Gereimte biblische Inhalte

Professor Alois Ties in seinem Element

Biblische Geschichten in einem humorvollen Kleid verpackt sind der Inhalt des kürzlich erschienenen Buches von Alois Ties, dem Professor für Dogmatische und Ökumenische Theologie an der Phil. - Theol. Hochschule Brixen

Er möchte mit seinem Buch "Schüttel­reime Bibel. Nacherzählte Glaubensgeschichte" die Leserinnen und Leser zu einer tieferen Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes anregen und zwar in einer heiteren Art und Weise.

Den Anstoß zu den biblischen Verreimungen erhielt Ties bei den Wiener Theologischen Fernkursen. Auch im Kreise der Lehrkräfte des Realgymnasiums Brixen gab Ties als damaliger Religionslehrer bei verschiedenen Feiern seine literarischen Beiträge zum Besten. Mit Freude wurden sie aufgenommen. Auf Drängen von verschiedenen Seiten hat er nun sein erstes Bändchen, das die Urgeschichte umfasst, herausgegeben.

 

Alois Ties: Schüttelreime Bibel
Verlag A. Weger, Brixen, 2001
10,50 Euro

"Wenn manche Wortkombinationen etwas drollig erscheinen, Formulierungen etwas humorvoll anmuten, ein optimistischer Grundton die Erzählung durchzieht, dann entspricht das dem Anspruch der Bibel, die durchwegs etwas von der Freude ausstrahlt, die dem Glauben eigen ist" erklärte Alois Ties im Brixner  Juli 2001. "Wenn es Menschen gibt, die etwas Spaß an meinen Verreimungen finden, vielleicht auch vom Inhalt etwas profitieren und eventuell eine Anregung erhalten, den biblischen Text selber in die Hand zu nehmen, dann wäre meine Mühe, Reime zu schütteln, nicht umsonst gewesen." Ein Nachfolgeband ist bereits in Vorbereitung. Die Manuskripte dazu sind da.


Die Erschaffung der Eva

Doch Gott tat für den Armen beben

und hatte nun Erbarmen eben;

"Er schaut den Tieren immer nach.

Ich pack das selber nimmer, ach!

Was, Armer, du hier leiden musst!

Ich hab dies zu vermeiden Lust!

Man muss ihm wen zum Haine locken.

Wie lang soll er alleine hocken?

Der Garten wird zum Schmerzenshaus.

Nun schaff ich ihm den Herzenschmaus.

Und Gott biss in die Lippe rein:

"Du musst mir eine Rippe leihn!

Will Fleisch dann um die Rippe kramen.

Wär für die Frauenkrippe Rahmen.

Ich werd die Knochen massig runden.

Dies soll dir, Adam, rassig munden.

Du wirst sie lieb voll Staunen lecken.

Doch tun in ihr auch Launen stecken."

So tat der Herr die Lippe regen

und vor sich hin die Rippe legen.

Dann sagte Er - die Rippe lauschte,

solange Gottes Lippe rauschte -:

"Du sollst mir gut gelingen, sprieß!

Woraus ich dich entspringen ließ,

Das sollst du nie im Sinn vergessen.

Und er sei vom Beginn versessen

auf seine Rippe, gleich berückt

In sie verliebt und reich beglückt!"

Er sprach, der sanft die Lippe rieb:

"Was hab ich meine Rippe lieb!"

Und sie: "Wie's hier am Lippennest

So wundersam sich nippen läßt!"

Worauf der Herr ins Schmunzeln riss

den Mund, die Stirn in Runzeln schmiss

und sprach:"Ihr beiden Besten, Feinen,

So stehet nun auf festen Beinen.

Lasst euch zur Liebe überreden!

Schon schreibe ich darüber: Eden."

nach Alois Ties


Mensch gesucht

Am See Genesaret sah Jesu zwei Brüder: Simon, der später Petrus genannt wurde, und seinen Bruder Andreas. Sie waren Fischer und warfen gerade ihre Netze aus. Jesus rief ihnen zu: "Kommt mit mir! Ich will euch zeigen, wie ihr Menschen für Gott gewinnen könnt". Da ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Etwas später sah er am Strand zwei andere Fischer, die Brüder Jakobus und Johannes. Sie saßen mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und flickten Netze. Auch sie rief Jesus zu sich. Sofort verließen sie das Boot und ihren Vater und gingen mit Jesus.  (Matt 4,18-23)

Scheinbar federleicht wechseln die Männer ihren Job. Es wird ein schwieriger Lernweg. Jesus verzweifelt manchmal an ihrem Glauben, an ihrem Durchhaltewillen, an ihren Umgangsformen, an ihrer Treue.....! Irgendwann beginnen sie zu lernen, dass Kreuz und Tod zum Leben gehören. Nun beginnt ihre eigene Aufweckung als erwachsene, überzeugte, widerstandsfähige Menschen. Gegen alle Illusionen. Inzwischen hat sich in ihnen das Bild von Jesus gewandelt. Nun wissen sie genau, wem sie standhaft folgen. Wer also "nach folgt" betritt zuerst den Weg zum Ich. Auf diesem Weg steigt Jesus ein. Es wird ein Kennen- und Lieben-Lernen. Wer immer angesprochen wird - gesucht wird ein Mensch!

Albuin Baumgartner