Ostern

Symbol unseres Lebens - die Osterkerze

In fast jeder Kirche in Südtirol steht eine Osterkerze. In der Zeit von Ostern bis Pfingsten steht sie am Altar, danach steht sie am Taufbecken. Sie wird in der Osternachtsfeier am Osterfeuer entzündet und in die dunkle Kirche getragen. Dabei wird dreimal gerufen: „Christus, das Licht!“

Alle Gläubigen haben eine Kerze und das Feuer der Osterkerze wird an jeden einzelnen Gläubigen weitergegeben. Ein schönes Bild, wie jeder in der Kirche daran beteiligt ist, den Glauben an Christus in die Welt weiter zu tragen: Christus das Licht in unserer oftmals dunklen Welt.

Das Kreuz auf dieser Kerze wird von verschiedenfarbigen Winkeln gebildet. Symbol dafür wie verschieden wir Menschen und auch wie verschieden unsere Sorgen und Nöte sind, die uns beugen. Sie sind verschieden schwer, auch das symbolisieren die Farben. Unsere Nöte drängen sich manchmal nach oben, auch wenn wir uns nach außen unbeschwert zeigen wollen. Deshalb werden die Winkel von links nach rechts immer dunkler.

Die linke, untere Seite ist das irdische, die rechte, obere die transzendente Seite.

Wir tragen unsere Sorgen und Lasten in die Kirche vor das Kreuz, das der Konzentrationspunkt der Bozner evangelischen Kirche ist. Gott zeigt uns in seinem gekreuzigten Sohn sein menschliches und menschenfreundliches Entgegenkommen. Christus kommt uns selbst in den schwersten Nöten und Todesnöten entgegen. Das Zentrum des Kreuzes bildet daher, die Begegnung der farblich dunklen Winkel:

Er, der Auferstandene, hat mit uns gelitten. Er hat das Schwärzeste im Leben auch erlitten. Wenn wir ihm begegnen, nimmt er unsere Not ernst und nimmt uns mit in seine Göttlichkeit. Deshalb werden die Winkel auf der rechten Seite von links nach rechts oben immer heller und gehen ins Weiße über.

Der erste Petrusbrief schreibt an einer Stelle: „Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch.“ (1 Petr. 5,7) Dazu soll diese Kerze Mut machen.

Stefan Wedra, Gruppe der Aktkatholiken Bozen


Mein Gott ist kein Gott

Was soll mir Fastenzeit und Ostern sein, wenn ich es Jahr für Jahr ritualisiert feiere, weil ich es eben von Kindheit an so gewöhnt bin? Kann ich da überhaupt noch an den Kern herankommen und in meinem Kern angerührt werden? Ich habe heuer erstmalig seit langem über Wochen hinweg keinen kirchlichen Raum betreten. Das war nicht geplant, sondern ich ließ es einfach geschehen. In mir war ein Widerstand, der verhinderte, dass ich zur Kirche ging.

Was ist Karfreitag? Die Kreuzigung unseres Herrn? Wer ist mein Herr? Ist der Herr mein Herr oder habe ich mir wieder einmal meinen eigenen Herrn bedürfnisgerecht maßgeschneidert? Ich bin Judas, der sich den Herrn so zu Recht legt, wie er ihn braucht. Ich habe ihn kreuzigen lassen, weil ich ihn auf meine Wünsche festnageln wollte. Und es war richtig, dass ich meinen Herrn gekreuzigt habe. Mein Gott ist kein Gott, sagt Meister Eckart. Ja, mein Herr ist kein Herr. Deshalb muss mein Herr gekreuzigt werden, damit der unter meinem Herrn begrabene Herr auferstehen und in meinem Herzen ankommen kann.
Ich erfahre immer wieder neu (und wann endlich das letzte Mal und unverlierbar?): Jedes Mal, wenn man meint, dass man ihn endlich begriffen hat, verliert man ihn. Man muss dankbar sein für die Zeit, die er einem mit ihm schenkt, und ihn ziehen lassen, ohne mit ihm und sich selbst zu hadern.

Mir ist das manchmal schwer, fast zu schwer, und dann würde ich am liebsten alles hinwerfen, mich wie Elia unter einen Ginsterbusch legen und auf das Ende warten wollen. Aber da sind diese so alten und doch immer wieder neuen und lebendigen Geschichten in der Bibel. Die Emmausjünger zum Beispiel, die bewegten sich weiter fort, obwohl sie nichts mehr verstehen. Sie haben sich auch nicht für sich allein abgekapselt, sondern teilten ihr Unverständnis und ihren Weg des Suchens miteinander. Sie kamen an. Emmaus ist nicht irgendein Ort, sondern der Ort, an dem wirkliche Gemeinschaft ihren Höhepunkt findet. Wirkliche Gemeinschaft findet nicht in rauschenden Festen ihren Höhepunkt, sondern im Teilen des Brotes. Einfach "nur" Brot. Das Teilen des Brotes steht für mich in dieser Geschichte für das gemeinsame (Mit-)Teilen und Aushalten der Zeiten scheinbaren Unsinns, die wir durchwandern müssen.

Ich glaube, dass den Jüngern das in Emmaus klar wurde, als der unvereinnahmbare Herr mit ihnen Abendmahl feierte.

Angelika Windegger, Bad Kösen, BRD
www.himmlischefundstuecke.de