IGNAZIO SILONE: VINO E PANE

Brot und Wein

Pietro Spina, ein Kommunist und Widerstandskämpfer, kehrt nach einigen Jahren im Exil tuberkulosekrank in seine Heimat zurück. Er verbirgt sich mit Hilfe von Freunden getarnt als Priester Paolo Spada in einem Gebirgsdorf in den Abruzzen, um seine körperlichen Kräfte wiederzuerlangen. Durch seine Krankheit geschwächt limitiert sich sein Aktionsradius als Widerstandskämpfer gegen das faschistische Regime unter Mussolini und den 1935 begonnenen Abessinienkrieg auf Gespräche mit den besitzlosen Landarbeitern und das Verfassen einiger theoretischer Abhandlungen. Je länger er unter der einfachen Bevölkerung lebt und mit deren Fatalismus, Neid, Familienstolz und Aberglauben zu kämpfen hat, desto weiter entfernt er sich von starrer Parteiideologie. Auf einer kurzen Romreise kommt es sogar zum Bruch mit der Partei. Alleine und verzweifelt spricht ihm eine Nonne Trost zu, sie wird für ihn beten, der von sich behauptet weder an Gott zu glauben noch beten zu können. Noch als 18-jähriger Student schrieb Spina in einem Aufsatz, dass er kompromisslos wie ein Heiliger leben möchte. Die Leute im Bergdorf sehen in ihm auch wirklich fast einen Heiligen, obwohl er sich weigern muss, Sakramente zu spenden, Gottesdienst zu halten oder die Beichte abzunehmen. Seinem Jugendideal, sich für das Wahre und Gute bedingungslos einzusetzen, bleibt er entgegen allen Versuchungen treu. Nach dem tragischen Mord an einem seiner Parteifreunde fliegt Pietros Tarnung auf und er begibt sich neuerlich auf die Flucht.

„Pane e vino“ ist der zweite Roman von Ignazio Silone (Pseudonym für Secondino Tranquili), den er im Schweizer Exil verfasst hat. Der Roman erschien zunächst 1936 in der deutschen Übersetzung „Brot und Wein“, bald darauf folgten die weiteren Übersetzungen dieses Bestsellers. 1955 publiziert der Autor die überarbeitete Fassung unter dem Titel „Vino e pane“. Das Buch ist spannend wie ein Abenteuerroman. Bilderreiche Beschreibungen der Abruzzen und des Lebens der dortigen Bevölkerung erinnern an einen Heimatroman, die Dialoge Pietros lesen sich wie philosophische Abhandlungen über den Sinn des Lebens. Er entdeckt das christliche Erbe neu und verbindet es mit seiner sozialistischen Grundgesinnung, obwohl er gegenüber seinem alten Lehrer bekennt, den Glauben seit vielen Jahren verloren zu haben. Sein Lehrer sieht jedoch hinter Spinas Einsatz für eine bessere Menschheit einen göttlichen Funken.

Der Roman appelliert, wie Pietro Spina seinen Idealen treu zu bleiben und sich tagtäglich für mehr Gerechtigkeit, Mitmenschlichkeit und Freiheit einzusetzen.  Politik und Religion werden untrennbar miteinander verbunden, die Urteile Pietros bzw. don Benedettos über die Gesellschaft und die Kirche haben nichts an Aktualität verloren. Dieser Klassiker der italienischen Widerstandsliteratur, der sich sicherlich bereits in vielen Hausbibliotheken befindet, hat eine „Relecture“ absolut verdient.

Gelesen und empfohlen von Lisa Hammer


Leseprobe (S. 233):

“Cosa intendi per vero prete?”

“Un individuo noioso, che al posto del cervello ha Le Massime Eterne. Insomma un individuo come mio zio, il curato di Fossa, e come tanti altri.”

“Hai ragione, io sono diversissimo da quel genere di preti”, disse don Paolo. “La maggior differenza tra noi consiste forse nel fatto che essi credono in un Dio domiciliato sopra le nuvole, seduto sopra  una poltrona dorata, e vecchissimo; mentre io sono persuaso che Egli è un ragazzo, veramente in gamba e sempre in giro per il mondo.”

“Preferisco il tuo Dio” disse Bianchina ridendo.

Ignazio Silone: Vino e pane, Mondadori, ISBN 8804083522, 389 Seiten, ca. 8 Euro. Oder in der deutschen Übersetzung: “Wein und Brot”, Kiwi-Taschenbuch Nr. 55, ISBN 3462016334