Frauenfragen

Vatikan verbietet Vorbereitungskurse für  Diakoninnen

Seit Jahren ist in manchen Teilen der katholischen Welt die Weihe von Frauen zu Diakoninnen im Gespräch. Dem versucht der Vatikan nun einen Riegel vorzuschieben. Die Glaubenskongregation wies darauf hin, dass die Ordnung der katholischen Kirche die Diakonenweihe für Frauen nicht vorsehe. Daher sei es nicht erlaubt, Initiativen zu unterstützen, die Frauen auf eine mögliche Weihe vorbereiten. In einer vom Papst genehmigte Bekanntmachung heißt es, die Bischöfe sollten dies den Gläubigen erklären und entsprechend handeln. Für die Frauen gebe es andere Weisen, ihr Charisma in der Kirche zum Tragen zu bringen, die dem Lehramt und den Äußerungen von Papst Johannes Paul II. entsprächen.

Außer vom Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger ist das Dokument vom Präfekten für den Gottesdienst, Kardinal Jorge Arturo Medina-Estevez sowie vom Präfekten der Kleruskongregation, Kardinal Castrillon-Hoyos unterzeichnet.

KNA vom 14.9.2001


Der kirchliche Dienst der Frauen verdient die sakramentale Gnade

Die Internationale Bewegung Wir sind Kirche hat in einer Presseaussendung die römische Kirchenführung aufgefordert, die Notifikation, d.h. Verlautbarung vom 14. September 2001 zurückzunehmen. Darin wies der Vatikan die Diözesanbischöfe an, die bereits in einigen Ländern eingeführte Vorbereitung von Frauen zum Weiheamt des Diakonats zu verbieten.

"Wie lange noch wird die römisch-katholische Kirche es zulassen, dass sich einige ihrer Söhne anmaßen, dem Dienst der Frauen in der Kirche auf Grund ihres Geschlechts die Würde und Stärkung durch ein Sakrament zu verweigern?" fragte Elfriede Harth, Sprecherin der Internationalen Bewegung Wir sind Kirche die Bischöfe der Weltkirche.

Frauenarbeit sei das unverzichtbare tragende Element der Kirche. "In vielen Teilen der Welt üben Frauen 80 % der kirchlichen Dienste aus, und in den Bereichen der Diakonie sogar weit darüber hinaus", so Harth. Sie wies darauf hin, dass es weltweit über viermal so viele Ordensschwestern gebe wie Priester und Ordensmänner zusammengenommen. "Und dennoch wagt es die römische Zentrale, über die Köpfe der Bischöfe hinweg die Arbeit von zahlreichen Theologinnen und Theologen zu missachten, die längst jeder angeblichen Rechtfertigung von Sexismus in der Kirche den Boden unter den Füßen weggezogen haben." "Rom sollte das Verbot einer Diskussion über Frauenordination aufheben!" forderte Harth zudem. Nur im Dialog auf Augenhöhe zwischen dem einzelnen Bischof und seiner Ortskirche werde das Amt in der Kirche den heutigen Anforderungen gerecht.

Die Internationale Bewegung Wir sind Kirche (IMWAC) hofft, dass sich die Bischöfe der urkatholischen Leitungsprinzipien der Subsidiarität und der Kollegialität besinnen, und sich nicht mehr von Rom in ihre pastorale Arbeit vor Ort hineinreden lassen. Die Frauenfrage nimmt in der Bewegung Wir sind Kirche einen breiten Raum ein. Wege zur Überwindung jahrhundertlanger Diskriminierung, Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen in der Kirche sollen gemeinsam gefunden werden.


"Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter  Mann." Dieser Canon 1024 des Kirchenrechtes, der die Frauenordination verbietet, ist ein Hindernis für die göttliche Gnade. Die Kirche hat die Autorität, Frauen zu ordinieren (Matt 16,19; 18,18). 

Lasst uns beten und arbeiten für die Frauenordination.
"Regina apostolorum,
ora pro nobis."

Befreiungstheologe Luis T. Gutierrez


Frauen und Laien als Papst-WählerInnen?

Das angesehene italienische Kirchenblatt "Famiglia Cristiana" hat ein Jahrhunderte altes Tabu gebrochen. Eines Tages könnten auch Frauen und Laien im Konklave den neuen Papst wählen, schrieb das Blatt bereits im Mai des vergangenen Jahres. Der Aufruf zu einer "ernsthaften Diskussion darüber" erregte in Rom erhebliches Aufsehen.

"Das ist theologisch absolut möglich", sagte ein Kirchenexperte. "Nur das Priestertum ist an das Mannsein gebunden." Der letzte Kardinal ohne Priesterweihe sei vor über 100 Jahren der Deutsche Theodulf Mertel (1806-1899) gewesen. Das Tabu brach Presseberichten zufolge der angesehene italienische Theologe Don Severino Dianich. Nichts spreche dagegen sich vorzustellen, schreibt er, "dass eines Tages nicht geweihte Frauen und Männer an der Papst-Wahl teilnehmen können". Das Kardinalskollegium sei keine "sakramentale Institution", argumentiert der Theologe. Es könne deshalb auf Anordnung eines Papstes oder eines Konzils "neue Formen" annehmen.

Derzeit sind nur die weltweit 134 Kardinäle unter 80 Jahren wahlberechtigt und damit die "Papst-Macher" der Zukunft.

dpa vom 9.5.2001