„Es geht um Liebe“
Das schwule Paar Waldemar Kerschbaumer und Gian Luca Bartellone will heiraten
„Wir leben seit über zwölf Jahren in einer glücklichen und festen Beziehung. Da wir uns als stabile Familie sehen, möchten wir unsere gemeinsame Zukunft planen und uns rechtlich absichern. Damit auch in Notsituationen der Partner Rückendeckung und Sicherheit hat. Die Lösung ist einfach: heiraten. Ich möchte das Recht haben, meinen Mann heiraten zu können und automatisch - ohne Umwege und Hürden - alle Rechte und Pflichten genießen zu können. Private Verträge sehen wir nur als Notlösung. Zudem sind Schenkungen und Testament von den Erben anfechtbar. Also keine felsenfeste Absicherung bzw; keine Alternative zum Standesamt. Konkret heißt das auch, dass wir nicht zufrieden mit den PACS oder DICO sind, weil uns die Regelung zu wenig umfassend ist. Dennoch sind wir froh, dass der Stein ins Rollen kommt, dass man darüber spricht. Und dass unsere Rechte als Lebensgemeinschaft - zwar langsamer als im restlichen Europa -, aber dennoch sicher aufgebaut werden.
Das Heiraten ist mehr als ein Vertrag, es ist ein Fest, eine Verpflichtung, ein Sich-Zeigen. Letzteres ist sehr wichtig für homosexuelle Ehen. Je mehr wir uns zeigen, desto mehr werden wir aktiver Bestandteil der Gesellschaft, denn auch unsere Familienform ist eine der vielen Stützen, auf die alle aufbauen können. So vermeiden wir auch, dass sich einzelne noch verstecken müssen oder dass andere immer noch auf der Straße beschimpft oder angegriffen werden.
Und nach alldem verstehen hoffentlich auch der traditionsbewusste Tiroler und die engstirnige Leserbriefschreiberin, worum es hier eigentlich geht: Es geht um Liebe.“
Tageszeitung, 30./31.12.2006
Initiativgruppe unterstützt Rechte Homosexueller und fordert eine neue Familienpolitik
Der Vorstand der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche spricht sich für gesetzliche Regelungen für nicht-eheliche Lebensgemeinschaften und gleichgeschlechtliche Paare aus. Eine rechtliche Absicherung ist für die verschiedenen Formen des Zusammenlebens dringend notwendig, damit die Rechte und Pflichten für alle Beteiligten gewährleistet werden können. Dies führt zum Abbau von Ungerechtigkeiten, die derzeit meist Frauen betreffen, ebenso wie zur schrittweisen Beendigung der Diskriminierung von Homosexuellen.
Der Vorstand ist überzeugt, dass eine gesetzliche Regelung für Homosexuelle nicht die traditionellen Werte der Familie untergraben würde. Dies geschieht vielmehr durch eine seit Jahrzehnten verfehlte Politik. Dadurch wurden die Gründung einer Familie und die Erziehung der Kinder erschwert und oft einseitig auf Frauen abgeschoben. Der Vorstand stimmt Papst Benedikt XVI. zu, wenn er ein radikales Umdenken in der Familienpolitik fordert. (Audienz vom 11.1.2007)
Laut Umfragen beinhalten unterschiedliche Formen des Zusammenlebens nicht unterschiedliche Wertesysteme in Bezug auf Sexualmoral, Treue, Verantwortung usw. (Prof. W. Fthenakis im Rahmen der Seelsorgetagung in Brixen Ende August 2006). Deshalb erscheint dem Vorstand der Initiativgruppe die ablehnende Haltung der Kirchenleitung zu den Regelungen für gleichgeschlechtliche Paare nicht angebracht. Außerdem kann sie nur versuchen, ihren eigenen Mitgliedern Vorschriften aufzuerlegen, nicht aber allen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern. Selbstverständlich kann die Kirchenleitung ihre Bedenken vorbringen und auf Werte hinweisen.
Der Vorstand der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche ist überzeugt, dass viele Christinnen und Christen gesetzliche Regelungen für nicht-eheliche Lebensgemeinschaften und gleichgeschlechtliche Paare für notwendig erachten.