Sexueller Missbrauch
Entschuldigung
von Papst Johannes Paul II.
Papst
Johannes Paul II. hat in seiner Botschaft, die am 22. 11. 2001 erstmals als
E-Mail über Internet verschickt wurde, die Opfer von sexuellem Missbrauch durch
Priester um Vergebung gebeten.
Die
Entschuldigung an Schwestern war im Dokument des Papstes an die Bischöfe
Ozeaniens enthalten. Sie ist die Antwort auf das Abschusspapier der
Ozeaniensynode von 1998.
"Sexueller
Missbrauch durch einige Kleriker hat großes Leid und spirituellen Schaden für
die Opfer verursacht" schreibt der Papst in einem Paragraphen
des 120 Seiten langen Dokumentes.
"Der sexuelle Missbrauch hat sich auf das Leben der Kirche zerstörerisch ausgewirkt und ist zu einem Hindernis für die Verkündigung des Evangeliums geworden" betont der Papst. Diese Entschuldigung ist die letzte in der Serie von Vergebungsbitten. Diese Entschuldigung war offensichtlich eine Antwort auf Vorwürfe aus 23 Ländern der sogenannten Dritten Welt.
Sexueller Missbrauch in der Kirche ist ein grundlegender Widerspruch zu der Lehre und zum Zeugnis von Jesus Christus" schreibt der Papst weiter. Und: "Die Synodenväter wünschten eine uneingeschränkte Entschuldigung gegenüber den Opfern für die verursachten Schmerzen und die Enttäuschung." Die Kirche in Ozeanien würde mit offenen und gerechten Vorkehrungen auf die Vorwürfe antworten, betonte der Papst. Die Kirche sei zu Mitgefühl und echter Hilfe gegenüber den Opfern, deren Familien und der gesamten Gemeinschaft sowie den Tätern verpflichtet.
Nach Reuters, Vatikan, 22. November 2001
Im
März 2001 hatte die größte katholische Wochenzeitung der USA "National
Catholic Reporter" eine Reihe von Berichten über sexuellen Missbrauch an
geistlichen Schwestern und anderen Frauen durch Priester und Bischöfe in
verschiedenen Teilen der Welt veröffentlicht..
Der Vatikan gab zu, dass das Problem bestehen würde. In internen Berichten wurde darauf hingewiesen, dass einige Priester und Missionare Nonnen zu sexuellen Handlungen gezwungen hätten. In einigen Fällen sei es sogar zu Vergewaltigungen und erzwungenen Abtreibungen gekommen. Der interne Bericht verwies auf Fälle in 23 Ländern, darunter die USA, Philippinen, Irland und Papua-Neuguinea. Die Autorin des Berichtes war die Schwester und Physikerin Maura O'Donohue.
Der Bericht war im Februar 1995 dem Vatikan vorgelegt worden. Daraufhin war eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden, um das Problem mit O'Donohue zu studieren. O'Donohue erwähnte z.B. einen Fall, in dem ein Priester eine Schwester zur Abtreibung zwang, bei der sie starb. Er leitete daraufhin die Beerdigung.
Im Juli 2001 protestierten Gruppen von Katholikinnen und Katholiken vor den Vereinten Nationen in New York und anderen Städten. Sie verlangten die Einsetzung einer unabhängigen Kommission, um die Vorwürfe von Gewalt gegen Nonnen von Seiten einiger Priester zu untersuchen.
Seit
Jahren sehen sich Kirchen von Australien bis Frankreich mit einer Welle von
Aufdeckungen von Kindesmissbrauch durch Geistliche konfrontiert. Die meisten Fälle
werden in der katholischen Kirche in der angelsächsischen Welt dokumentiert. In
Ländern wie Kanada, Australien oder Großbritannien hat das Image der
Amtskirche bereits schwer gelitten. Deshalb hat die katholische Kirche in
England und Wales eine - von Nichtkatholiken dominierte, unabhängige -
Kommission unter Lord Nolan eingesetzt. Sie erarbeitete eine detaillierte
Handlungsanweisung, mit welchen neu zu schaffenden Institutionen der
Kindesmissbrauch in Kirchen zukünftig schonungslos zu bekämpfen ist. Der
Leitgedanke: Jedem Verdacht wird rigide nachgegangen. Dies ist zumindest für
ein kirchliches Dokument sehr ungewöhnlich. Die umfangreiche Handlungsanweisung
der Nolan-Kommission wird in England umgesetzt. Dort startete 2002 das "Catholic
Office for the Protection of Children & Vulnerable Adults" seine - von
der Amtskirche unabhängige - Arbeit. Der Nolan-Bericht samt allen wichtigen
Texten und Stellungnahmen hierzu ist im Internet nachzulesen.
KONTAKT: www.nolanreview.org.uk
Publik-Forum, 21.12.2001
Vatikan
strenger mit Pädophilen
Der Vatikan will schärfer als bisher gegen den sexuellen Kindesmissbrauch durch Priester vorgehen. Dazu hat Papst Johannes Paul II. (81) alle Bischöfe in der Welt angewiesen, künftig alle Verdachtsfälle direkt dem Vatikan zu melden. Die innerkirchlichen Ermittlungen soll die Glaubenskongregation unter ihrem Vorsitzenden Kardinal Joseph Ratzinger zentral führen. Ratzinger hat außerdem die Aufgabe, genaue Richtlinien zu erarbeiten, wie die Diözesen mit Pädophilen unter Priestern und Ordensleuten umgehen sollen.
Damit reagiere der Papst auf sich häufende Skandale, berichteten italienische Zeitungen. Er habe sich entschlossen, endlich offensiv gegen das Tabuthema vorzugehen. Kritiker hatten immer wieder moniert, dass Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester von der römisch-katholischen Kirche vertuscht würden. Häufig seien Priester in der Vergangenheit lediglich ermahnt oder versetzt worden.
Die Maßnahmen des Vatikans, die der Papst vor Jahresende anordnete, berühren nicht das Vorgehen von Zivilgerichten gegen Verdächtige. Sie sehen außerdem vor, dass künftig auch sexuelle Vergehen gegen Jugendliche bis zu 18 Jahren von der Kirche verfolgt werden; bisher lag die Altersgrenze bei 16 Jahren. Allerdings wurden keine genauen Strafen festgelegt, hieß es in Rom.
Nach dpa, 7.1.2002