Weltkirche

Papst Johannes Paul II.: groß und zugleich ein Pontifikat vieler Widersprüche

Der Vorstand der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche drückte seinen Respekt vor der großen Persönlichkeit des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. aus und schreibt zugleich kritisch:

„Er war ein Papst vieler großer Gaben. Er war eine spirituelle Autorität mit weltweiter Anerkennung. Er leistete einen wesentlichen Beitrag zum Abbau des Ost-West Konfliktes. Er sprach sich unermüdlich gegen völkerrechtswidrige Kriege, wie z.B. im Irak, und für den Frieden, für die Aufhebung der Kluft zwischen den armen und reichen Nationen und gegen die zunehmende Umweltzerstörung aus. Er suchte die Aussöhnung mit den Juden und den Dialog mit den Weltreligionen.

Zugleich zeigt die Bilanz seines langen Pontifikates viele Widersprüche und falsche Entscheidungen. Die Tragik dieses Papstes liegt in der großen Diskrepanz zwischen seinem Einsatz für eine menschenwürdige Entwicklung und Dialog in der Welt und dem unter seiner Verantwortung vollzogenen, dem II. Vatikanum widersprechenden, innerkirchlichen Rückfall in Zentralismus und Klerikalismus. Die mangelnde innerkirchliche Dialogbereitschaft mit reformorientierten Theologinnen und Theo-logen sowie kritischen Bewegungen hat zu einem Klima lähmender Angst und geistiger Erstarrung in der römisch-katholischen Kirche geführt. Der derzeitige Reformstau stellt eine große Belastung für die Kirche dar“.


Universaler Hirte, der seine "Schafe" nicht wie Schafe behandelt

Wünsche der Initiativgruppe an den neuen Papst

Was ist nötig, um die derzeitigen großen Herausforderungen an die Kirche zu meistern? Der Vorstand der Initiativgruppe betonte in einer Presseaussendung, dass es einen Dialog mit den verschiedenen Gruppen in der Kirche, ebenso wie die Mitentscheidung von Bischöfen, Priestern und vor allem Laien und ihren Verbänden brauche, um eine zeitgemäße Antwort auf die Probleme unserer Zeit und der Kirche zu finden. Der Zentralismus solle vom Subsidiaritätsprinzip abgelöst werden. Die Gläubigen müssten in ihrer Mitverantwortung und Mitentscheidung verstärkt ernst genommen werden.

Alle Gläubigen seien die Kirche, nicht nur der Papst. Der Vorstand drückte die Hoffnung auf einen neuen Papst aus, der vom Evangelium ausgeht, sich der Situation der Menschen in der Kirche bewusst ist, das Gespräch sucht, zuhört und gemeinsam Lösungen in die Wege leitet. Der neue Papst solle ein universaler Hirte sein. Zugleich solle er seine „Schafe“ nicht wie Schafe behandeln. Er möge eine Autorität in religiöser, moralischer und sozialpolitischer Hinsicht sein. Zugleich soll er nicht autoritär vorgehen.

Der neue Papst möge aus der Perspektive der einfachen Menschen, der Armen und Entrechteten die Probleme betrachten und weiterhin für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz eintreten. Die Bedürfnisse der Seelsorge seien verstärkt zu beachten, nicht nur Kirchengesetze. Das würde u.a. die Freistellung des Zölibates bedeuten. Die Kirche möge in Zukunft die große Bereicherung durch Frauen anerkennen und die Gleichbehandlung garantieren, z.B. durch die Weihe von Frauen zu Priesterinnen. In Fragen der Sexualmoral sei Zurückhaltung angesagt. Der Mensch solle an erster Stelle stehen. Das Evangelium solle Handlungsgrundlage sein, nicht nur das Kirchenrecht. Die Barmherzigkeit möge Vorrang haben, z.B. gegenüber geschiedenen Wiederverheirateten. Der neue Papst möge sich bemühen, die Vielfalt in der Weltkirche zu erhalten und die Einheit zu garantieren. Der Glaube möge in unterschiedlichen Kulturen auch mit unterschiedlichen Ausdrucksweisen und Strukturen gelebt werden können. Dies alles werde zu einer Verlebendigung des Glaubens und einem neuen Frühling und Aufbruch in der Kirche führen, zeigte sich der Vorstand überzeugt.