Seelsorgeplan
2002 – 2012 in Diskussion
Die
Diözesanleitung hat im Oktober 2001 die Vorschläge zum neuen Seelsorgeplan
2002 - 2012 vorgelegt.
Dabei
wurde aufgezeigt, dass die Zahl der Diözesanpriester in den kommenden 10
Jahren voraussichtlich um 39% von derzeit 285 auf 174, die Zahl der
Ordenspriester um 24% von 170 auf 129 zurückgehen werde. Diesen Zahlen liegt
die Annahme zugrunde, dass jährlich zwei Diözesanpriester und zwei
Ordenspriester geweiht werden. Für die Pfarrseelsorge
werden somit im Jahr 2012 vermutlich insgesamt 180 Priester (165 Pfarrer und 15
Kooperatoren) zur Verfügung stehen - gegenüber 210 Pfarrern und 34
Kooperatoren derzeit. Südtirol hat 280 Pfarreien.
Was
tun?
Die
Diözesanleitung hat Richtlinien für den Einsatz der Priester, der ständigen
Diakone und der Laientheologinnen und Laientheologen vorgeschlagen. Priester
sollen demnach vorrangig mit Aufgaben betraut werden, die an die Priesterweihe
gebunden sind. Seelsorgseinheiten sollen gebildet werden. Sie bestehen aus einer
großen Einzelpfarrei, zwei oder drei Pfarreien mit einem einzigen Pfarrer oder
einem Pfarrverband. Die Verantwortung für die Wahrnehmung der Seelsorgsaufgaben
kann entsprechend dem Kirchenrecht (Can. 517
§ 2) auch an Laien übertragen werden. Die Richtlinien für den Einsatz
der ständige Diakone sind gleichgeblieben, d. h. die Diakone können fast nur
ehrenamtlich tätig sein. Die Laientheologinnen und –theologen sollen in größeren
Pfarreien über 3.500 Einwohnern angestellt werden, wie auch schon die
Leitlinien der Pastoral vorsehen.
Was
ist neu an diesen Vorschlägen? Kaum etwas. Es wird der Priestermangel
verwaltet. Die Probleme werden auf die Pfarreien abgewälzt. Und es bleibt die
Frage, wie ernst die kirchlichen Verantwortlichen die viel beschworene
gemeinsame Verantwortung in der Seelsorge wirklich nehmen.
Der
Vorstand der Initiativgruppe hat sich eingehend mit der derzeitigen Situation
und den diözesanen Vorschlägen befasst und eine Stellungnahme (siehe
Seite 2 bis 4) verabschiedet. 10 Vorschläge wurden erarbeitet. Die
Pfarrgemeinderäte, die diözesanen Verantwortlichen und Gremien werden nun
ersucht, sich damit auseinanderzusetzen und das Brauchbare davon in ihre Lösungsvorschläge
einfließen zu lassen. Alle Christinnen und Christen sind aufgerufen, ihre
Meinung zu äußern, um so an der Gestaltung der Seelsorge mitzuwirken.
Die
Diözesanleitung hat bei der Vorstellung des Hirtenbriefes „Seelsorge in
gemeinsamer Verantwortung“ und der Vorschläge zum Seelsorgeplan 2002 - 2012
den derzeitigen und sich drastisch verstärkenden Priestermangel deutlich
aufgezeigt. Der Vorstand der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche begrüßt,
dass die Situation offen gelegt wurde. Die Vorschläge zur Behebung der
Personalnot in der Seelsorge scheinen uns ein erster Schritt zu sein. Sie sind
allerdings unserer Meinung nach nicht ausreichend und müssen dringend
konkretisiert und ausgebaut werden, um den Priestermangel in den Pfarreien
wenigstens abzumildern und eine echte Mitverantwortung der Laien zu erreichen.
Wir haben den Eindruck, dass derzeit die Probleme auf die Pfarreien abgewälzt
werden, ohne dass diese in die Lage versetzt werden, konkrete Lösungen durchzuführen.
Selbst
der Vorstand des Katholischen Forums hat öffentlich davon gesprochen, dass
„eine grundsätzliche Verhaltensänderung in unserer hierarchisch geprägten
Kirche“ notwendig sei und dass „die Worte noch nicht mit den Taten übereinstimmen“.
Das Katholische Forum verlangt, die Laien „in die Entscheidungen
einzubeziehen“ und weist darauf hin, dass sich „viele Laien aus der aktiven
Arbeit zurückgezogen“ haben, da
sie das Vertrauen von Seiten der Priester nicht spüren.
Der Vorstand der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche unterbreitet
hiermit den Pfarreien, den Gremien und Verbänden auf Diözesanebene sowie der Diözesanleitung die folgenden Feststellungen und Änderungsvorschläge
und ersucht um Berücksichtigung:
Pastoralassistentinnen
und –assistenten durch DIUL anstellen: Die
derzeitige Regelung zur Einstellung von Pastoralassistentinnen und –assistenten
durch die Pfarreien ist für Laien, die in einen hauptamtlichen Dienst
treten wollen, nicht annehmbar. Die Pfarreien müssen derzeit nämlich den
größten Teil des Gehaltes aufbringen. Dadurch stehen die Laien zudem unter
einem starken pfarrlichen Druck. Aus diesen Gründen haben bisher fast keine
Laien hauptamtliche Dienste in den Pfarreien übernommen. Durch die jetzige
Regelung hat z.B. nur eine Pfarrei eine Frau hauptamtlich angestellt, die übrigen
sechs von der Diözesanleitung aufgezählten Pastoralassistentinnen sind
entweder zusätzlich im Religionsunterricht tätig oder in Pension.
