Das menschenunwürdige Spiel um ein neues Gefängnis
Es wird wieder über das Bozner Gefängnis diskutiert und das ist wirklich erfreulich.
Nur
Gefangene können so behandelt werden, sie haben keine Lobby und keine Rechte,
sie haben sich gegen die Gesellschaft versündigt, also dürfen sie von der
Gesellschaft nichts fordern. Und so leben in der zivilisierten Landeshauptstadt
Bozen 160 Gefangene in Zellen, die für 80 Gefangene geplant wurden, alle dicht
beieinander, nebeneinander, übereinander, untereinander. Die hygienischen
Zustände sind katastrophal, einige Zellen haben offene Toiletten, d. h. dass
die Kloschüssel in einer Ecke der Zelle steht. Da werden aus Menschen Tiere. Im
Gefängnis gelten Regeln, die bei Tieren Anwendung finden, nicht, für Gefangene
ist nicht artgerechte Menschenhaltung erlaubt. Auch die Gefängnispolizisten
sind Opfer dieser Zustände. Das sagt eigentlich alles. In den Gefängnissen
hören die Menschenwürde und die Menschenrechte auf. Das wissen die
Verantwortlichen seit Jahren, geschehen ist trotzdem nichts.
Wenn nichts geschieht, hoffe ich weiterhin, dass sie den Durnwalder und den Saurer mal kurz einsperren, vielleicht tut sich dann was.
Arnold Tribus, Tageszeitung, 6. März 2003
Geistliche Gegenstimme
Der in Eppan geborene Priester Bruno Carli spricht sich für den Bau des Gefängnisses in Eppan aus. Carli, derzeit Pfarrer von Corpus Domini in Bozen, ist sogar bereit, nach der Pensionierung den Dienst als Gefängniskaplan anzutreten.. Der Priester sieht in der Verlegung des Gefängnisses nach Eppan mehrere Vorteile für die Gemeinde, darunter neue Arbeitsplätze „in einem für die Gemeinschaft nützlichen Bereich"; ein modernes Gefängnis könnte weiters zur Wiedereingliederung der Gefangenen beitragen, die ja schließlich aus dem Land selbst kämen. Carli wünscht sich in Eppan ein Modellgefängnis mit Berufsschule und Werkstätten, Garten für die Arbeit im Freien, mit Turnhalle und Schwimmbad.
Zett, 9. März 2003