Evangelische Kirche
Carola Scherf, erste Pfarrerin Südtirols
Am 21. Januar 2007 wurde in der evangelischen Christuskirche in Bozen ein ökumenischer Gottesdienst in der Gebetswoche für die Einheit der Christen gefeiert. Für alle Anwesenden war es schön mitzuerleben, wie die vier mitwirkenden Pfarrer und eine Pfarrerin sich wie selbstverständlich in Begrüßung, Lesung, Fürbitten und Predigt abwechselten beziehungsweise ergänzten und uns am Ende gemeinsam den Segen gaben. Neben Pfarrerin Carola Scherf und Pfarrer Sebastian Zebe war für die Altkatholische Gemeinde Stefan Wedra gekommen, die römisch-katholische Diözese Bozen-Brixen war vertreten durch Don Mario Gretter, und erstmals war auch der Pastor der Freien evangelischen Kirchengemeinde Brixen, Martin Sperlich an einem Gottesdienst in unserer Kirche aktiv beteiligt.
Kurzporträt
Pfarrerin Carola Scherf, Jahrgang 1978, kommt aus Bremen und studierte Theologie in Wuppertal und Hamburg. Nach der Ausbildung in Oldenburg wurde sie mit dem Amt beauftragt. Bis Jahresende wird sie in der Seelsorge in Bozen tätig sein. Dann will sie sich um eine Pfarrerstelle in ihrer Heimat bemühen, „das ist aber schwierig, weil es mehr Pfarrer und Pfarrerinnen als Stellen gibt“.
Dolomiten, 7./8./9.4.2007
In diesem Gottesdienst wurde unsere neue Pastorin Carola Scherf in einer feierlichen Zeremonie von Pfarrer Zebe gemeinsam mit dem Kirchenvorstand ihr neues Amt in unserer Gemeinde eingeführt. Sie wird für ein Jahr in unserer Gemeinde arbeiten, um Pfarrer Zebe für seine zusätzlichen Aufgaben als Vizedekan der ELKI zu entlasten. In einer kurzen Ansprache erklärte sie, dass es eine besondere Freude für sie sei, in diesem ökumenischen Rahmen hier aufgenommen zu werden, da sie sich ein Leben und Arbeiten ohne Begegnungen mit gleichen oder verschiedenen Christen nicht mehr vorstellen könne. An alle richtete sie in Anlehnung an die Predigt die Bitte, ihr mitzuteilen, wenn sie einmal "taub" wäre. Denn sie möchte im kommenden Jahr ein offenes Ohr für alle in unserer Gemeinde haben.
Bei einem Buffet nach dem Gottesdienst nutzten viele die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Hier wurde auch noch mal das Medieninteresse deutlich: Eine Frau in ein Pfarramt einzuführen und gemeinsam mit Christen verschiedener Konfessionen zu beten, das macht in Südtirol wirklich einen besonderen Sonntag aus.
Gemeindebrief, Evang. Luth. Gemeinde Bozen, Februar März 2007
Zusammenleben der Konfessionen und Religionen
Dolomiten: Gelingt das evangelische Gemeindeleben ohne Distanz zur katholischen Kirche?
Sebastian Zebe: Natürlich gibt es eine Distanz. Sonst wäre der ökumenische Weg ja nicht so beschwerlich. Allerdings hat sich das Verhältnis zwischen den Konfessionen unglaublich positiv entwickelt. Das hat sicher auch damit etwas zu tun, dass die Südtiroler unmittelbar davon betroffen sind, wie unsere Welt zusammenwächst. Früher gab es große Vorurteile gegenüber den "Lutherischen", die man am liebsten zum Teufel geschickt hätte. Davon ist heute nichts mehr zu merken. Das Problem hat sich allerdings nicht ganz gelöst, sondern auf die Muslime verschoben. Jedenfalls erinnern mich die Diskussionen um den Bau einer Moschee an die Reaktionen zum Bau der evangelischen Kirchen in Meran und Bozen vor 100 Jahren. Dabei "passiert" ja nur das Allernormalste der heutigen Welt: dass die Menschen zusammenkommen.
Carola Scherf: Das gute ökumenische Verhältnis kann ich auch nur bestätigen. Besonders bei meiner Einführung in der Gemeinde hier in Bozen hat sich gezeigt, dass eine große Offenheit und ein Interesse für die evangelische Konfession bestehen. Ich hoffe, dass mit der Zeit eine so gute Beziehung auch zu muslimischen Gläubigen möglich wird.
Int. Martin Lercher: Dolomiten, 7./8./9.4.2007