Papstbesuch in Österreich
Die Enttäuschung für die Reformbewegung war zu erwarten
Der Besuch Papst Benedikts in Österreich hat viele Teilnehmende bewegt Doch es waren weniger als erwartet, und das nicht nur wegen des Wetters. Wieder hat sich gezeigt: Die Menschen suchen nach religiösen Leitfiguren und schätzen Manifestationen ihres Glaubens. Die Kirche war in diesen drei Tagen in hohem Maß präsent und es gab spirituell dichte Ereignisse. Das ist sicher erfreulich.
„Auf Christus schauen“ war ein gut gewähltes Motto, aber der Papst hat ihm nicht entsprochen. Der Herr hat uns im Gleichnis vom guten Hirten gesagt, dass Allem voran dem verlorenen Schaf nachgegangen werden muss. Aber Benedikt blieb im Kreis seiner Getreuen, auch der Sympathisanten oder einfach Neugierigen. Dort fand er jenen Jubel, der ihm ebenso wie auf dem Petersplatz ein bestimmtes, aber kleines Segment der Katholiken vor Augen führt.
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"Al di sopra del Papa, come espressione della pretesa vincolante dell'autorità ecclesiastica, resta comunque la coscienza di ciascuno, che deve essere obbedita prima di ogni altra cosa, se necessario anche contro le richieste dell'autorità ecclesiastica. L'enfasi sull'individuo, a cui la coscienza si fa innanzi come supremo e ultimo tribunale, e che in ultima istanza è al di là di ogni pretesa da parte di gruppi sociali, compresa la Chiesa ufficiale, stabilisce inoltre un principio che si oppone al crescente totalitarismo". Joseph Ratzinger |
Doch mehr als 99 Prozent blieben fern und die wären es eigentlich, welche die Zuwendung des Nachfolgers im Petrusdienst brauchen würden. Darunter sind die Unreligiösen, die Gleichgültigen und vor allem die von der Kirche Enttäuschten – einschließlich einer nach wie vor wachsenden Zahl von Ausgetretenen. Sie mussten erfahren, dass alles beim Alten bleiben wird.
Es war eben eine „Pilgerreise“, so wurde betont. Sie hinderte den Papst nicht daran, politische Aussagen zu machen, aber sehr wohl daran, die Besorgten zu hören, sich ihnen gar zuzuwenden und zu den brennenden Fragen der Kirchenkrise Stellung zu nehmen. Was hätte in dieser Situation jener Jesus getan, nach dem sich alles (angeblich) richten soll?
Es war ein beredtes Schweigen, das der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz sogleich in seinem Sinn und wohl richtig interpretierte: Freiräume wären entstanden, die zu nützen wären, aber „in eine andere Richtung“. Anders also, als es sich etwa die „Pfarrer-Initiative“ und die „Plattform Wir sind Kirche“ erwarten würden. Dass diese damit mehr Handlungsmöglichkeiten bekämen, muss wohl ein frommer Wunsch bleiben.
Die kalte Schulter ist nicht zu übersehen, das Schweigen und das nicht hören Wollen. Die konservativen Kräfte wurden bestätigt. Benedikt tritt für die Freiheit ein, sagte Schönborn. Es ist aber nicht die Freiheit, die wir meinen, sondern jene die es dem vormaligen Präfekten der Glaubenskongregation gestattete, redlich bemühte Theologen zu maßregeln und sich über die weitaus überwiegende Meinung des Kirchenvolkes einfach hinwegzusetzen.
Es wird sich also nichts ändern an dem unbiblisch autoritären System, das sich nun neuerlich bestärkt fühlt. Ich würde es so zusammenfassen: Der hoffnungsvolle Blick auf die glorreiche Vergangenheit und deren herbei gesehnten Rückkehr mag gut gemeint sein, aber er verstellt den viel wichtigeren auf die Zukunft. Dieser Papst kann die Kirche aus ihrer existenzbedrohenden Krise nicht hinaus führen.
Anderes war von Anfang des Pontifikats an nicht zu erwarten. Illusionen denen sich da viele hingaben, sind zerstört. Das soll uns nicht entmutigen denn die Hoffnung ist eine christliche Tugend. Wir sollten daher das anerkennen, was Benedikt für den Glauben tut, aber nicht von dem ablassen, was die Reformbewegung in der Kirche sein muss: Eine unermüdliche Mahnerin, das Aggiornamento an die Stelle bedrohlicher Erstarrung zu setzen.
Herbert Kohlmaier, Wien