Die
Hutterer in Tirol
Interessantes zur Geschichte des Täufertums bis heute
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Werner
O. Packull Die
Hutterer in Tirol Frühes
Täufertum in der Schweiz, Aus dem Englischen übersetzt von A. v. Schlachta Schlern-Schriften 312, 2000, 391 Seiten, 83.000 Lire = 42,87 Euro |
In Tirol mit der Todesstrafe bedroht, flüchteten viele Huttererfamilien in den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts nach Mähren und als auch dort die Verfolgungen einsetzten, noch weiter nach Osten. Im 18. Jahrhundert kamen sie bis in die Walachei und nach Südrussland.
1874 schiffte sich eine Gruppe von 250 Personen schließlich nach Amerika ein: Heute leben in Kanada und in den Vereinigten Staaten etwa 33.600 Hutterer in rund 380 kleinen Brudergemeinden.
Die Hutterer gehören zur religiösen Bewegung der Täufer, die in der Reformationszeit in Tirol weit mehr Anklang fand als die Lehren Martin Luthers: Schätzungen sprechen von über 20.000 Anhängern. Ihr Name geht auf den Pustertaler Täufervorsteher Jakob Huter zurück, der 1536 vor dem Goldenen Dachl in Innsbruck auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.
W. 0. Packulls Forschungen dokumentieren nicht nur das schwere Schicksal der hutterischen Gemeinde von ihren Anfängen bis zum zumeist gewaltsamen Ende ihrer bedeutendsten Vertreter. Sie betten die Geschehnisse auch in die frühe Geschichte des Täufertums im gesamten deutschsprachigen Raum und in Mähren ein, führen in das Leben und die Lehre der übrigen Täufervorsteher ein und arbeiten Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen den verschiedenen Gruppierungen heraus. Auch unter den Anführern der Täufer gab es Meinungsverschiedenheiten und Rivalitäten, und ihre Anhänger, die für den Glauben ihre Heimat, Hab und Gut aufgegeben hatten, sahen sich in der Fremde mehrfach heftigen Spannungen und Zerreißproben ausgesetzt. Die Umsetzung der theoretischen Vorstellungen in das praktische Leben der Gemeinschaft erwies sich als schwierig und war auch von Enttäuschungen und Zweifeln geprägt.
Besonders
anschaulich zeichnet der Verfasser die unerbittliche Verfolgung der "verdammten,
schädlichen Sekte" unter König Ferdinand I nach. Dabei werden auch die
Schicksale der bedeutendsten Gefährten Huters dokumentiert, so jenes des ersten
hutterischen Schulmeisters Jeronimus Käls, der noch im Gefängnis seinen
Glauben weiterzugeben suchte und 1536 in Wien auf dem Scheiterhaufen verbrannt
wurde, und die Tätigkeit und der besonders grausame Feuertod des begabten
bayerischen Täufers Onophrius Griesinger 1538.
Ein halbes Jahrhundert nach den Arbeiten von F. Kolb und E. Widmoser über die Hutterer hat W. O. Packull ein Standardwerk vorgelegt, das in einer breit angelegten Zusammenschau die Anfänge des Täufertums auf dem Hintergrund der neuesten Forschungen beleuchtet.