Vatikan verurteilt Befreiungstheologen Jon Sobrino

Erstmals seit dem Beginn des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. hat die römische Glaubenskongregation eine Lehrverurteilung eines Theologen vorgenommen. Dem in Lateinamerika wirkenden baskischen Befreiungstheologen und Jesuitenpater Jon Sobrino (68) wirft der Heilige Stuhl vor, durch seine Thesen zur "Verwirrung der Gläubigen" beizutragen.

Eine "erklärende Note" der Glaubenskongregation spricht von einer "großen Gefährlichkeit" von Sobrinos Thesen. Im Kern wirft die Kirche dem Theologen vor, zu sehr die Solidarität mit den Armen und zu wenig die Erlösung durch Christus zu betonen.

"Große Gefährlichkeit"

Die "erklärende Note", die der Verurteilung Sobrinos vorausgeht, betont, dass "die Option für die Armen und Unterdrückten" von "der gesamten Kirche geteilt" werde. Andererseits stellt der Text klar, dass der Fall des Paters Sobrino einer dringenden Untersuchung bedurft hätte, wegen der "großen Gefährlichkeit" seiner Thesen und der möglichen "Verwirrung der Gläubigen". Die Glaubenskongregation wirft dem Theologen vor, er rede - vor allem in seinem Buch "Jesus, der Befreier" - nicht klar genug von der Göttlichkeit Jesu, sondern beschreibe sie als Produkt späterer theologischer Reflexionen; er vermenschliche zu sehr den Gottessohn.

"Christologie der Befreiung"

Jon Sobrino wurde am 27. Dezember 1938 in Bilbao im spanischen Baskenland geboren. Schon als 18-Jähriger trat er dem Jesuitenorden bei. 1957 ging er nach El Salvador, später studierte er in St. Louis in den USA Ingenieurwissenschaft. Zeitweise studierte er auch Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt/Main. Die Armut der Massen in Lateinamerika, die Folgen der Globalisierung und die Antwort der Kirche auf diese Fragen - das ist seit rund 50 Jahren das Hauptthema des Jesuiten. Heute urteilt er: "Die Befreiungstheologie hat die Realität dieser Welt so direkt berührt wie keine andere Theologie unserer Zeit." Als sein Hauptwerk gilt das Buch "Christologie der Befreiung."

"Die gekreuzigten Völker"

"An Gott zu glauben bedeutet, sich mit den Unterdrückten zu solidarisieren", sagte Sobrino einmal. "Die Befreiungstheologie findet sich nicht in Büchern. Sie ist eine theoretische und praktische Haltung im Angesicht der Unterdrückung." Anliegen der Befreiungstheologie ist es laut Sobrino "die gekreuzigten Völker" vom Kreuz abzunehmen.

Sobrino war Berater von Erzbischof Romero

Die blutige Realität in seinem Gastland El Salvador lernte Sobrino mehrfach ganz direkt kennen. Unter anderem war er persönlicher Berater des sozialkritischen Erzbischofs von San Salvador, Oscar Arnulfo Romero, der 1980 von einer Todesschwadron in der Kirche am Altar erschossen wurde. Sobrino selbst entkam 1989 nur mit Glück dem Tod, als ein Kommando der salvadorianischen Armee eine Jesuitengemeinschaft überfiel und mehrere Menschen tötet. Sobrino lehrt an der katholischen Zentralamerikanischen Universität in San Salvador, die er mitbegründet hat. Unter anderem erhielt er 1992 den Menschenrechtspreis der Universität Graz.

Gestaltet nach einer Nachricht von ORF Religion vom 12.3.2007


Il mistero delle sanzioni

La Notificazione riguardante Sobrino non dice nulla a proposito delle sanzioni. Un fatto che non ha ovviamente mancato di suscitare gli interrogativi più vari: se cioè le sanzioni non fossero previste fin dall'inizio o se piuttosto siano state eliminate all'ultimo, e, in quest'ultimo caso, se per disaccordi interni al Vaticano, su pressione della Compagnia di Gesù o per timore dello scalpore che tali misure stavano provocando. In ogni caso, come ha precisato ai giornalisti il direttore della Sala Stampa della Santa Sede, p. Federico Lombardi, lui stesso gesuita, il provvedimento "non e una condanna o una sanzione esplicita nei confronti della persona", ma una puntualizzazione per chiarire che "alcune sue affermazioni non corrispondono al pensiero e alla dottrina della Chiesa": il teologo avrebbe cioè approfondito maggiormente "il versante dell'umanità" di Gesù, lasciando in ombra o sottovalutando "la dimensione che unisce Cristo a Dio". "Spetterà poi alle competenze dei singoli vescovi o rettori locali - ha spiegato Lombardi ai giornalisti - decidere se accettare o meno i suoi insegnamenti o i suoi testi": una frase oltremodo significativa, che sembra allontanare ulteriormente il rischio di sanzioni.

Adista, 24 marzo 2007