Frauen im Orden
"Wir fordern, was uns zusteht"
Die Brasilianerin Schwester Therezinha Rasera ist Präsidentin der weltweiten Vereinigung der Frauenorden. Sie setzt sich energisch für die Rechte von Frauen ein.
welt der frau: Die internationale Versammlung der Generaloberinnen, deren Präsidentin Sie sind, kämpft verstärkt für Frauenrechte. Therezinha Rasera: Heute haben viele Frauenorden eine Priorität für die Anliegen der Frauen. Und das, obwohl wir aus ungefähr 800 verschiedenen Kongregationen kommen.
Das ist eine große Zahl von Frauen. Werden Sie nun besser gehört, wenn Sie sich für die Rechte von Frauen einsetzen? Voriges Jahren besuchten uns Ordensfrauen aus dem Irak und erzählten uns von der Situation dort. Dann haben wir gemeinsam einen sehr vehementen Brief geschrieben an alle Präsidenten, die sich am Krieg im Irak beteiligen. Wir haben Frieden verlangt und alle gemeinsam unterzeichnet. Wir haben auch an die Bischöfe dieser Länder geschrieben, Druck auszuüben, dass der Krieg beendet wird. Wir haben Antworten bekommen, aber sie waren sehr diplomatisch.
Was kann der besondere Beitrag von Ordensfrauen zum Thema Frauenrechte sein?
Frauen müssen ein würdevolleres, ein besseres Leben haben. Viele Frauen leben wie Sklavinnen. Unser spezieller Weg der Unterstützung ist, ihnen zu einem sinnvolleren Leben zu verhelfen. Wir fördern die Spiritualität, die Würde und die Hoffnung für Frauen. Wir wollen selbst Frauen der Hoffnung sein. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist auch in Europa und Nordamerika sehr wichtig. Wer an Gott glaubt, hat Hoffnung, er erkennt in seinen Nächsten ein Abbild Gottes und deswegen respektiert und liebt er/sie ihn/sie.
Haben Frauen in allen Ländern, wo Ihre Kongregation arbeitet, ähnliche Probleme?
Das weiß ich nicht genau. Ich kenne einige Situationen in Afrika, wo die Salvatorianerinnen im Kongo, in Tansania und in Mocambique arbeiten. Meist trifft sich eine Gruppe von Frauen. Wir führen Gespräche, unterstützen sie bei der Erziehung der Kinder, lehren sie gesunde Ernährung und hygienische Versorgung. Die Männer sind meist sehr skeptisch, was die Frauen da tun. Wenn sie die Erfolge sehen, wollen sie selbst auch kommen. Die Frauen lernen, dass sie sich selbst weiterbilden müssen. Wenn die Frauen mehr wissen, werden sie selbstbewusster.
Die Frauenrechte sind auch in der katholischen Kirche nicht gewährleistet. Wie sehen Sie das als Obere aller Frauenorden?
Wir sind sehr kritisch und wissen, dass in vielen Kirchen nur die Männer die Leitung haben. Ich glaube, wir müssen noch viel kämpfen, damit wir wirklich dorthin kommen, gleichwertige Brüder und Schwestern zu sein. Aber wir bleiben immer verschieden als Männer und Frauen. Wir wollen mit Männern nicht in Konkurrenz treten. Wir wollen einfach unsere Rechte.
Was kann der nächste Schritt innerhalb der Kirche für gleiche Rechte von Frauen sein?
Wir versuchen den Dialog. Männer- und Frauenorden haben gemeinsame Konferenzen. Wir werden unsere Standpunkte diskutieren, auch wie wir als Männer und Frauen in Orden gemeinsam weitergehen können. Zusammen sind wir auch stärker im Dialog mit dem Vatikan. Wir haben unsere Rechte als Frauen. Wenn diese Rechte verletzt werden, werden wir es sagen und unseren Platz behaupten.
Ist es für eine theologisch gebildete Ordensfrau verständlich nicht predigen zu dürfen?
Das Schlüsselwort dazu ist Machismo (Betonung besonders männlich verstandenen Verhaltens, auch Männlichkeitswahn genannt. A.d.R.). Das hat keine theologischen Gründe. Da müssen wir den Dialog verstärken. Auch die Ordensfrauen werden immer gebildeter und für jene, die den Machismo vertreten, werden sie immer gefährlicher. Daher gibt es auch heftige Gegenreaktionen.
Sind Sie eine Feministin?
Nein. Ich bin nicht fanatisch. Ich kämpfe für die Rechte der Frauen und ich glaube, dass wir einmal in der Kirche gleichberechtigt sein werden, aber es wird noch lange dauern. Die Tradition ist sehr stark.
Hat sich innerhalb der Frauenorden feministisch viel weiterentwickelt?
Ja. Wir achten sehr auf die Person und auch darauf, als Frau geachtet zu sein. Wir wollen unsere weibliche Seite leben und unsere Begabungen als Frau nützen. Ordensleben heißt nicht zu verleugnen, dass wir Frauen sind. Es ist genau das Gegenteil richtig.
Interview: Christine Haiden
welt der frau, 1/2005, S. 19,
Zeitschrift der Kath. Frauenbewegung Österreichs, Linz