Bibelecke

Mit der Bibel leben

Sie ist die Gründungsurkunde unseres Glaubens. Das erste und zweite Testament ist ein Buch mit vielen Botschaften für uns Menschen. Für manche Christen ist und bleibt es ein „Buch mit sieben Siegeln". Sie lesen kaum darin und kennen Gottes Wort nicht näher. Zu viele Aussagen sind ihnen unverständlich oder zu widersprüchlich. Sie scheinen nicht in unseren Horizont hineinzupassen.

Im Jahr der Bibel 2003 laden alle christlichen Gemeinschaften ein, die Texte der Bibel zu studieren und zu meditieren. Mit der Bibel leben heißt nun nicht, ihre Texte wie einen Steinbruch zu benutzen und ihre Worte als Gebrauchsware oder gar als Waffe zu gebrauchen. Mit der Bibel leben heißt auch nicht, biblische Texte zu zitieren in passenden oder unpassenden Situationen. Das ist die Art der Fundamentalisten, die dann größte Mühe haben aus dem selbst gestrickten Netz der Worte und Sprüche herauszukommen. Der Fundamentalist hat nur einen Quadratmeter Raum, von dem aus er argumentiert. Mit der Bibel leben heißt, die Botschaft Gottes ins eigene Leben hinein zu aktualisieren. Dann erst finden wir heraus, welcher Geist hinter dem einzelnen Wort steht und wie Jesus ihn für seine Zeit anwendet. Ihm kommt es nicht darauf an, einzelne Vorschriften aufzuheben, sondern den Geist zu finden, der dieses Wort beseelt. So setzt er sich vehement für den Sabbat ein und will ihn nicht abschaffen, sondern er will den Geist des Sabbat freilegen. Für ihn ist der Sinn des Sabbat das Glück des Menschen. An diesem Tag soll er frei sein von allen Zwängen und Abhängigkeiten. Deshalb kann er am Sabbat heilen, wenn der Mensch von Krankheit oder Unheil niedergedrückt ist. Dieser Geist wird von Jesus ganz eindeutig erklärt: „Der Mensch ist nicht für den Sabbat da, sondern der Sabbat für den Menschen." Das ruft Widerspruch und Unsicherheit hervor. Das erfordert, die Texte der Bibel mit dem eigenen Empfinden zu interpretieren. Das erfordert Mühe! Hier wird der Fundamentalist nicht mitmachen. Er meint, wir würden gegen den Buchstaben handeln. Aber wie heißt es doch in der Bibel: „Der Buchstabe tötet."

Wenn wir die Bibel aus dem Geist der Zuwendung Gottes zu uns Menschen lesen, dann werden sich oft überraschende Wendungen ergeben. Dazu möchte ich Euch in diesem Jahr der Bibel herzlich einladen.

Georg Koch, kath. Pfarrer, Betzdorf/D
E-Mail: koch@st-ignatius.de Internet: www.st-ignatius.de


Italienischer Priester seines Amtes enthoben

Franco Barbero, der Pfarrer einer Basisgemeinde in Pinerolo, Piemont, wurde am 13. März 03 von seinem Bischof informiert, dass er seines Amtes als Priester enthoben sei. Die Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger hatte im Namen von Papst Johannes Paul II. diese Strafe verfügt. Äußerst ungewöhnlich und dem Kirchenrecht widersprechend wurden vorher keine Gespräche mit dem Betroffenen und mit der Basisgemeinde geführt. Es war also keine Verteidigung oder Klärung möglich. Außerdem wurde die Strafe ausdrücklich ohne Rekursmöglichkeit verhängt. 
Franco Barbero, 64 Jahre alt, wurde auf Grund seines Engagements für Homosexuelle - er segnete Partnerschaften (siehe auch Impulse 3 2002 S. 16) - und wegen seines Eintritts für die Freistellung des Zölibates gemaßregelt.
Er hat erklärt, die Verfügung der Römischen Glaubenskongregation nicht anzuerkennen, da sie kirchenrechtlich wegen Verletzung der Rechte des Angeklagten nicht gültig sei. Er werde so weiterarbeiten wie bisher.

Folgendes Telegramm hat die Bewegung “Noi siamo Chiesa” an Kardinal Joseph Ratzinger, den Präfekten der Glaubenskongregation, gesandt:
“Em.mo signore, anche noi sosteniamo il modo di agire del presbitero di Pinerolo, Franco Barbero, che Tu - a nome del Sommo Pontefice – hai condannato. Temiamo dunque di ricevere anche noi le tue pene canoniche. Non ci pare tuttavia necessario un dialogo tra di noi: come tu hai dimostrato con il nostro fratello Franco, il modo di agire della Curia romana è di condannare senza ascoltare i fratelli. Ricordando l'insegnamento di Nostro Signore Gesù Cristo: 'Voi sapete che i capi delle nazioni dominano su di esse, e i grandi esercitano su di esse il potere. Non così dovrà essere tra voi' (Mat. 20, 25), riteniamo invalida la condanna e da ripudiare come contraria allo spirito di Gesù.


Gli/le aderenti al movimento italiano di "Noi siamo Chiesa", Milano