Kirchenreform

Das Match ist bereits gewonnen

Der Wunsch der reformunwilligen Bischöfe, die vermeintlich vorübergehende Krise „aussitzen“ zu können, hat sich nur dem oberflächlichen Anschein nach erfüllt. Unter der vorläufig geglätteten Oberfläche bleiben die Reformerwartungen unvermindert bestehen. Die Annahme, die Gläubigen würden ihre Reformwünsche irgendwann einmal einstellen oder gar vergessen, war naiv. Meinungsumfragen über die Einstellungen zu den Reformvorschlägen des Kirchenvolks-Begehrens von 1995 zeigen weiterhin eine Zustimmung der praktizierenden Katholiken zwischen 70 und 90 Prozent. Nicht einmal die Frauenordination würde im Fall einer Urabstimmung unter den Kirchenbesuchern abgelehnt.

Wenn man das alles bedenkt, wird einem plötzlich klar, dass die Sache eigentlich bereits gelaufen ist: Die überwiegende Mehrzahl der Gläubigen hat sich entschieden - und wartet nur noch darauf, dass ihnen die Hierarchen „gehorchen“. Letzteres im wörtlichen Sinn: Denn Bischöfe, die hinhorchen und zuhören können, gibt es erfreulicherweise immer noch oder immer wieder.

N.B: „Kirche hat Chancen“, so lautet eine Broschüre, die eine Zusammenfassung der Thesen, die Julius Morel in seinem Buch „Radikale Kirchenreform“ vorgelegt hat, enthält. Im Anhang werden die Publikationen der österr. Plattform „Wir sind Kirche“ vorgestellt. Die Broschüre kann bei der Initiativgruppe (Tel. 0472 852530 oder initiativgruppe-kvb@dnet.it) kostenlos bestellt werden.

Man könnte es zugespitzt auch so formulieren: Die Kirchenreform ist voll im Gange. Mag sein, dass sich das in manchen Ordinariaten und in der römischen Kurie noch zu wenig herumgesprochen hat; Dass sich solche Einstellungsänderungen erst langsam bis in die höchsten Ränge der Kirche durchsetzen, ist nicht neu. Doch was die Einsicht nicht leistet, schafft das Gesetz der Sterblichkeit. Schade nur, wenn auf dem „langen Marsch durch die Institutionen“ (- wo hatten wir das schon einmal gehört? - ) soviel an Engagement und Hoffnung verbraucht wird.

In der Sprache des Fußballs gesagt: Das Match ist bereits gewonnen. Man darf nur nicht aufhören zu spielen. Der lange Atem ist gefragt. Andersherum - und mit einem bewusst bedrohlichen Unterton - gesagt: Kann irgendjemand in dieser Kirche ernsthaft glauben, dass man eine Gemeinschaft auf die Dauer gegen den erklärten Willen einer überwiegenden und redlich engagierten Mehrheit dirigieren kann? Oder um es im Pastoraljargon zu sagen: Was sind denn die Hirten, wenn ihnen die Schafe abhanden gekommen sind? Meinungsumfragen über die Einstellungen zu den Reformvorschlägen des Kirchenvolks-Begehrens von 1995 zeigen weiterhin eine Zustimmung der praktizierenden Katholiken zwischen 70 und 90 Prozent. Werden sie dann nicht - der Not gehorchend - der Herde nachlaufen, statt umgekehrt? „Der Not gehorchend“: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der gegenwärtige Priestermangel eine „notwendige Not“ ist. Diese Not stärkt die (so genannten) Laien und zwingt den Klerus zu neuen Lösungen. Die vielen ungesalbten Seelsorgerinnen und Seelsorger - großteils mit Familie - sind Teil einer bereits vollzogenen Kirchenreform. In den Kirchengeschichtsbüchern wird einmal stehen, dass die Erneuerung des pastoralen Berufsstandes auf diese Weise ihren Anfang nahm.

Die Zukunft einer erneuerten Kirche hat schon längst begonnen. Es ist an der Zeit, das auch wahrzunehmen.

Julius Morel, SJ, Innsbruck, Kirche In, 1/2002, S. 11


Georg Peer die besten Genesungswünsche

Er ist eine Persönlichkeit von großem Format, mutig, realitätsbezogen, tief spirituell und die Zeichen der Zeit erkennend. Er scheut sich nicht zu sagen, was er denkt, auch der Obrigkeit gegenüber. Das Kirchenvolksbegehren unterstützte er von Anfang an – öffentlich natürlich und begleitet seither wohlwollend die Initiativgruppe. Zukunftsweisend ist die Einführung der Jugendfirmung in Naturns.

Derzeit ist er schwer erkrankt. Unsere Hoffnungen, guten Gedanken und Gebete begleiten ihn. Er möge genesen und wenn nicht alle, dann wenigstens viele seiner früheren Tätigkeiten aufnehmen können.

Robert Hochgruber