Kirchen müssen zu Gewaltfreiheit erziehen
Die Kirchen sollten mit Erziehungsarbeit und Bewusstseinsbildung weltweit Formen der Gewalt bekämpfen. Bereits im Jahr 2000 hatte der Generalsekretär des Weltkirchenrates (ÖRK), der deutsche Theologe Konrad Raiser, gesagt: „Das ist eine Lektion, dass wir unsere Wahrnehmung von Gewalt über die militärischen Konfliktstrukturen hinaus ausdehnen müssen." Die Kirchen müssten schon Kindern und Jugendlichen die Erfahrung vermitteln, dass Konflikte anders lösbar sind als in der gewaltsamen Durchsetzung eigener Interessen.
Raiser warnte damals bei der Eröffnung der Dekade zur Überwindung der Gewalt allerdings vor einer allzu blauäugigen, realitätsfernen Sicht. Es sei gefährlich, so zu tun, als lasse sich Gewalt aus der Welt schaffen. „Überwindung von Gewalt ist eine bewusst nuanciert gewählte Wendung - das heißt nicht Eliminierung von Gewalt, sondern die Erwartung, dass man das Potenzial von Energie, das in Gewalt steckt, so umwandeln kann, dass es konstruktive Energie wird." Die Bibel zeige, dass es ein Entkommen aus der zwanghaften Logik - Gewalt erzeugt Gegengewalt - gebe.
Raiser plädierte in diesem Zusammenhang für unkonventionelle Schritte, darunter massenhafte Aktionen des zivilen Ungehorsams. „Ich denke, dass das ein Weg sein kann, freilich nur, wo es um die großen Gewaltstrukturen geht; aber im Grunde ist die alltägliche Gewalt für die Menschen ebenso gefährlich und die Zahl der Opfer ist nicht minder groß."
„Ich habe auch in der Auseinandersetzung mit rechter Gewalt erkennen müssen, dass Gewalt eine seltsame morbide Anziehungskraft besitzt", sagte der Generalsekretär. „Ich beginne zu verstehen, warum Gewalt für Jugendliche am Rande der Gesellschaft ein ausgesprochen identitätsstiftendes Element ist. Sie kompensiert ein sonst nicht zu bewältigendes Gefühl von Ohnmacht, von Bedeutungs-, von Sinnlosigkeit. Darüber müssten Seelsorger und Erzieher in den Kirchen noch viel intensiver nachdenken." Raiser befürwortete eine breite Debatte um Kriterien, Möglichkeiten, Grenzen und ethische Kriterien des Gebrauchs militärischer Gewalt zum Schutz von Zivilgesellschaften in Konfliktsituationen.
Wer aus dem Nahen Osten oder aus Sri Lanka komme, rede über Gewalt anders als jemand aus Deutschland, sagte er. „Wir fangen an zu lernen, dass uns prinzipielle Äußerungen mit universeller Gültigkeit wenig weiterhelfen." Die Frage sei, wie in konkreten Situationen die Spirale der Gewalt zu durchbrechen ist. „Es kann nicht sein, dass die Mächtigen der Welt sich überall ein Interventionsrecht herausnehmen, sich anmaßen, entscheiden zu können, wo sie eingreifen, um Menschenleben zu schützen. Ohne die Menschen, die sie schützen wollen, an dieser Entscheidung zu beteiligen, wird das sehr fraglich."
dpa Meldung im Februar 2001
Friedensfahne und ihre Bedeutung
Der Philosoph und Pazifist Bertrand Russell war der erste, der die Farben des Regenbogens als Friedensfahne benutzte. Er war der Animator des „Komitees der Hundert": Persönlichkeiten aus der Kultur, die sich in den 50er Jahren gegen die nukleare Bedrohung in England wandten. Die Farben des Regenbogens waren ein Symbol des Friedens und der Hoffnung nach dem verheerenden 2. Weltkrieg.
In Italien wurde die Friedensfahne mit den Farben des Regenbogens zum ersten Mal beim Marsch von Perugia nach Assisi am 24. September 1961, der „Marcia per la pace e la fratellanza fra i popoli", verwendet. Der Philosoph Aldo Capitini, Gründer des "Movimento nonviolento" hatte die Fahne aus England importiert. Don Tonino Bello, ein italienischer Priester, definierte den Frieden als Zusammenleben trotz Unterschieden: „Mettere tutto in communione sul tavolo della stessa umanità". Die Verschiedenheiten zwischen den Menschen in Bezug auf Hautfarbe, Rasse, Religion wurden mit den verschiedenen Farben des Regenbogens in Zusammenhang gebracht.
Und schließlich kommt der Regenbogen in der Erzählung der Sintflut im Alten Testament vor. Gott stiftet den Regenbogen als Zeichen dafür, dass er mit den Menschen und mit der Natur einen Bund geschlossen hat, auf dass nie wieder eine neue verheerende Sintflut komme. Der Regenbogen wird zum Zeichen für den Frieden zwischen Himmel und Erde und - erweitert - zwischen allen Menschen.
Und so zeigen die Tausenden von Friedensfahnen in den Farben des Regenbogens auch heute, dass die Menschen einen gemeinsamen Willen zum Frieden haben.
Gemeinschaft Papst Johannes XXIII., Rimini