Broschüren - Meinungen
Kirche ist (k)alt
Im Herbst 2003 hat die SKJ-Landesleitung die Broschüre „Kirche ist (k)alt“ vorgestellt. Sie enthält Meinungen von über 800 Südtiroler Jugendlichen zum Thema Kirche, gesammelt vor allem an Oberschulen. Die SKJ wollte dadurch zu fruchtbaren Diskussionen zwischen Erwachsenen und Jugendlichen anregen, helfen, dass die Vorstellungen und Träume der Jugendlichen kennen gelernt und wenn möglich verwirklicht werden.
Es war mutig diese Thematik anzugehen. Denn es kam heraus, was herauskommen musste: Die Jugendlichen empfinden Kirche weitgehend als alt und kalt, als überholt und rückständig, als Auslaufmodell. Daneben gibt es natürlich auch Glaubens- und Lebenszeugnisse. Aber insgesamt entsteht der Eindruck, wie Projektleiterin Silvia Irsara von der SKJ sagte, „Jugendliche seien gleichgültig gegenüber kirchlichen Themen“.
Die Äußerungen sind zum Großteil eine vernichtende Kritik. Es erhebt sich die Frage, wie die SKJ gedenkt damit umzugehen. Es heißt, Pfarrgemeinderäte sollten sich damit befassen, im Religionsunterricht sollen Fragen aufgearbeitet werden. Das heißt, die anderen sollen etwas tun. Und was tut die SKJ-Landesleitung mit dieser wohl berechtigten Kritik Jugendlicher? Bisher ist meines Wissens wenig geschehen. Ich habe keine Aussendungen der SKJ-Landesleitung gesehen, wo Vorschläge für Veränderungen in der Kirche gemacht werden, wo die Anliegen der Jugendlichen für die Liturgie, die Mitbeteiligung, die brennenden Themen aufgegriffen werden. Es wurde nicht einmal erklärt, in welchen Bereichen den Jugendlichen zugestimmt wird, welche kritisch gesehen werden, wo andere Vorstellungen vorherrschen. Auf diese Weise werden die Jugendlichen nicht ernstgenommen!
Ein Rückblick. Bereits 1990 erschien die Dokumentation „Jungsein in der Kirche“. Sie war eine Sammlung von kurzen und längeren Briefen von jungen Menschen zu verschiedenen Themen wie Glaube: Strafender oder liebender Gott?; Mein Kirchenbild: Glaubensgemeinschaft oder Institution; Priesterbild; Sexualität: Frust oder Lust?;, Frau in der Kirche; Kirche und Geld. Nach jedem Abschnitt folgten Perspektiven, die Anregungen zur Weiterarbeit boten. Diese Dokumentation hatte einige auch recht massive Proteste vor allem von Seiten von Priestern ausgelöst. Es ist zu vielen Diskussionen gekommen. 1995, im Jahr des Kirchenvolksbegehrens, stellte sich die SKJ zunächst auf die Seite der Reformerinnen und Reformer. Bei der Unterschriftensammlung hielt man sich aber zurück. Dann kam die Broschüre „Frischluft in der Kirche“ heraus. Es war der Beitrag der SKJ-Landesleitung, um die Themen Kirche und Demokratie, Frau und Priesteramt, Priester und Zölibat, Sexualität und Kirche zu vertiefen. Diese Themen des Kirchenvolksbegehrens „brannten“ schon in der Dokumentation „Jungsein in der Kirche“, wurde betont.
Und 2003 erneut eine Meinungsäußerung von Südtiroler Jugendlichen zum Thema Kirche. Sie wird inzwischen als alt und kalt erlebt. Bezeichnend sind die Titelseiten der drei Broschüren. Frauen und junge Familien z.B. dürften sich heute den Meinungen der Jugendlichen anschließen, wenn auch mit anderen Worten. Sie würden wohl deutlich machen, dass sie mit der gegenwärtigen Form von Kirche nicht mehr viel anzufangen wissen.
Es tut weh mitzuerleben, wohin sich die Kirche entwickelt hat. Ich wünsche mir einen Aufschrei, einen Aufschrei von Jugendlichen und Erwachsenen, von Laien und Priestern, von Verbänden und Pfarrgemeinden.
Robert Hochgruber