Kongress
über Frauenordination in Dublin
1. 370 Teilnehmende aus 26 Ländern und sechs Kontinenten sind in Dublin vom 29. 6. bis 1.7.2001 zusammengekommen zu einem Kongress zu dem Thema: "DIE ZEIT IST REIF - Eine Feier der Berufung von Frauen zu einem erneuerten Priesteramt in der Katholischen Kirche". Er wurde organisiert von WOW - WOMEN'S ORDINATION WORLDWIDE.
2. HauptrednerInnen waren:
Mairead Corrigan Maguire, Nobelpreisträgerin aus Belfast
Rose Hudson-Wilkin, Vikarin der Kirche von England in London
Joan Chittister, Benediktinerin aus Erie, PA., USA.
John Wijngaards, Theologe und Webmaster von www.womenpriests.org.
3.
Beschlüsse: 11 Beschlüsse für
weitere Aktionen zur Förderung der Frauenordination wurden durch den Kongress
verabschiedet. Eine Resolution verfehlte knapp die notwendige 60 % Grenze und
wurde somit abgelehnt. Diese Resolution rief dazu auf, den Peterspfenning nicht
nach Rom zu entrichten, sondern den Organisationen zukommen zu lassen, die sich
für die Frauenordination einsetzen. Die verabschiedeten Beschlüsse beginnen
mit einem Appell an den Papst, das Diskussionsverbot über Frauenordination zurückzunehmen.
4. Aruna Gnanadason vom Weltkirchenrat sollte die Hauptrednerin sein - sie musste aber auf Druck des Vatikans ihre Teilnahme zurückziehen. Ein Internationaler Runder Tisch: Sechs Vertreterinnen aus Ländern mit "weniger vernommenen Stimmen" sprachen zum Kongreß und berichteten über die Lage der Frauen sowohl im Staat wie in der Kirche.
Velisiwe Mary Mkhwanazi aus Südafrika
Theresa Trujillo aus Mexico und den USA
Yury
del Carmen Puello Orozco aus Kolumbien und Brasilien
Apollonia
Lugemna aus Uganda
Naoko Iyori aus Japan
Kornelia
Buday aus Ungarn
5. Myra Poole, seit zweiundvierzig Jahren Ordensschwester von Notre Dame und seit drei Jahren internationale Koordinatorin von WOW (Women's Ordination Worldwide), erhielt vom Vatikan das Verbot, an dem Kongress teilzunehmen. Es wurde ihr angedroht, dass sie im Falle der Teilnahme am Kongress aus ihrem Orden ausgeschlossen würde. Nach langem Gebet und Überdenken erschien sie am Kongress und erhielt großen Beifall von den Teilnehmenden.
6. Joan Chittister, Ordensfrau bei den Benediktinerinnen in Erie, Pennsylvania, und weltweit wegen ihrer Beiträge zur Spiritualität und Theologie geehrt, wurde auf ähnliche Weise vom Vatikan davor gewarnt, an dem Kongress teilzunehmen. 135 Schwestern des Benediktinerinnenordens unterschrieben Briefe, mit denen sie die monastische Praxis der persönlichen Verantwortung und Joan's Entscheidung, am Kongreß teilzunehmen unterstützten. Joan unterstrich, dass "die Benediktinerinnen und Benediktiner nicht eine hierarchische Konzeption des Gehorsams vertreten, sondern ein monastisches Charisma haben, das in der Unterscheidung und der individuellen Verantwortung die Grundlage sehen für einen erwachsenen Gehorsam." Sie wurde mit tosendem Beifall für ihre Rede bedacht.
