Ständiger Diakonat problematisch
Nichtkatholische Christen und Katholiken, die zu ihrer Kirche auf Distanz gegangen sind, irritiert am Katholizismus eine Haltung, die bereits Jesus an der Kaste der Amtsträger der jüdischen Religion schwer gerügt hatte („Ihr Heuchler“) jene Hypokrisie, die gleichsam in Fleisch und Blut übergegangen ist. Diese Doppelmoral erkennen wir in Äußerlichkeiten ebenso wie in grundsätzlichen theologischen Entscheidungen. Als einzige christliche Konfession hält die katholische Kirche eisern an der Ehelosigkeit ihrer Funktionäre, der Priester, fest. Der Zölibat bildet aber das hauptsächliche Hemmnis für Berufungen, wie man kirchlicherseits die Berufsentscheidung für das Priestertum nennt. Dieser Mangel an Arbeitskräften könnte sehr bald jede Aktivität lahm legen. Gastarbeitende Priester etwa aus dem ehemaligen Ostblock sind keine echte Lösung. Daher hat man ohne viel Aufhebens auf die heimischen Ressourcen zurückgegriffen. Es werden Diakone berufen, die die Arbeit des Priesters in fast allen Bereichen übernehmen; ausgespart bleiben das Konsekrieren der Hostie und das Beichthören. Für die erste Aufgabe mag sich ein Ersatz finden durch Wortgottesdienste, für welche die rar werdenden Priester die Hostienweihe vornehmen, ohne vor Ort erscheinen zu müssen, was die Beichte betrifft, so sind ohnehin immer wenige Gläubige daran interessiert.
Gesucht werden für das Diakonat ältere verheiratete Männer (natürlich nicht Frauen!) und mit ihnen verschafft sich die Kirche ganz erheblichen Nutzen. Sie verrichten die viele Arbeit ehrenamtlich, also gratis, denn da sie Rentner sind und keiner Berufsarbeit mehr nachgehen, ist eine Entschädigung überflüssig. Die Frage nach einem Wohnungsbedarf stellt sich nicht, ebenso wenig wie jene nach einer betreuenden Widumhäuserin. Das besorgt die Ehefrau. Bei Krankheit, Alter steht die Familie grad. Dummheiten wie Liebesaffären, Missbrauch Abhängiger, Homosexualität sind wohl auszuschließen, durch die Ehe sind die Herren sexuell kalmiert und kontrolliert. Als alternde Ehepartner leben sie faktisch zölibatär. Was also will man mehr? Der Grund für die Einführung des Zölibats vor 800 Jahren war doch der, dass durch einen sexuell aktiven Priester die heiligen Handlungen besudelt würden.
Um dem Diakonat Ansehen zu verleihen, werden die Kandidaten in feierlicher Zeremonie geweiht identisch mit jener der Priester. Selbst die Proskynese bleibt ihnen nicht erspart, das sich bäuchlings vor dem Bischof Niederlegen, ein Unterwerfungsritual, das hellenistische Herrscher von asiatischen Despoten übernahmen.
Elisabeth Höglinger, St. Ulrich
Vorweg möchte ich betonen, dass ich eine sehr "einfache" Katholikin bin, die wohl Religion für ihr Alltagsleben sehr ernst nimmt, jedoch das Thema Kirche nie zu intensiv zerpflückt hat.
Beim Durchlesen der Impulse Nr. 28/Dezember 2004 stieß ich auf die Berichterstattung zum Vortrag von Eugen Drewermann und über die Theateraufführung in Rattenberg zum Leben der Hutterer.
Beide Male war ich auf Einladung der Initiativgruppe dabei und habe jedesmal längere Zeit gebraucht, um Inhalte, Aussagen und Vorkommnisse für mich entsprechend zu verarbeiten. Zumal ich die Geschichte Kirche - Hutterer kaum kannte und über Drewermann großteils eher negative Bemerkungen gehört oder gelesen habe.
Bei der Hutterer-Aufführung, welche sich für mich sehr wirklichkeitsnahe abspielte, wurde ich von tiefer Betroffenheit erfasst. Vieles hat mich innerlich berührt, aufgerüttelt, ja teils auch entsetzt, was Kirchenmenschen mit dem Vorwand "Kirche" an ihren Mitmenschen, also Geschöpfen des gleichen Gottes, in aller Selbstverständlichkeit ausführen konnten. Und dabei wurde mir bewusst, wieviel von früher genauso für heute gilt.
Besonders haben dies viele Aussagen des gradlinigen Drewermann bestätigt. Er deckt viele unangenehme Geschehnisse innerhalb und außerhalb der Kirche unmissverständlich auf. Schönfärberei liegt dem Mann nicht und das stößt vielen Menschen auf den Magen. Wir leben in einer Welt voll Unwahrheiten, Scheinheiligkeiten und nur wer dies gut, ja perfekt kann, ist beliebt. Wir reden von Solidarität, Toleranz, Menschenfreundlichkeit, Verstehen und Annehmen. Sobald jedoch die Rede von Benachteiligten, Beeinträchtigten, Behinderten, Getrennt-Geschiedenen-Alleinerzeihenden, Andersgläubigen, Andersfarbigen, Andersdenkenden, sehr oft durch Schicksalsschläge in Armut geratenen Mit-Menschen ist, dreht sich urplötzlich unsere (ich schließe mich nicht aus) so großzügige (!?) christliche Einstellung um 360 Grad.
Die letzten 26 Jahre Kirchengeschichte haben an all dem sehr wenig geändert. Mein oftmals schwieriger Alltag bestätigt mir dies - kleine Lichtblitze durch aufgeschlossene, tolerant denkende und -lebende Mitmenschen sind immer noch die Ausnahme. Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass immer mehr und mehr Geschöpfe Gottes sich als "gleichwertig - gleichberechtigt - gleichgesinnt" betrachten und Hand in Hand "gemeinsam" Kirche Gottes werden.
Der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche wünsche ich weiterhin viel Mut und Durchhaltevermögen.
Gertrud Gänsbacher, Birchabruck