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Einige Textauszüge aus dem Programm Melodie: Wenn ich steh' an der Bar Es ist schrecklich, Melodie: Die alten Rittersleut So ein hoher Bischofsmann |
Uns reicht's
Kirchenfrauenkabarett aus Vorarlberg
Unter diesem Titel ging vor 11 Jahren das erste Kabarettprogramm von acht kirchlich engagierten Frauen über die Bühne. Das war im Jahre 1993, als Ärger und Wut über einige in der kirchlichen Hierarchie ganz oben stehende Kirchenmänner zu groß wurde. Seither sind fünf weitere Programme nachgefolgt. Heuer waren es 21 Vorstellungen, alle ausverkauft. Insgesamt wurden fast 4000 Menschen zum Nachdenken aufgefordert. Der Stoff für das Programm entstammt öffentlichen Aussagen von Kirchenmännern, deren Aussagen peinlichst genau recherchiert wurden. Die Stärke des Programms ist, dass nichts erfunden oder hinzugefügt wird und alles belegbar ist. Dabei werden nicht die Personen, sondern deren Aussagen verwendet und „kreativ aufbereitet“.
Die therapeutische Wirkung des Lachens erfahren die Kabarettfrauen am eigenen Leib, denn Spielen und Singen, auf der Bühne Stehen und Agieren ist ein Ventil für die Emotionen, die sich angesichts der Äußerungen mancher Kirchenmänner aufgestaut haben. Trotz ihrer heftigen Kritik an der Kirchenobrigkeit sind die Kirchenfrauen nach wie vor eng mit der Kirche verbunden. Sie spendeten den Reinerlös aller Vorstellungen kirchlichen Einrichtungen. Sie sind oder waren hauptamtlich bzw. ehrenamtlich in der Kirche tätig. Dass sie sich mit den Aussagen der Kirchenleitung auseinandersetzen und diese so auch ernst nehmen, zeigt, dass das Kabarett letztlich Ausdruck für das Leiden an kirchlichen Vorgängen ist.
Erwähnt sei noch, dass in allen Programmen seit dem Kirchenvolksbegehren dieses als großes Thema behandelt wurde bzw. der Umgang der Bischöfe - oder besser gesagt - deren Ignoranz zur Sprache kam.
Der Satz eines „anderen“ Kirchenmannes: „Konstruktive Kritik und gezielte Rebellion gegenüber der Kirche sind ein kräftigeres Zeichen von Liebe als resigniertes Schweigen“ ist sozusagen das Motto für das Engagement dieser Gruppe. Trotz Empfehlung einiger Kirchenmänner, die „frustrierten Frauen sollen doch aus der Kirche austreten“, sind sie noch „drinnen“ und versuchen durch eine ehrliche Auseinandersetzung mit vorkonziliarer Enge und rückwärtsgerichteter Bunkermentalität etwas in Gang zu bringen, und sei es nur, vielen Menschen wieder ein bisschen Mut und Freude zu geben, der Mutter Kirche treu zu bleiben, wenn auch manche „Söhne“ am liebsten an ihren alten Machtstrukturen festhalten möchten.
Aber Lachen geht gegen die Mächtigen. Lachen entmachtet.
Wir sind Kirche, Zeitschrift
der österr. Plattform „Wir sind Kirche“, Nr. 45, 17.12.2004, S. 9