7. Soline Vatinal, Sprecherin des WOW-Kongresses, erklärte, dass "der Erfolg unsere kühnsten Träume übertraf". Das gedrängte Programm beinhaltete Gebet, Ansprachen, Diskussionen, und die Ausarbeitung der Beschlüsse. Der Kongress wurde abgeschlossen durch eine sehr bewegende und spirituelle Danksagungsliturgie
8. Kopien der Kongressansprachen können heruntergeladen werden von www.wow2001.org, E-Mail Adresse: basic@indigo.ie.
Präambel
Wir
alle als Mitglieder des Volkes Gottes haben uns aus 26 Ländern und 5
Kontinenten zur ersten ökumenischen WOW - Konferenz vom 29. Juni bis zum 1.
Juli 2001 in Dublin versammelt. Als Jüngerinnen und Jünger Christi
antworten wir auf den Ruf zur unbedingten Nachfolge und suchen Gerechtigkeit,
auf dass alle am Sakrament der Weihe teilhaben können Die Konferenzmitglieder
treten aus ganzem Herzen für die Freiheit der Rede und den Vorrang des
Gewissens ein, wie sie vom II. Vatikanischen Konzil gelehrt werden. Wir
betrachten jede Verletzung dieser Freiheiten als eine Verletzung der
Menschenrechte und als eine Behinderung des Heiligen Geistes, die Kirche zur Fülle
der Wahrheit zu führen. Die Konferenzteilnehmenden sind überzeugt, dass
Berufungen nicht an Bedingungen wie Geschlecht, Rasse, Familienstand, sexuelle
Orientierung und soziale Herkunft gebunden sind.
Wir beschließen
dass die Konferenz den Papst auffordert, das Verbot der Diskussion über die Frauenordination zurückzunehmen.
dass diese Konferenz die Mitgliedsorganisationen von WOW aufruft, den Dialog mit den Ortsbischöfen, den Ordensleuten, Priestern und Gläubigen über das Thema der Frauenordination in ihrem Zusammenhang mit einer authentischen Nachfolge voranzutreiben.
dass die Konferenz die Leitung der röm.-kath. Kirche dazu aufruft, das Diakonat der Frau wieder einzurichten.
dass diese Konferenz Frauen, die sich dazu berufen fühlen, ermutigt, sich auf das Diakonat und das Priesteramt vorzubereiten und die Einrichtung geeigneter Vorbereitungskurse dort zu unterstützen, wo sie zur Zeit noch nicht bestehen.
dass die Konferenz dazu auffordert, die Sache der Frauenordination voranzutreiben, indem wir alle immer wieder die öffentliche Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenken, durch regelmäßige Demonstrationen, durch einen jährlichen Gebetstag für die Frauenordination am 25. März und durch eine Weltkonferenz alle drei bis fünf Jahre.
dass die Konferenz die Amtsträger und Gläubigen in allen Kirchen dazu aufruft, in Gottesdiensten eine Sprache zu gebrauchen, die zum Ausdruck bringt, dass alle Kinder Gottes die gleiche Würde haben. Sprachliche Bilder für Gott müssen sowohl das Weibliche als auch das Männliche widerspiegeln.
dass diese Konferenz Ludmila Javorova, unsere priesterliche Schwester, und diejenigen Frauen grüßt, die von mutigen Bischöfen in der römisch-katholischen Untergrundkirche in der damaligen Tschechoslowakei geweiht worden sind, und wir bitten den Vatikan, ebenso wie wir die Gültigkeit ihrer Weihen anzuerkennen.
dass diese Konferenz ihren Mitgliedsgruppen vorschlägt, Wege zur finanziellen Unterstützung derjenigen zu schaffen, die ihre berufliche Position verlieren, weil sie sich zur Frauenordination bekennen.
dass die Konferenz die Mitgliedsgruppen von WOW aufruft, diejenigen Frauen und Männer, die wegen ihres Eintretens für die Frauenordination bestraft werden, dazu zu ermutigen, ihre Geschichte zu veröffentlichen und das Handeln des Vatikans in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.
dass die Konferenz WOW vorschlägt, ein E-Mail System zu erstellen, das die Vernetzung derjenigen Gruppen ermöglicht, die für die Frauenordination eintreten.
dass die Konferenz vorschlägt, die lila Stola als internationales Symbol für die Frauenordination anzunehmen.
