Unkraut jäten

Präsident George W. Bush beginnt jeden Tag mit einer Bibelstunde und der Chef des Weißen Hauses sieht es gerne, wenn seine engsten Mitarbeiter in der Runde sitzen. Mister President betet regelmäßig und spricht meist zu Beginn von Sitzungen ein Gebet. Präsident Bush ist überzeugt, dass der Krieg gegen den Irak eine gerechte Sache ist; seine Nation habe eine „Mission" zu erfüllen: „Das Böse ausrotten", wie Bush mit grimmigem Blick in die ärmeren Winkel der Welt zu sagen pflegt. Vielleicht hat Bush bei seinen Bibelstunden eine wichtige Stelle der Heiligen Schritt noch gar nicht aufgeschlagen. Nämlich Jesu Weisung im Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen: Gut und Böse wachsen auf dieser Welt nicht auf getrennten Ackern. Wer radikal jäten will, greift bestimmt daneben. Das zeigt die menschliche Geschichte. Jesus rät den Menschen, nur bei sich selbst Böses auszureißen. Dort weiß jede und jeder, wo Unkraut wächst. Beim Bösen auf der Welt ist es besser, es klein zu halten, damit es nicht das Gute überwuchert. Die große Ernte steht allein Gott zu.

Martin Lercher
Sonntagsgedanken - Zett, 23.2.2003