Die
neuen Pfarrgemeinderatsstatuten kritisch betrachtet
Im
Herbst 2001 hat die Diözesanleitung die überarbeiteten Statuten des
Pfarrgemeinderates (PGR) veröffentlicht. Der Vorstand der Initiativgruppe für
eine lebendigere Kirche bedauert sehr, dass darin keine wesentlichen
Fortschritte in Richtung Mitentscheidung der Laien erreicht werden konnten. Eine
Abmilderung des Beratungscharakters des PGR hat nur sprachlich stattgefunden. In
Wirklichkeit ist auch in den neuen Statuten nach wie vor das Vetorecht des
Pfarrers bei Beschlüssen des PGR erhalten geblieben. Der Seelsorger nimmt nämlich
nicht an den Abstimmungen teil und kann nachher erklären, ob er den Beschluss
akzeptiert oder nicht. Auch die Errichtung der Schiedskommission stellt keinen
Fortschritt dar, da auch bei ihren Entscheidungen das letzte Wort beim Diözesanbischof
liegt. Dies alles widerspricht dem heutigen demokratischen Empfinden eines Großteils
der Gläubigen und stellt eine Ausrichtung auf den Priester dar, die eine echte
gemeinsame Verantwortung aller in der Kirche in Frage stellt.
Der
Vorstand der Initiativgruppe hatte gemeinsam mit dem kath. Forum einen
Kompromissvorschlag eingereicht. Das Vetorecht des Pfarrers, auch wenn davon
kaum Gebrauch gemacht wird, sollte nur in Glaubensfragen, nicht aber in
organisatorischen Fragen erhalten bleiben. Außerdem sollte der Pfarrer wie alle
anderen Mitglieder bei den Entscheidungen mitabstimmen. Diese Vorschläge wurden
schon in der Arbeitsgruppe abgelehnt, da die Diözesanleitung kein
Entgegenkommen signalisiert hatte.
Auf
Widerstand stößt beim Vorstand der Initiativgruppe außerdem, dass der Pfarrer
50 % der Mitglieder des Vermögensverwaltungsrates bestimmen kann. Auch hier
wird deutlich, dass die Mitverantwortung der Laien nicht wirklich ernst genommen
wird und dass die Priesterschaft kaum bereit ist, ihren bisherigen
privilegierten Status aufzugeben, auch wenn er nicht mehr der heutigen Zeit
entspricht.
Die
Wahlbeteiligung bei den letztjährigen Pfarrgemeinderatswahlen ging um 10 % von
51 auf 41 % zurück. Außerdem hatten einige Pfarreien große Schwierigkeiten,
überhaupt genügend Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahlen zu finden. In
einigen großen Pfarreien hat deshalb auch keine Wahl stattgefunden. Auf diesem
Hintergrund wäre es um so dringender gewesen, das PGR-Statut so abzuändern,
dass die Laien mehr Mitverantwortung und damit mehr Motivation für die
Mitarbeit erhalten, glaubt der Vorstand.
Mit der Überarbeitung der PGR-Statuten ist erneut eine Forderung aus dem Kirchenvolksbegehren von 1995, nämlich die echte Mitentscheidung aller Gläubigen, unberücksichtigt geblieben. Der Vorstand der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche legt trotzdem den Mitgliedern der Pfarrgemeinderäte nahe, sich nicht entmutigen zu lassen, die Mitentscheidung konkret einzufordern und auf eine demokratische Kultur zu bestehen.
Eine
heilige Kühnheit
müssen
wir haben,
denn
den Mutigen hilft
Gott
ohne
Ansehen der Person
Te
"Nur
dass ihr wisst, das letzte Wort habe ich!" Das war der Ausspruch eines
Pfarrers in den 70er Jahren, als der Pfarrgemeinderat neu eingeführt wurde.
Diese Einstellung ist bis heute erhalten geblieben und findet ihren Niederschlag
nach wie vor in den überarbeiteten Statuten des Pfarrgemeinderates. Es tut mir
leid, das sagen zu müssen. Wir
haben es auch heute noch mit einer priesterzentrierten Kirche zu tun, auch wenn
die Struktur in einer großen Krise ist und nur mehr mit Mühe von einigen
wohlwollenden Laien und alten Priestern aufrecht erhalten werden kann.
Das
Vetorecht wird von den Pfarrern praktisch nie in Anspruch genommen, höre ich
oft als Vorwurf. Ich frage umgekehrt: Warum wird es dann so sehr verteidigt? Als
ich in der Arbeitsgruppe den Kompromissvorschlag erläutert habe, antwortete man
mir von Seiten der Priester: "Dann hätten die Pfarrer ja nichts mehr zu
sagen". Ich frage mich, wie viele engagierte Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der Kirche noch den Rücken kehren müssen, bis die Kirchenleitung
einsieht, dass wir in einer demokratischen Gesellschaft leben, der sich
auch die Kirche nicht entziehen darf.
Für heute bleibt meiner Meinung nach nur der zivile Ungehorsam: Mit Selbstbewusstsein Konsens zu suchen, aber auch auf demokratische Abstimmungen zu bestehen.
Robert
Hochgruber