwirklichung, großen Schaden zufügen.

Franz Wieser, Lima