Meinungen zum Krieg

Was Südtiroler Persönlichkeiten zum Kriegseintritt Italiens sagten

"Mit militärischen Mitteln löst man keine sozialen, kulturellen oder auch religiösen Probleme", ist Generalvikar Josef  Matzneller überzeugt. "Einerseits", betont Matzneller, "ist der Terror nicht gerechtfertigt, andererseits soll man ihn aber auch nicht mit militärischen Mitteln bekämpfen - denn damit gelingt es auch nicht, die Anschauung, die dahintersteckt, zu ändern." "Krieg und Rache sind kein geeigneter Weg", unterstreicht Maria-Theresia Unterkircher-Peintner, Vorsitzende der Organisation für eine solidarische Welt (OEW). Gleich zu Beginn der militärischen Aktion habe ihre Organisation Unterschriften gesammelt. "Wir sind vielmehr für den Weg des Dialogs und des Neubeginns."
"Soldaten",  hebt Caritasdirektor Franz Kripp hervor, "sind dafür da, das heimische Feld zu schützen - und das ist in diesem Fall nicht gegeben." Man könne also nicht mehr von "Verteidigung", sondern müsse von  "Krieg" sprechen. "Jetzt geht es auch darum, dass über unsere Parlamentarier in Rom eine negative Haltung dazu zum Ausdruck kommt.“ Soldaten, die zum Einsatz in Afghanistan gerufen würden, sollten sich überlegen, ihren Dienst zu quittieren, sagt Kripp. "Italien als Nato-Mitglied", unterstreicht Landeshauptmann Luis Durnwalder, "muss die getroffenen Vereinbarungen und Verpflichtungen einhalten". Was den Einsatz von Soldaten betreffe, sollten nur Berufssoldaten eingesetzt werden, hebt der Landeshauptmann hervor: "Ich würde mich mit aller Kraft wehren, wenn Südtiroler, die den normalen Militärdienst ableisten, gegen ihren Willen nach Afghanistan geschickt würden."

 

Auge um Auge - Zahn um Zahn

Es ist für alle Friedliebenden eine äußerst schmerzliche Erkenntnis, dass dieses alte, primitive Konfliktmuster sich immer wieder, immer noch behauptet. Was ist an einer Gesellschaft fortschrittlich, wenn sie unter "Wachstum" nicht auch jenes an Weisheit und zivilem Ungehorsam meint? Was hat sie denn beispielsweise bewirkt, die hier allerorts und seit langem gekannte Botschaft eines Jesus von Nazareth, von der grundsätzlichen und bedingungslosen Gewaltfreiheit und der Überwindung des Racheprinzips "Auge um Auge, Zahn um Zahn"? ...

Ob wir uns nun der Sache Jesu verpflichtet fühlen oder nicht, es muss dem Terrorismus wie dem Krieg auch nur die geringste Legitimation verweigert werden. ... Keine Sache kann so gerecht und gut sein, um als Rechtfertigung für Terrorakte oder Krieg gelten zu können.

Zu den Geschäftspartnern der italienischen Waffenindustrie zählen unter anderem allerärmste Länder wie etwa Bangladesch, Indonesien, Eritrea. Auch mit Ländern, welche für ihre Menschenrechtsverletzungen bekannt sind, werden Waffengeschäfte gemacht. So gingen italienische Waffen nach Saudi Arabien, China, Kolumbien, Pakistan, Türkei. Im Jahr 1998 erfolgten belegte Bankbuchungen für offizielle italienische Waffenexporte in Höhe von 1.236 Milliarden Lire. Während sich Italien den Krieg gegen den Irak und nun jenen gegen Afghanistan einiges kosten lässt, scheint man sich auch die kümmerlichsten Überreste einer in den vergangenen Jahren abgewürgten Entwicklungszusammenarbeit nicht mehr leisten zu können. Solch ungeheure Widersprüchlichkeiten lassen wenig politischen Willen erkennen, die internationalen Krisen wirklich und grundlegend zu entschärfen. Die völkerverbindende Zusammenarbeit darf nicht den Militärstrategen und Machtpolitikern überlassen werden. Diese sind nämlich immer noch dem primitiven Prinzip "Auge um Auge, Zahn um Zahn" verhaftet. Statt dessen gilt es, alle Möglichkeiten auszuloten, um die wirklich Armen, Friedensstiftenden und Sanftmütigen zu unterstützen. Allerorts. Nur im Zusammenwirken mit diesen Kräften besteht Aussicht auf gerechtere, friedvollere Beziehungen unter Zeitgenossen.

Josef Gruber, Burgeis
OEW - Rundbrief,
Dezember 2001


Ein Leben ohne Hoffnung kann ich mir kaum vorstellen. Was die Zukunft der Welt angeht, so gibt es eine bunte Palette der Möglichkeiten, von den schlimmsten bis zu den besten.

Was geschehen wird, weiß ich nicht. Die Hoffnung zwingt mich zu glauben, dass die besseren Alternativen die Oberhand behalten, und vor allem zwingt sie mich, etwas zu tun, damit sie eintreten.

Vaclav Havel