Brief von Franz Wieser aus Peru

Liebe Freunde in Südtirol!

Für viele von uns, die wir einmal den Weg durch das Seminar und das Priestertum gegangen sind, dann aber, wegen des Zölibatsgesetzes, unsere Berufung nicht mehr voll ausführen dürfen, bedeutet die weltweite Bewegung des Kirchenvolksbegehrens eine enorme moralische Kraft, unseren eingeschlagenen Weg im Vertrauen auf Gott weiterzugehen.

Vor 5 Jahren gründeten wir in Peru den «Movimiento Nacional Diálogo y Vida», eine Bewegung, die in kürzester Zeit Gruppen aus dem Innern Perus miteinschloß und schon seit Beginn nicht eine klerikale, sondern eine Gottesvolkbewegung als Ziel hatte. Wenn unsere Bewegung auch der "Internationalen Föderation der Verheirateten Katholischen Priester" angeschlossen ist, so verstand sich «Diálogo y Vida» doch vom Anfang an als eine Bewegung von der Basis her, und schloß Laien mit ein. Zwar werden wir, die wenigen, die es sich materiell und gesellschaftlich irgendwie leisten können, noch für lange Zeit die treibende Kraft der Bewegung sein. Die meisten der aus dem Dienst entlassenen, etwa 90%, stehen materiell schlecht und, um ihren Arbeitsplatz zu erhalten, ziehen sie das Schweigen und die Anonymität vor. Über unsere Zeitschrift «Amanecer» - wir konnten schon 10 Nummern mit einer Auflage von 150 Exemplaren verteilen - versuchen wir ihnen Stimme zu geben und sie über Geschehen und neue theologische Erkenntnisse aus Europa auf dem Laufenden zu halten. Dazu sind uns «Publik-Forum», «Imprimatur», «Impulse von Unten», sowie andere Zeitschriften aus dem spanischen und portugiesischem Bereich eine große Hilfe. Es fehlen uns nur materielle Mittel. Nur zu zweit bestreiten wir die Schrift und deren Verteilung. Vielleicht dürfen wir da von meinem europäischen Vaterland eine Stütze erwarten...?

Darf ich mich nun vorstellen?

Mein Name ist Franz Wieser. Ich bin Südtiroler, aus Stilfs im Vinschgau. Ich lebe nun schon über 30 Jahre in Peru und arbeite als Lehrer und Bibliothekar an der Deutschen Schule in Lima. Meine Freizeit und meine noch überschüssige Energie gilt meiner Berufung als Missionar, der ich auch nach meiner "Laisierung" nicht absagen konnte. Religionsunterricht, Bibelstunden und vor allem öffentliche Kommunikationsmittel sind dabei mein "Reitpferd". Letztere haben mir und meinem Anliegen weit den Zugang geöffnet.

Bei unserem letzten nationalen Kongreß wählte man mich zu meiner Überraschung zum Präsidenten der Bewegung "Dialogo y Vida". Ich sage zu meiner Überraschung, denn die meisten meiner Mitbrüder ziehen nur langsam und zögernd mit meinen Idealen mit, die ich noch mit meinem Freund Pepe Rouillon teile: eine Kirche ohne das Zweiklassensystem Klerus-Laien. Nicht eine Hierarchie von Gewalten, sondern eine Symphonie von Charismen, wie sie Paulus zeichnete mit dem Bild des Leibes.

Wir haben ein brennendes Interesse daran mit unseren Schwestern und Brüdern in Südtirol, Österreich, Italien und Deutschland in Verbindung zu bleiben.

Es grüßt Euch, Schwestern und Brüder in meiner Heimat,

Euer Franz Wieser