Brauchen wir noch einen Kampf um Gleichberechtigung?

Das fragte die Österreichische Zeitschrift „welt der frau", herausgegeben von der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Schwester Klara Rieder, Psychologin und Direktorin des Pädagogischen Gymnasiums in Bozen. Hier ihre deutliche Stellungnahme, die in der Rubrik „Ihre Meinung, bitte!" auf S. 3 der Ausgabe vom März 2003 abgedruckt wurde.

Am 8. März gibt es wieder Blumen für die Frauen, schöne Reden, viele Presseaussendungen, vielleicht auch manchen starken Spruch bei einer Demonstration und viel Jammern über die Benachteiligung der Frau. Der Internationale Frauentag, einst ein Kampftag für Frauenrechte, ist zum Ritual verkommen, zum Muttertag, der nichts bewirkt. Die Mehrheit der Bevölkerung kann sich nicht durchsetzen. Dabei erlebe ich so viele tüchtige, begeisterte, starke, einsatzfreudige Frauen in meinem Umfeld. Gebündelt - so denke ich immer wieder - muss doch ein ungeheures Potenzial vorhanden sein. Wir Frauen müssten doch eigentlich in Gesellschaft und Kirche fast beliebig viel bewegen können.

Im gesellschaftlichen Bereich hat sich in den vergangenen Jahren langsam einiges zugunsten der Frauen verändert. In der katholischen Kirche bemerke ich nichts davon. Sicherlich sind in den letzten Jahren als Antwort auf den Zeitgeist einige wenige Frauen in manchen Diözesen in höhere Positionen gehoben worden, aber was können sie dort zugunsten der Gleichstellung der Frauen in der Kirche verändern? Sie sind meist brav und angepasst oder müssen sich so verhalten, um ihren Brotberuf in der Kirche nicht zu verlieren.

Es ist erstaunlich, wie es der Amtskirche mit ihren nur männlichen Betreibern noch immer gelingt, Frauen zur ehrenamtlichen Mitarbeit einzuladen und die starren, kirchlich-männlichen Strukturen mit ihrem Engagement aufrechtzuerhalten.

Die „Anziehungskraft" der priesterlich-zölibatären Männer liegt vermutlich darin, dass sie in der alltäglichen Nähe gefälliger sind als Ehemänner und letzte Beweise der Treue und Wahrhaftigkeit den Frauen nicht liefern müssen. So gewinnt die Anerkennung durch den Priester für manche Frauen ein besonderes Gewicht. Um diese nicht zu verlieren, scheuen sie Konflikte, widersprechen nicht dem Herrn Pfarrer. Jene, die den Mund auftun, eigenständig und selbstbewusst agieren, merken schnell, dass für sie plötzlich kein Platz mehr in der Gemeinschaft ist. Die Mehrzahl der Frauen zieht sich schweigend aus der Kirche zurück. Sie haben andere Interessen. Ein Engagement für gelebte Gleichberechtigung und Partnerschaft von Männern und Frauen, von Laien und Klerikern in der Kirche ist nicht sehr attraktiv, scheint aussichtslos. Es wird uns jedoch nicht erspart bleiben, wenn wir tatsächlich eine Gemeinschaft nach den Vorstellungen Jesu sein wollen.

Klara Rieder, Bozen


 

Frauenpriestertum – eine Frage der Menschenwürde

Alljährlich wird am 8. März der „Tag der Frau" begangen. Anlass genug, über die Stellung der Frau in der Kirche nachzudenken. Unwillkürlich fallen mir sieben Frauen ein, die mit Mut und Konsequenz ihrer Berufung gefolgt sind, im priesterlichen Dienst zu wirken. Die dazu notwendige Weihe am 29. Juni 2002 führte kürzlich zu ihrer endgültigen Exkommunikation durch die römische Glaubenskongregation. Traurig genug, dass nie ein Gespräch über solch einen Schritt mit den Betroffenen geführt wurde. So stimmt es doch mehr als nachdenklich, dass es so etwas wie Exkommunikation überhaupt noch gibt.

Die widersprüchliche Haltung in der röm. kath. Kirchenleitung scheint mir darin zu liegen, dass nach außen hin eifrig ökumenische Klimmzüge vollzogen werden, für die Bewahrung des Friedens höchster Einsatz gezeigt wird, aber innerkirchlich brenzlige Themen wie Frauenpriestertum und Diakonat, freiwilliger Zölibat und Mitspracherecht der Laien bei der Ämterbesetzung tabu, verpönt, indiskutabel sind.

Es gibt Frauen auch in Südtirol und nicht wenige, die sich zum priesterlichen Dienst berufen fühlen, und allgemein empfinden sich laut Gesprächen Frauen im kirchlichen Dienst häufig als Lückenbüßerinnen. Es fehlt auch an Solidarität und Zivilcourage unter den Frauen. Das Jahrtausende alte Erbe der Unterdrückung lastet schwer. Einem Menschen verwehren, seine innerste Berufung zu leben, bedeutet aber, ihm seine Würde nehmen.

Annegret Steck, Naturns
Stellvertretende Vorsitzende