Der Islam und wir

Krieg der Kulturen nicht herbeireden

Ayyub Axel Köhler, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, hat davor gewarnt, „einen Krieg der Kulturen herbeizureden“. Es müsse verhindert werden, dass ein Kulturkonflikt - wie er in den letzten Wochen am Karikaturenstreit aufgebrochen sei - politisch für den Gewinn von Wählerstimmen missbraucht werde. Köhler wörtlich: „Das Gerede vom Kampf der Kulturen dient leicht als Rechtfertigung von Kriegen.“ Israel Singer, Vorsitzender des Jüdischen Weltkongresses, hat gleichzeitig die Juden zur Übernahme einer Führungsrolle im Dialog der Kulturen aufgerufen: „Jüdische Organisationen sollten die falsche Rede vom Kampf der Kulturen nicht im Munde führen“, sagte er in der Jüdischen Allgemeinen. Die Juden sollten als kleinste der beteiligten Gruppen ihre Talente dazu nutzen, für Ausgleich zu sorgen.

Publik-Forum, Nr. 5, 10.03.06, S. 42.

Kardinal Martino: Christen müssen mit Toleranz beginnen und eine gemeinsame Strategie mit Islam suchen

Der Vatikan ist mit Islam-Unterricht in den italienischen Schulen für muslimische Kinder einverstanden. „Wenn es in einer Schule hundert muslimische Kinder gibt, sehe ich nicht ein, warum sie keinen Islam-Unterricht erhalten sollten“, sagte Kardinal Renato Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden („Iustitia et Pax“).

Hier gehe es um menschlichen Respekt, betonte der Kardinal am Rande des Symposiums "Die Wege des Friedens", das Anfang März in Rom stattfand.

„Wenn wir uns Gegenseitigkeit von Ländern erwarten, in denen Christen leben, müssen wir bei uns mit Toleranz beginnen. Wenn in Italien Menschen einer anderen Religion leben, müssen wir ihre kulturelle und religiöse Identität bewahren. Nur Dialog und religiöse Freiheit können den Fundamentalismus verhindern, sowohl den religiösen, als auch den politisch-laizistischen“, sagte der Kardinal.

„Alle Religionen predigen den Frieden und suchen einen Weg für ein harmonisches Zusammenleben“, erklärte Martino. Der Westen müsse eine gemeinsame geopolitische Strategie für die Begegnung mit der islamischen Welt entwickeln, sagte Martino. Er schlug dafür eine internationale Einrichtung nach dem Vorbild der „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit“ in Europa (OSZE) vor.

ORF News, 09.03.2006.

Und wenn wir wirklich versuchen würden, mit dem Islam zu reden?

Nach der Gewalt aufgrund der Mohammed Karikaturen genügt es nicht, die Pressefreiheit einzufordern. Wir benötigen eine Ethik, die auf Verantwortung und Zusammenarbeit basiert. Die Welt, erklärt der Theologe Hans Küng, muss die Doktrin des Präventivkrieges mit einer Doktrin des Präventivdialogs ersetzen. Wir dürfen auf Gewalt nicht mit Gewalt antworten. Wir müssen uns für einen echten und offenen Dialog einsetzen.

Corriere della sera, 8 marzo 2006.

Bemerkenswerte und politisch brisante Aussagen in der Neujahrsbotschaft des Innsbrucker Diözesanbischofs

Manfred Scheuer hat sich nicht nur für „mehr Wertschätzung für Kinder“ ausgesprochen. Er hat einen eigenen Abschnitt seiner Ansprache auch den im Land lebenden Moslems gewidmet. „Als Kirche dürfen wir im Verhältnis zum Islam nicht hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurückfallen, das mit Hochachtung von den Muslimen spricht“, sagte der Tiroler Bischof, der „neuerlich die positive Haltung“ seiner Diözese zum Minarettbau in Telfs „verteidigte“.

Zudem spricht sich Scheuer für eine „ungeteilte Menschenwürde“ aus: Gegen die Instrumentalisierung des Menschen in der Embryonenforschung“, gegen „den Versuch, den rechten Menschen zu konstruieren“, und „ebenso gegen die Todesstrafe und den Präventivkrieg“.

ff, Nr. 1 / 5. Jänner 2006

Dialog und Respekt

Trotz der Globalisierung – oder vielleicht gerade deshalb – betonen die Menschen ihre kulturelle und religiöse Identität. Es ist wichtig, dass wir unsere Identität und Eigenart pflegen, und dass wir Profil zeigen, ein christliches Profil. Wir brauchen eine offene Identität mit der Bereitschaft zum Dialog, damit die Betonung der Identität nicht zum Kampf der Kulturen führt. Es braucht Respekt vor allen Sprachen und Kulturen und Respekt vor den Religionen jener Menschen, die bei uns Arbeit und Wohnung suchen. Die Menschen, die einwandern, haben ein Recht auf die Pflege ihrer eigenen Kultur und Religion.

Bischof Wilhelm Egger, Fastenhirtenbrief 2006

Den Dialog suchen und pflegen

Die politisch Verantwortlichen sind angesichts der von Tag zu Tag zunehmenden Radikalisierung in der muslimischen Welt aufgerufen, alle Mittel des friedlichen Dialogs einzusetzen. In jedem Fall muss die Gesprächsfähigkeit erhalten und allen Versuchungen zur Feindbildpflege öffentlich widerstanden werden. Das gilt auch für die Vertreter der Muslime in Europa, die sich (wie in den vergangenen Tagen) weiterhin entschieden gegen die Gewaltakte ihrer Glaubensbrüder im Nahen und Mittleren Osten aussprechen sollten.

Der friedliche Dialog beginnt hier bei uns in Südtirol. In Bozen leben etwa 2000 Muslime; es gilt, das Gespräch zu suchen und den Menschen und deren Religion respektvoll zu begegnen. Ein Austausch von Religion und Kultur kann uns nur bereichern. Es geht nie darum, das eigene aufzugeben; unser Leben steht untrennbar mit unserer abendländischen Kultur und unserem Christentum im Zusammenhang, aber gerade als Christinnen und Christen sind wir dazu aufgerufen, das Gespräch zu suchen.

Birgit Dissertori, Kath. Forum, Dolomiten 10.3.2006

Allah ist unser aller Gott
Zum Dialog mit den Muslimen gibt es keine Alternative

Mit verbalen Attacken ist dem Terrorismus genauso wenig beizukommen wie mit Gewalt. Auch wenn der Weg noch so mühsam wird, Jahrzehnte dauert und weitere Anschläge ihn erschweren - zum Dialog gibt es keine Alternative.

Umgelegt auf das kleine und vermutlich ungefährdete Südtirol kann das nur heißen: Das oft schon ausgesprochene Nein zu einem moslemischen Gebetshaus ist falsch. Muslime brauchen es als Hilfe für die Integration in die hiesige Gesellschaft. Aber diese Integration funktioniert nur dann, wenn muslimische Einrichtungen eben nicht zum Ghetto werden, in dem Radikale sich ungestört entfalten können.

Nach Anschlägen mag dies naiv klingen. Aber es braucht Stätten der Begegnung, in denen Moslems von uns und wir von ihnen lernen. Nur auf diese Weise wird den Narren der Boden entzogen. Es wird ein unheimlich langer Prozess werden. Aber am Ende muss die Erkenntnis stehen, dass Allah, oder welchen Namen immer ein Gott trägt, ein Gott für alle ist.

Josef Rohrer nach den Anschlägen von London im Juli 2005
ff, Nr. 28/14. Juli 2005.