Das Gesicht der Armen
Der Comboni-Bruder Bruno Haspinger ist der Leiter des „Hauses der Solidarität Luis Lintner“, das Ende Mai 2003 in Milland eröffnet wurde. In einem ff Interview vom 5. Juni 2003 sprach er über seine Erfahrungen in Brasilien und seine Sicht von Mission und Kirche. Hier ein Auszug.
ff: Woher kommt Ihre Kraft?
Bruno Haspinger: Kraftquelle ist für mich immer das Gesicht der Armen. Wenn man nicht die Kraft hat, den Armen ins Gesicht zu schauen und den Menschen zu sehen, geht das nicht.
Wir haben jetzt gar nicht von Religion geredet?
Wenn das nicht Religion ist, was ist dann Religion?
Missionieren war ursprünglich die Verkündigung des Glaubens?
Religion ist für mich, dass ich an der Seite der Armen, Ausgebeuteten und Unterdrückten stehe. Wenn Religion das nicht ist, kratzt mich Religion nicht.
Welchen Platz haben Sie in der Kirche?
Welchen Platz ich in der Kirche habe interessiert mich wenig, ich war mein Leben lang als Kirchenmensch tätig. Dass ich oft unbequem sein kann, wissen alle.
Ein Teil der Kirche 1ebt anders als Sie. Hadern Sie mit der reichen Kirche?
Lass sie leben! Ich fühle mich nicht berufen, die Kirche in Südtirol zu verändern. Ich weiß, dass man sich in Europa und manchmal auch in Brasilien mit meiner Auffassung von Kirche schwer tut. Nur ein Beispiel. So lange Paolo Evaristo Arns Kardinal in Sao Paolo war, stand die Kathedrale den Bettlern offen. Jetzt gibt es einen neuen Kardinal, jetzt kann kein Armer mehr sich auf eine Bank legen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Kirche Jesu Christi ist. Manchmal scheint mir, dass der christliche Teil der No-global im Geld den neuen Götzen ausgemacht hat. Wer viel Geld hat, will mehr. Das ist einfach so. In Südtirol ist man auf keinem guten Weg. Man hat vor lauter Geld sich selber und die eigene Umgebung entstellt.
Wovon möchten Sie mehr haben?
Ich möchte einen Haufen Menschen, die sich für eine bessere Welt einsetzen. Davon kann es nicht genug geben.
Und was brauchen Sie für sich?
Einen Holzpyjama irgendwann.
Interview: Georg Mair, ff Nr. 23 / 5. Juni 2003