Glaubenserneuerung - Priesterberufe

Zum Nachdenken

Ein Versuch zu verstehen, wo Erneuerung der Botschaft u.a. ansetzen könnte, um unsere kath, Kirche glaubhafter, „christlicher“ und damit attraktiver werden zu lassen.

Die Person Christi ist menschgewordene Liebe, dies ist die Hauptbotschaft des Christentums, sie gilt es zu vermitteln, so kann die „Frohe Botschaft“ verständlich werden und dazu beitragen, diese unsere Welt aus der Resignation zu führen.

Wir Menschen, Schwestern und Brüder Christi, sind in unserem innersten Wesen heil, unsere Würde kommt aus diesem Einsein mit Gott, aus dem von Ihm geliebt sein, aus dem in Ihm geborgen sein. Wir sind aufgerufen als „freie“ Menschen unsere uns geschenkten „Talente“ bestmöglich zu entfalten. Zu erkennen, dass wir als Menschheit mitten in der Entwicklung zum „Menschen“ stehen, ermutigt uns, uns mit unseren Unzulänglichkeiten zu wagen.

Der Menschen Würde zu achten, zu fördern ist wesentliche Aufgabe des Christseins, ist Aufgabe der Kirche. Mann und Frau sind vor Gott gleichermaßen würdig; dies impliziert, dass beide Geschlechter amtsfähig sind und die Ehe, die ja ein Sakrament ist, der Würde des Priesteramtes nicht schaden kann.

Menschen unserer Zeit können die „Minderschätzung“ der Frau nicht akzeptieren; die zunehmende Schnelllebigkeit braucht eine Vielfalt von Möglichkeiten das Priesteramt auszuüben. So z.B. würde ein Zölibat auf Zeit Priestern, die nach Jahren selbstlosen Dienstes an der Gemeinde eine Ehe schliessen möchten, ihre Würde, ihre Lebenschancen nicht mindern. Bei aller Wertschätzung für den Zölibat, ist seine starre Handhabe weder menschen- noch zeitgerecht, seine Lockerung und das Priestertum der Frauen würden die Probleme unserer Kirche in unserer Zeit zwar nicht vom Tisch fegen, wohl aber wesentlich zu ihrer Lösung beitragen.

Erlösung, Auferstehung ist Befreiung von Angst, von Mustern, von Zwängen, ist Ermunterung zum Leben.

Der Tod Christi ist nicht Sühneopfer zur Befriedung eines rächenden Gottes, sondern Ausdruck der Solidarität Gottes mit den Leidenden in unserer Geschichtlichkeit (bis zum Schlss wollte Jesus leben, er hat sich schließlich dem Unabänderlichen ausgeliefert, es angenommen).

Das Neue Testament überwindet das Alte Testament. Wenn in der Botschaftsverkündigung, wie z.B. in der Lesung der Osternacht vom rächenden Gott und der Vernichtung der Feinde berichtet wird, erfährt der Laie darin einen krassen Widerspruch zum Gott der Liebe und des Verzeihens. Diese Mischung von Botschaften erfahre ich als verwirrend, zumal Freiheit nicht die Vernichtung anderer voraussetzt.

Kindern ist der leidende Corpus am Kreuz nicht als Zeichen der Erlösung, der Liebe, der Hoffnung verständlich zu machen, das Kreuz aber als Symbol der Verbindung von Erde und Himmel sehr wohl. Die Darstellung des leidenden Corpus ist wohl jüngeren Datums; die Darstellung von Christ-König (auch am Kreuz) wäre sicher adäquater. Auch der Fisch war lange Zeit unser Zeichen.

In der Symbolik der Kirche kommt die „Auferstehung“ zu kurz. Die Verherrlichung des Leidens hat Übergewicht, obschon Jesus gekommen ist, das Leid auch in der Jetztzeit zu lindern (seine Wunder sind wesentlich Heilbringung für leidende Menschen in ihrer irdischen Welt).

Ein neues Verstehen des dreieinigen Gottes könnte eine Brücke schlagen zwischen Christentum und dem Weltverständnis der Wissenschaft, es könnte auch zu einem besseren gegenseitigen Verstehen der verschiedenen Weltreligionen führen und so vor allem jungen Menschen einen neuen Zugang zu Kirche öffnen.

Schuld mehr bedingt durch Beschränktheit denn als bewusstes Handeln gegen Gott zu verstehen, würde das so häufige und lähmende „schlechte Gewissen“ vieler Frommer entlasten und Mut zum Selbst-Sein machen. Das Gleichnis der „Talente“ fordert von uns, unsere Fähigkeiten zu wagen und sie nicht unter den Scheffel zu stellen.

Eingabe an den Pastoralrat von Karl Trojer, Terlan, Mitglied des Vorstandes der Initiativgruppe