Von
den Problemen mit einer frauengerechten Sprache in der Kirche
"Ich
bin ganz allergisch, wenn jemand zu mir sagen würde, sie stellt ihren Mann. Und
niemand, der mich auch nur ein bisschen kennt, würde das wagen.
Ich bin also für eine frauengerechte
Sprache. Ich finde sie sehr sehr wichtig. Es ist für mich nicht einzusehen,
wieso Frauen, aber vor allem Männer sagen: Ja, ihr seid ja mit gemeint und das
ist nicht so wichtig und ... Ich war in letzter Zeit in Bozen bei einer
entsprechenden Tagung mit einer Linguistin. Daraufhin waren einige Leserbriefe
und auch in der Presse war einiges zu sehen und zu hören. Da habe ich dann von
Männern, auch von Akademikern, die keineswegs frauenfeindlich sind oder sonst
sich als frauenfeindlich zeigen, gehört, das ist nicht so wichtig. Sie sind
richtig aggressiv geworden, dass da immer die Frau mit angesprochen werden soll.
Ich denke mir, das hat ja auch einen Grund. Ich sage dann in meiner Schule - es
gibt sowieso nur Schülerinnen - und im Lehrerkollegium, wir können dann nur
die weibliche Form verwenden und die Männer sind dann mit gemeint. Das sage ich
immer, wenn die Männer Schüler sagen oder wenn die Männer Lehrer sagen. Wir können
gleich Lehrerinnen sagen und dann sind die Hälfte des Lehrerkollegiums einfach
mit gemeint. Da fällt es ihnen dann auf. Ich bin da ganz heikel.
Außerdem: In der Kirche ist das natürlich auch ein Problem. Ein Mann predigt und x Frauen hören zu. Und dann werden alle als Brüder angesprochen. Das kommt heute in vielen Kirchen immer wieder vor. Auch von Laien, die die Lesung lesen: Sie stehen vorne, mehr als die Hälfte der Kirche ist voll mit Frauen und Laien sagen nur Brüder bei der Lesung. Das finde ich einfach eine Frechheit und es regt mich auf, dass da sich niemand aufregt oder sich fast niemand aufregt. Das müssen wir uns wirklich sehr oft anhören.
Ich finde die Sprache sehr sehr wichtig. Es ist die Grundlage, dass uns etwas überhaupt auffällt. Ich habe zumindest im meinem Haus, wo ich wohne, bei den Gebeten, die wir gemeinsam machen, folgendes eingeführt: Wenn da nur Brüder und Knechte vorkommen wird einfach Schwestern und Mägde oder Kinder oder Söhne und Töchter dazu gesagt. Das ist einfach selbstverständlich. Und wenn ich in der Früh noch so verschlafen bin, wenn es da Söhne heißt, dann wache ich auf."
Tertiarschwester
Klara Rieder, Bozen
RAI - Sender Bozen, Sendung Ping-Pong 14. / 18.12.2001

Darauf wurde in 7 Sprachen die Forderung nach der Weihe von Frauen zu Priesterinnen erhoben. (Bild unten)
Bei der Liturgie hatte es - wie zu erwarten war - Schwierigkeiten mit der italienischen Quästur ergeben. Ich durfte als Südtiroler (mit Freude) vermitteln. Ob wir uns nicht bewusst seien, dass dies eine Provokation für den Vatikan darstelle, meinte ein Beamter. So sei es gedacht, antworteten wir. Nachdem alle Fragen bezüglich Genehmigungen positiv geklärt waren, fragte mich der Quästurbeamte, ob ich wisse, wie der einzige Staat auf der Welt heiße, der mit Mauern umgeben sei? Und er deutete auf den Vatikan. Von einer Beamtin wollten wir wissen, was sie von der Aktion halte. Als Frau sage sie ja dazu, meinte sie.
Robert Hochgruber
