Leserbriefe

Gilt das Wort Gottes?

Normal halten wir ein geschriebenes Wort für gültig, "hieb und stichfest", also ganz und gar vertrauenswürdig. Nun stand in "Impulse" vom Oktober 2001 auf Seite 3: "Alle Ämter, einschließlich des Diakonats, des geweihten Priestertums, des Episkopats und des Papsttums sollten allen getauften Katholikinnen und Katholiken, männlich oder weiblich, verheiratet oder alleinstehend, schwul oder 'straight', jung oder alt, allen Rassen, Sprach- und ethnischen Gruppen offen stehen." Der denkende Mensch fragt hier nicht nur, welche Aufgabe "dem geweihten Priestertum, dem Episkopat und dem Papsttum" zusteht, sondern ganz besonders, ob Gott den Menschen als Mann und Mann erschaffen hat, als "schwul oder 'straight"', oder nicht vielmehr als "Mann und Frau"?

Des weiteren meint der anonyme Autor von "Abschlussdokument der Kirchenvolkssynode": "Frauen sind den Männern sowohl in ihrer menschlichen Natur als auch in der Gnade gleich. Ihnen die Gleichheit zu verweigern ist eine Form von Gewalt und eine Beschränkung des Gottesbildes." Dieser Autor meint also, dass die Frauen den Männern in der menschlichen Natur gleich seien. Da greift man sich wirklich auf den Kopf. Was "Gnade" bedeutet, weiß er offenbar auch nicht. Jemandem "gnädig" sein, verdeutlicht den Ausdruck. Wenn er von "Beschränkung des Gottesbildes" redet, meint er offenbar die Gottesebenbildlichkeit, ohne zu bedenken, dass diese in der Auszeichnung mit Erkenntnisfähigkeit, Willen und Freiheit besteht und sonst in gar nichts!

Völlig unverständlich vertritt der Autor: "Geschieden Wiederverheirateten sollte es möglich sein, die Kommunion zu empfangen, künstliche Verhütung sollte erlaubt sein und Schwule und Lesben sollten vollständig im Leben der Kirche willkommen sein". Erstens muss hier das verhängnisvolle Missverständnis der "Kommunion" angeprangert werden, weil nämlich "Kommunion" Gemeinschaftsbekundung besagt, welche den Einsatz für das gewusste Gerechte und Wahre laut Lehre Jesu verlangt, was leider nie erfolgt. Die "künstliche Verhütung" übersieht die mögliche natürliche Verhütung. Und die Betonung "Schwule und Lesben" vergisst wieder, dass  Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen hat, nicht als erkrankte "Schwulen und Lesben"!

"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibe". Diese Stelle aus Genesis 2 in der Überschrift interpretiert Peter Prügelhof homosexuell mit seiner Erklärung: "Diese Hilfe, die ihnen entspricht, finden homosexuelle Menschen in einem Menschen des gleichen Geschlechts; eine Hilfe, die auch in gegenseitigen Rechten und Pflichten ihren Ausdruck findet." Prügelhof übersieht hierbei leider den Vers 22 von Genesis 2: "Die Rippe, die Gott der Herr dem Adam weggenommen hatte, gestaltete er zu einer Frau und führte sie Adam zu." Die Rippe steht natürlich für "Brustkorb". Und es ist wohl klar, dass der Mann ohne die Frau als stützenden Brustkorb wie ein leerer Sack zusammenbrechen würde.  Also hat Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen. Gilt noch das Wort Gottes?

Josef Oberrauch, Bozen


Ein Bärendienst an Kirche und Gemeinden

Zu den Aussagen von Johannes Paul II. vor der Kleruskongregation, Laien könnten Pfarrer nicht ersetzen (kathpress vom 26./27.11.2001)

Dem Heiligen Vater sei Dank,

... dass er einmal mehr allen nicht geweihten Gläubigen von höchster Stelle bescheinigt, sie hätten im Grunde in ihren Gemeinden nichts zu melden. Wo kämen wir auch hin, wenn Katholikinnen und Katholiken wirklich ernst machen mit ihrer Berufung und auf Grund ihrer Taufe und Firmung in der Kirche Verantwortung übernehmen?

... dass er einmal mehr die Mitarbeit der Laien in den Gemeinden einfordert und zugleich betont, Entschei­dungen könnten aus­schließlich von Priestern getroffen werden. Wo kämen wir auch hin, wenn Laien sich anmaßen, auch noch mit entscheiden zu wollen, was sie direkt betrifft – schließlich verlangen sie ja oft nicht einmal Geld für ihren Dienst!

... dass er einmal mehr feststellt, nur ein vorhandener Priester sei ein wesentliches Kriterium für die Seelsorge (bisher dachte ich, dies sei Auftrag für alle Getauften). Wo kämen wir auch hin, wenn ungeweihte Frauen und Männer Seelsorge betreiben und das Leben einer Gemeinde aufrecht erhalten!

... dass er einmal mehr das Gebet um Berufungen einfordert, während er die Berufungen, die es gibt, nicht sehen will, sofern diese nicht ins Kirchenrecht passen. Wo kämen wir auch hin, wenn Gebet nicht mehr als Alibi missbraucht würde? Gott zu bitten, das Seine zu tun kann uns doch nicht davon entbinden, auch das Unsere zu tun!

... dass er auch endlich einmal sagt, durch eine Entmachtung (!) des Pfarrers (ich dachte bisher, dieses Amt sei Dienst) verliere eine Gemeinde ihren eigentlichen Charakter. Wo kämen wir auch hin, wenn in unserer Kirche endlich Jesu Mahnung an seine Jünger ernst genommen würde, dass nur einer unser Vater ist – der im Himmel – und wir alle Schwestern und Brüder?

... dass er rechtzeitig vor den kommenden Pfarrgemeinde­ratswahlen klar stellt: Diese Gremien haben nur beratenden Charakter. Wo kämen wir auch hin, wenn sich Jugendliche, Frauen und Männer motivieren lassen (ein äußerst mühsames Unterfangen!), aktiv am Gemeindeleben teilzunehmen, und dann auch noch Verantwortung, Kompetenz und Entscheidungskraft haben wollen?

Jesus Christus, das Haupt der Kirche, kann berufen wen er will und wie er will – nur nicht gegen den Willen des Oberhauptes. Wer es fassen kann, der fasse es!

Ingrid Thurner
Stv. Vorsitzende und Geschäftsführerin
der Plattform „Wir sind Kirche“