Auferstehung
Es ist keck, an mehr zu glauben
Der menschlichen Vernunft scheint die Erzählung von der Auferstehung wie ein unglaubwürdiges Märchen. Was bleibt ihr da zu glauben? Fulbert Steffensky schreibt dazu:
Man merkt, dass es zur Zeit der neutestamentlichen Erzählungen noch keine zentrale kirchliche Kommission gegeben hat, die die Ostergeschichten geglättet hätte. Sonst wären diese nicht so liebenswürdig bunt und widersprüchlich. Bei Matthäus gibt es ein Erdbeben, ein Engel kommt vom Himmel, dessen Gestalt wie von Blitzen war. Bei Markus kommt der Engel nicht vom Himmel, sondern ein Jüngling in einem weißen Kleid sitzt im Grab und erklärt den entsetzten Frauen die Abwesenheit des Leichnams. Bei Lukas sind es zwei Männer, die kommen und die Auferstehung erklären. Bei Johannes gibt es kein Erdbeben und keine Männer oder Engel. Aber es wird sehr genau berichtet, wo und wie die Tücher lagen, in die Jesu Leichnam gehüllt war. Kein Wunder, dass es uns gelegentlich geht wie den Aposteln nach dem Bericht der Frauen: „Und es deuchten sie ihre Worte eben, als wären's Märlein, und sie glaubten ihnen nicht.“
![]() "Wir haben ihn gesehen, wir haben ihn berührt, wir haben mit ihm gegessen." |
Auch später versteht sich die Auferstehung ihres Herrn nicht von selbst, sie müssen die Geschehnisse deuten; sie müssen sie glaubend interpretieren. Den Maria Magdalena im Garten sieht - ist es der Gärtner oder der Herr? Maria muss sich entscheiden. Nichts ist offensichtlich. Der mit den Jüngern nach Emmaus geht - ist es ein Wildfremder oder der Herr? Der da in der Dämmerung am See Tiberias steht - ist es irgendeiner oder ist es der Herr? Handgreiflich ist da nichts. Handgreiflich geht es nur zu in der plumpen Geschichte vom zweifelnden Thomas, der seine Hand in die Wundmale legen kann. Nur bei ihm wird der Glaube durch die Handgreiflichkeit ersetzt. Alle anderen Ostergeschichten sind Geschichten aus dem Morgengrauen. Man muss Christus in die Figuren hineinglauben, in den Gärtner, in den fremden Wanderer, in den Undeutlichen am See. Gott ist höflich und nicht plump. Er überwältigt uns nicht mit Blitz und Donner. Er lässt unserem Glauben etwas zu tun. Er lässt uns Subjekt sein bei der Osternachricht und nicht nur zusammengedonnerte Objekte.
Und wir heute? Wir haben keine Wunder mehr; kein Erdbeben, das unseren Unglauben in die Knie zwingt; keine Jünglinge in glänzenden Gewändern, gegen die der Unglaube keine Einwände mehr haben kann. Wir haben nur noch die Erzählungen von den Wundern. Wir haben nur die Berichte dieser widersprüchlichen Zeugen, die man vor keinem Gericht ernst nehmen würde. Wir sind auf ihre hilflosen und gewaltlosen Worte angewiesen: Er lebt, wir haben ihn gesehen, wir haben ihn berührt, wir haben mit ihm gegessen. Wir haben Zeugen für die Auferstehung: jene verwirrten und widersprüchlichen Männer und Frauen. Wir haben keine Beweise und Argumente für sie. Was hat sich geändert mit jener Auferstehung? Wo bleiben die Zeichen der messianischen Zeit? Wer versteht die Zweifler nicht, von denen gesagt ist: „Und es deuchten sie ihre Worte eben, als wären's Märlein“.
Der Vernunft wird der Glaube schwer gemacht. Aber vielleicht begrüßt ihn das Herz, das ihn braucht. Wie kann ich leben ohne das Versprechen dieses neuen Anfangs? Paulus liest unsere eigene Existenz in den Tod und die Auferstehung Christi hinein (Römer 6, 3-4): „Wisst ihr nicht, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft. Wir sind mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten ..., auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ Welch ein Trost und welche Entlastung unserer Existenz! Wir fangen nicht mit uns selber an und wir sind nicht unser eigener Ursprung. Wir waren schon einmal gemeint in jenem Tod und mit jener Auferstehung.
Wir sind nicht nur wir. Unser Leben ist hineinverwoben in das Schicksal dessen, der gestorben und nicht tot geblieben ist. Noch ist nichts zu Ende, wir haben einen Ursprung in diesem Christus. Man kann keinem verübeln, wenn er den Offensichtlichkeiten des Lebens mehr glaubt als jener Geschichte, die sich anhört, „als wär's ein Märlein“. Noch sind die Schwerter ja noch nicht zu Pflugscharen umgeschmiedet, wie es für die Zeit des Messias verheißen ist. Aber es ist keck, es ist schön, es ist menschenwürdig, dem Leben mehr zu glauben als seiner offensichtlichen Vergänglichkeit. Christus lebt und wir mit ihm. Weiß Gott, was wir da sagen! Gott weiß es und das genügt.
welt der frau, Linz, 4/2004
Zeitsch. Kath. Frauenbewegung Ö.