George W. Bush exkommunizieren??
Ein Gastwirt aus St. Ulrich, Oskar Prinoth, schrieb einen offenen Brief an Papst Johannes Paul II.
Seine Heiligkeit!
Gestatten Sie mir, als einfachem Bürger und alltäglichem Angehörigen der christlichen Gemeinschaft der Gläubigen, Ihnen einige sehr einfache Zeilen zu schreiben, die gleichzeitig Ihre von der ganzen Welt anerkannte Autorität und Obrigkeit voll respektieren möchten.
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Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! |
Es hat manche Gläubige bestimmt etwas überrascht und verwundert, wie unverzüglich und dezidiert die Kirche - durch eine von Kardinal Ratzinger unterzeichnete Maßnahme – einige besonders fromme und engagierte Ordensschwestern „exkommuniziert" hat, nachdem diese, durch die Autorität und den verantwortungsbewussten Willen eines geschätzten südamerikanischen Bischofs, in Bayern im Sommer 2002, zu „Priesterinnen" geweiht worden waren.
Diese Nicht-Zulassung der Frau zu Stellen und Bereichen gehobener Kompetenz der Kirche hatte wieder einmal für große Diskussionen innerhalb derselben Kirche und bei dem Volk der Gläubigen verursacht.
Prinoth weist auf die akute Kriegsgefahr durch die USA hin und fährt fort: In diesem extrem bedenklichen und verantwortungslosen Zustand würden so manche Gläubige es als höchst angebracht und notwendig empfinden, dass die Autorität Ihrer Heiligkeit aufgrund Ihres internationalen Prestiges, es ins Auge fassen würde, gegenüber dem amerikanischen Präsidenten eine dezidierte „Exkommunizierung" vorzunehmen. In Anbetracht der Tatsache, dass sein Verhalten und seine augenscheinliche Sucht nach Krieg und Vergeltung eine mit dem christlichen Gedankengut und mit dem Leben und Beispiel des Jesus Christus nicht zu vereinbarende Situation ist.
Wäre denn eine „Exkommunizierung" in diesem Fall nicht „par Excellence" richtig am Platze? Diese könnte eine historisch relevante Auswirkung erzielen und es käme Christentum konkret zur Anwendung, mit einer Vielzahl von armseligen Menschen, denen ein Grausames Schicksal erspart bliebe. .....
Seine Heiligkeit, würde denn bei George W. Bush eine „Exkommunizierung" nicht sehr zutreffend sein und bei einigen guten Ordensschwestern etwas weniger, die vor allem die Probleme der Kirche auf ihrer Haut verspüren? Unsere ehrliche Dankbarkeit fürs Lesen.
Oskar Prinoth, St. Ulrich
Tageszeitung, 6. 2. 2003
Exkommunikation bestätigt – kirchenrechtlich fraglich
Joseph Kardinal Ratzinger hat in einem Schreiben der Glaubenskongregation vom 21. Dezember 2002 die Exkommunikation der sieben Frauen, die Ende Juni 2002 auf einem Donauschiff bei Passau geweiht wurden, bestätigt. Darin wird die Nichtigkeit und Ungültigkeit der Weihe betont. Die Argumente sind die bereits bekannten. Die sieben Frauen antworteten in einem ausführlichen Brief, in dem sie ihre gute Absicht, ihre Bereitschaft, im Rahmen der katholischen Kirche tätig sein zu wollen und ihre Überzeugung darlegen, dass die Weihe gültig sei. Das Verbot der Frauenordination sei zeitlich bedingt. Es brauche ein Signal für die Gleichberechtigung der Frau in der Kirche.
Der Kirchenrechtsexperte Klaus Lüdicke hat die Rechtsgültigkeit der Exkommunikation untersucht und kommt zum Schluss, dass für das Exkommunikationsdekret der Glaubenskongregation keine Rechtsgrundlage im derzeitigen Kirchenrecht zu finden sei.
Robert Hochgruber