Franziska Jägerstätter

(geboren 1917) – Zeugin des Friedens

Um 1935 hat der junge Bauer Franz Jägerstätter eine junge Frau gesehen, die ihm nicht aus dem Sinn ging und die er daraufhin auf Kirchtagen und bei Anlässen zu denen viele Leute zusammenkamen, suchte. Er fand sie, es war Franziska Schwaninger aus Hochburg, die im Gasthaus Reib arbeitete. Er fand auch ihr Kammerfenster und gewann sie sofort, weil er nicht nur gut aussah, sondern auch interessant erzählen konnte.

Franziska JägerstätterAm 9. April 1936, am Gründonnerstag in aller Früh, heiraten Franz Jägerstätter und Franziska Schwaninger und brechen danach sofort zu einer Hochzeitsreise nach Rom und Neapel auf.

Franz und Franziska gestalteten eine überaus glückliche Ehe. Der Hof verlangte schwere körperliche Arbeit ab, sie lebten in Hausgemeinschaft mit Franz' Mutter und ein bis zwei Dienstboten. Beide sahen gut aus, legten Wert auf schöne Kleidung, Franziska war eine gute Köchin; drei Kinder vervollständigten das Glück. Franz war der erste und einzige Vater im Dorf, der seine Kinder im Kinderwagen ausfuhr. Jahrzehnte später ist seine Frau darauf noch stolz. Franziska brachte religiöse Erfahrungen wie Bibellesen, gemeinsames Gebet oder öfteren Kommunionempfang in die Ehe ein. Mit dem Motorrad konnten sie Ausflüge machen, eine völlig neue Möglichkeit und Erfahrung. Die Eheleute entwickelten einige Fantasie um einander ihre Zuneigung zu zeigen. Franz bemerkte über diese Zeit: „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass Verheiratet- sein so schön sein kann.“ Franziska: „Wir haben eins dem anderen weiter geholfen im Glauben.“

Im Frühjahr 1938 kam es im Zusammenhang mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich zu einer Krise in der Beziehung des Ehepaars. Franz erklärte, dass er an der Abstimmung über den Anschluss Österreichs an das deutsche Reich am 10. April nicht teilnehmen würde, denn „was ist das für eine Wahl, wenn die schon mit den Panzern da sind.“ Franziska spürte den Druck, überall waren schon Menschen weggebracht worden und sagte, dass sie ihren Mann nicht mehr lieben würde, wenn er nicht zur Wahl ginge. Dieser erschrak, die beiden konnten sich aussprechen und Franziska merkte, dass es Bereiche gab, in denen sie ihren Mann nicht unter Druck setzen durfte. Es ist beeindruckend wie sie ihm später, als er sein Leben riskiert, Freiraum und Unterstützung gewährt. Im Juni 1940 sowie zwischen Oktober 1940 und April 1941 ist Franz Jägerstätter Soldat der Deutschen Wehrmacht. Er erfährt u. a. von den Morden an psychisch Kranken. Auf Betreiben des Bürgermeisters von St. Radegund wird er als Bauer unabkömmlich gestellt. Nach der Rückkehr sagt Franz seiner Frau, dass er einer weiteren Einberufung nicht mehr Folge leisten würde. Es ist beiden klar, was dieser Entschluss nach sich ziehen würde. Franziska redet ihm zu, doch einzurücken. Auch hoffen beide auf ein baldiges Kriegsende. Innerhalb der Familie führt das Vorhaben Franz Jägerstätters zu heftigen Diskussionen. Franziska bemerkt über diese Zeit: „Die Verwandten sind gekommen, es wurde gestritten; wenn ich da nicht zu ihm gehalten hätte, hätte er gar niemand gehabt.“

Ende Februar 1943 kommt die erneute Einberufung, beim Unterzeichnen der Empfangsbestätigung sagt er: „Jetzt habe ich mein Todesurteil unterschrieben.“ In den Krisen der ersten Haftwochen hält ihn die Erinnerung an Liebe und Glück in der Ehe mit Franziska. Er bittet zum Sanitätsdienst zugelassen zu werden, dies lässt beide auf ein Wiedersehen hoffen. Doch Franz Jägerstätter hat keine Wahl, wegen Wehrkraftzersetzung wird er zum Tod verurteilt und am 9. August 1943 in Brandenburg/Havel enthauptet. Franziska Jägerstätter erhält die Todesnachricht zuerst von den Priestern, die ihren Mann im Gefängnis betreut hatten.

Sie antwortet u.a.: „Da er sich immer bemüht hatte, die Gebote zu befolgen, so wird doch das keine zu große Sünde gewesen sein, dass er dem Staate nicht Folge geleistet hat und ich hoffe doch mit Gottes Hilfe wird er sicherlich sein ewiges Ziel glücklich erreicht haben. Mir ist sehr Leid um ihn, da ich an ihm einen guten Gatten und braven Vater meiner Kinder verloren habe. Ich kann Ihnen auch versichern, dass unsere Ehe eine von den glücklichsten war in unserer Pfarre, viele haben uns beneidet, aber der liebe Gott hat es anders gefügt und das schöne Band gelöst. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen im Himmel, wo uns kein Krieg mehr trennen kann.“ Im Jahr 2007 wurde Franz Jägerstätter seliggesprochen.

Erna Putz, pax (Zeitschrift der Friedensbewegung Pax Christi Österreich), 2/07