Die Hutterer in Tirol

Interessantes zur Geschichte des Täufertums bis heute

Im Februar vor 466 Jahren starb Jakob Hutter wegen seines Glaubens auf dem Scheiterhaufen vor dem Goldenen Dachl in Tirol. Ein Anlass sich über die Geschichte und die heutigen Nachfolger zu informieren. Ein offizieller Akt der Aussöhnung mit seinen Nachkommen ist geplant, der Zeitpunkt dafür noch offen.

Werner O. Packull

Die Hutterer in Tirol

Frühes Täufertum in der Schweiz,
Tirol und Mähren

Aus dem Englischen übersetzt von A. v. Schlachta

Schlern-Schriften 312, 2000, 391 Seiten,

83.000 Lire = 42,87 Euro

In Tirol mit der Todesstrafe bedroht, flüchteten viele Huttererfamilien in den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts nach Mähren und als auch dort die Verfolgungen einsetzten, noch weiter nach Osten. Im 18. Jahrhundert kamen sie bis in die Walachei und nach Südrussland.

1874 schiffte sich eine Gruppe von 250 Personen schließlich nach Amerika ein: Heute leben in Kanada und in den Vereinigten Staaten etwa 33.600 Hutterer in rund 380 kleinen Brudergemeinden.

Die Hutterer gehören zur religiösen Bewegung der Täufer, die in der Reformationszeit in Tirol weit mehr Anklang fand als die Lehren Martin Luthers: Schätzungen sprechen von über 20.000 Anhängern. Ihr Name geht auf den Pustertaler Täufervorsteher Jakob Huter zurück, der 1536 vor dem Goldenen Dachl in Innsbruck auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

W. 0. Packulls Forschungen dokumentieren nicht nur das schwere Schicksal der hutterischen Gemeinde von ihren Anfängen bis zum zumeist gewaltsamen Ende ihrer bedeutendsten Vertreter. Sie betten die Geschehnisse auch in die frühe Geschichte des Täufertums im gesamten deutschsprachigen Raum und in Mähren ein, führen in das Leben und die Lehre der übrigen Täufervorsteher ein und arbeiten Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen den verschiedenen Gruppierungen heraus. Auch unter den Anführern der Täufer gab es Meinungsverschiedenheiten und Rivalitäten, und ihre Anhänger, die für den Glauben ihre Heimat, Hab und Gut aufgegeben hatten, sahen sich in der Fremde mehrfach heftigen Spannungen und Zerreißproben ausgesetzt. Die Umsetzung der theoretischen Vorstellungen in das praktische Leben der Gemeinschaft erwies sich als schwierig und war auch von Enttäuschungen und Zweifeln geprägt.

Besonders anschaulich zeichnet der Verfasser die unerbittliche Verfolgung der "ver­dammten, schädlichen Sekte" unter König Ferdinand I nach. Dabei werden auch die Schicksale der bedeutendsten Gefährten Huters dokumentiert, so jenes des ersten hutterischen Schulmeisters Jeronimus Käls, der noch im Gefängnis seinen Glauben weiterzugeben suchte und 1536 in Wien auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, und die Tätigkeit und der besonders grausame Feuertod des begabten bayerischen Täufers Onophrius Griesinger 1538. 

Ein halbes Jahrhundert nach den Arbeiten von F. Kolb und E. Widmoser über die Hutterer hat W. O. Packull ein Standardwerk vorgelegt, das in einer breit angelegten Zusammenschau die Anfänge des Täufertums auf dem Hintergrund der neuesten Forschungen beleuchtet.