Georg Peer
Die Naturnser kennen ihn alle als den einfachen und unkomplizierten Dekan, meist mit Cowboyhut und seiner alten Vespa unterwegs. Den Gottesdienst begleitete er selbst mit der Gitarre. Als Seelsorger war er außergewöhnlich, als Mensch einzigartig. Die Gemeinde Naturns hat ihn zum Ehrenbürger gemacht.
35 Jahre lang war Georg Peer Dekan von Naturns, bis er durch eine Hirnblutung seinen Dienst nicht mehr fortsetzen konnte. In diesen 35 Jahren hat er viel für das Dorf und seine 5000 Einwohner getan. Dafür erhielt er Anfang Juni 2007 die Ehrenbürgerschaft von Naturns.
Großes Herz für die Jugend
Ein Hauptanliegen von Dekan Peer war die Jugend. Schon 1969 brachte er die Pfadfinderidee nach Südtirol und gründete gemeinsam mit anderen die Südtiroler Pfadfinderschaft ebenso wie die Pfadfindergruppe Naturns, die er die ganzen Jahre über aktiv begleitet hat. Weiters organisierte er immer wieder Fahrten zur ökumenischen Gemeinschaft nach Taizé.
In Naturns selber gründete er einen Taizé-Gebetskreis. Immer hatte der Dekan ein Ohr für die Anliegen der Jugendlichen, bei denen er wegen seiner offenen und lockeren Art sehr beliebt war.
Georg Peer war der einzige Dekan und einer der wenigen Priester, die sich 1995 öffentlich für das Kirchenvolksbegehren ausgesprochen haben. Er unterstützte in gleicher Weise die Idee einer Kirchenvolksanwaltschaft (2001). Die Tätigkeiten der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche waren ihm aus Sorge um die Kirche ein großes Anliegen. Georg Peer ist ein Mann mit Überzeugungskraft, mit außergewöhnlicher Fantasie, mit Zivilcourage, geprägt von tiefer Gläubigkeit, eine starke Persönlichkeit mit viel Humor. Robert Hochgruber |
Die Jugendfirmung mit 17 oder 18 Jahren, bis heute einzigartig in Südtirol, hat Dekan Peer eingeführt und damit gezeigt, wie viel Vertrauen er in die Jugendlichen setzt, indem er sie zu dieser ganz persönlichen Entscheidung ermutigt. Dies ist ihm auch heute noch besonders wichtig. Immer versuchte er auch die Jugend und die gesamte Bevölkerung für die Probleme in der Dritten Welt zu sensibilisieren. Viele Projekte unterstützte der Dekan aus eigener Tasche.
Er liebte es, Feste zu feiern
Für Dekan Georg Peer war jeder Anlass Grund genug, ein kleines oder größeres Fest zu feiern. Liebend gern organisierte er seine Geburtstagsfeiern auf dem Festplatz von Naturns, bei denen er über 100 Bekannte und Freunde einlud. Auch den Gemeindefasching rief er ins Leben, des sich immer noch größter Beliebtheit erfreut. Der Faschingsumzug mit verschiedenen Wagen wurde jedes Jahr unter ein bestimmtes Thema gestellt und seine Naturnser staunten nicht schlecht, als ihr Dekan beim Thema „Beginn der Menschheit“ mit weißer Perücke und Knochengürtel in einem Ziegenfell erschien. Immer wieder überraschte Dekan Peer auch mit seinem handwerklichen Geschick, denn sogar sein eigenes Bett hat er sich selbst gezimmert.
Ein Lebenswerk - der Jesus-Besinnungsweg
Statt viel Geld für ein großes Millenniumsfeuerwerk in den Himmel zu pulvern, schlug der Altdekan von Naturns vor, einen Jesus-Besinnungsweg zu bauen. Ab 1997 widmete er viel Zeit und Kraft dem Großprojekt am Nörderberg.
Mit seinem schier unermesslichen Reservoir an Fantasie, das man oft auch bei Messgestaltungen bewundern konnte, plante er den Weg und die 15 Stationen auf eine einzigartige Weise. Fließend integriert sich der Weg in die Beschaffenheit des Geländes. Die Umgebung der jeweiligen Stationen wurde fantasievoll mit dem Sinn des Wegabschnittes verbunden. Zum Jahreswechsel ins Jahr 2000 wurde der Weg mit einer Lichterkette eingeweiht und erfreut sich seitdem größter Beliebtheit und Anerkennung im In- und Ausland.
35 Jahre für Naturns
Fast eine Generation lang wirkte Dekan Georg Peer in der 5000-Seelen-Gemeinde Naturns. Nach einem Schlaganfall Anfang 2007 und lange Zeit im Koma wurde er von Dekan Albert Ebner abgelöst, der nun seit fast einem Jahr spiritueller Wegbegleiter der Naturnser ist.
Dekan Peer ist neue Wege in der Vermittlung des Glaubens gegangen und hat viele positive Akzente in Naturns gesetzt. Die Sanierung der Kirche, ein neues Liederbuch, die Bibelabende, die Errichtung und spätere Renovierung des Zeltplatzes und seine legendären Radtouren quer durch Europa erinnern nachhaltig an ihn. Für seine Verdienste und seinen Einsatz für die Bevölkerung von Naturns wurde Altdekan Georg Peer Anfang Juni 2007 die Ehrenbürgerschaft verliehen, er aber wartet in großer Bescheidenheit und tiefer Gläubigkeit auf jene „Ehrenbürgerschaft“, die Gott denen verheißen hat, die ihm treu sind.
jf, BAZ (Burggräfler Allgemeine Zeitung), 2007/15