Was soll's?

Non c’è più religione! Der Bischof um seinen Fastenhirtenbrief einzuleiten hat eine Ausrede nötig. Die Europäische Union, schreibt er, habe das Jahr 2003 zum „Jahr der Menschen mit Behinderung" erklärt und also schreibt er auch drüber. Was hat ihn die Europäische Union anzugehen? Hat ein Anliegen einmal sein Jahr; ganz egal ob Europa-, Welt- oder Unoweit, ist es schon erledigt. Heuer müssen wir die Calenzani ehren, nächstes Jahr ist sie wieder die alte Urschl. Nein, lieber Bischof, nicht dem Jahr die Schuld geben, dass du Partei ergreifst!

Und auch sonst hat sich die Faste hochnotpeinlich angelassen: All diese bekennenden Faster, Büßer, Beter; In-sich-Geher! Der Bauern-bund-Direktor erlaubt sich „ein bisschen weniger Stress", der Dolomiti-Superski-Direktor betet um „Schnee bis Ostern" und der Obmann der Konditoren sei „das ganze Jahr über brav". Die Herrschaften haben sich nicht das Evangelium vom Aschermittwoch angehört. Darin heißt es; ein Pharisäer, wer angibt, er faste!

flor - Florian Kronbichler
Tageszeitung, 6. März 2003