Wir
schlagen vor, dass die Laien ähnlich wie die Priester von einem neu zu
schaffenden Diözesanen Institut für den Unterhalt
der Laien (DIUL) bezahlt
werden und die Pfarreien
einen Beitrag leisten (bis zu einem Drittel der Gesamtkosten). Dadurch würden
die Pfarreien entlastet. Die Höhe der Entlohnung der Laien müsste sich nach
Ausbildung und Tätigkeit richten. Die für das DIUL nötigen Geldmittel müssten
aus dem Budget der Diözese bestritten werden. Bei Abnahme der Anzahl der
Priester könnten zudem freiwerdende Gelder für Laien zweckbestimmt werden.
Seelsorgseinheiten sind keine Lösung: Die geplante Einteilung in Seelsorgseinheiten, denen die zur Verfügung stehenden Priester zugewiesen werden, scheint uns nur ein Abschieben der Probleme auf die Pfarreien zu sein. Die Pfarreien sind überfordert, die Probleme im Zusammenhang mit dem Priestermangel zu lösen. Die Diözese müsste zuerst die Rahmenbedingungen für die Anstellung hauptamtlicher Laien schaffen, z.B. durch die Einrichtung des DIUL.
Ständige Diakone hauptamtlich einsetzen: Die verheirateten ständigen Diakone sind derzeit fast ausschließlich ehrenamtlich tätig. Es wäre sinnvoll, sie verstärkt in der Seelsorge in Pfarreien ohne Priester am Ort einzusetzen. Dann müssten sie allerdings hauptamtlich oder in Teilzeit angestellt und bezahlt werden. Dies sollte nach einer Änderung der geltenden Bestimmungen durch das Diözesane Institut für den Unterhalt des Klerus (DIUK) geschehen. Derzeit könnten Diakone aber auch aus dem allgemeinen Budget der Diözese finanziert werden.
Beschäftigung von verheirateten Priestern: Es gibt in der Diözese eine größere Anzahl von verheirateten Priestern, die ihr Amt nicht ausüben können. Viele wären bereit, seelsorgliche Aufgaben zu übernehmen. Wir schlagen vor, diese Personen ähnlich wie Laien in den Dienst zu nehmen.
Pfarrverantwortliche nach Kanon 517 § 2: Die Bestellung von Laien in Anlehnung an Kanon 517 § 2 des Kirchenrechtes wird begrüßt. Allerdings müssen die Laien in einer annehmbaren Weise angestellt und besoldet werden, ansonsten wird die Bereitschaft zur Mitarbeit von Laientheologinnen und -theologen gering sein.
Pfarrteams mitentscheiden lassen: Wenn Pfarrteams ehrenamtlich mit der Seelsorge beauftragt werden, ist darauf zu achten, dass sie eine entsprechende Mitentscheidung erhalten und die Pfarrseelsorger zu einer echten Zusammenarbeit bereit sind. Laien soll zudem als Entlastung für die Pfarrer verstärkt die Verantwortung für die Verwaltung in Pfarreien mittels „Procura notarile“ übertragen werden.
Einsatz von männlichen Orden abgelehnt: Es ist die Tendenz feststellbar, wegen des Priestermangels die männlichen Orden verstärkt mit seelsorglichen Aufgaben zu betreuen. Wir lehnen dies ab, da dadurch die Orden ihrer eigentlichen Aufgabe nicht mehr nachkommen können. Davon ausgenommen sind jene Orden, die schon immer in der Pfarrseelsorge tätig waren.
Pensionierung der Pfarrer mit 65 Jahren: Das Anrecht der Priester auf Pensionierung mit normalerweise 70 Jahren, wie die Diözesanleitung vorschlägt, erscheint uns in der heutigen Zeit nicht annehmbar. Das Pensionsalter für Männer liegt nämlich allgemein bei 65 Jahren. Die Tatsache, dass das Pensionsalter für Priester immer weiter hinaufgesetzt wird, ist ein Zeichen dafür, dass am gesamten System etwas nicht stimmig ist. Wir schlagen vor, dass die Pfarrer mit 65 Jahren frei entscheiden können, ob sie in Pension gehen wollen oder weiterhin arbeiten möchten. Wenn ja, sollen sie durch voll- oder teilzeitlich angestellte Laien entlastet werden.
Vorzug der Frauen: Bei den Richtlinien für die Einstellung von Hauptamtlichen soll bei gleicher Ausbildung und Kompetenz Frauen der Vorzug gegeben werden. Zusätzlich sollte die Diözesanleitung zusammen mit den diözesanen Gremien und Verbänden eine Bitte an die Kirchenleitung in Rom richten, Frauen zu ständigen Diakoninnen weihen zu können. Diese Signale wären notwendig, da Frauen nach wie vor die Hauptarbeit in den Pfarreien leisten, meist Gleichberechtigung erwarten und sich eine Anerkennung ihrer Kompetenz und Tätigkeit verdienen würden, aber in Ämtern und hauptamtlichen Tätigkeiten meist unterrepräsentiert sind, außer im Religionsunterricht.
Abänderung der überarbeiteten Pfarrgemeinderatsstatuten: Die Verantwortung der Laien für die Seelsorge wird darin durch die Aufrechterhaltung des Vetos des Pfarrers und die Tatsache, dass er bei den Beschlüssen des Pfarrgemeinderates nicht mitstimmt, stark eingeschränkt und lässt an den Absichten der Diözesanleitung für eine echte gemeinsame Verantwortung für die Seelsorge zweifeln. Wenn das ernst gemeint ist, muss sich dies auch in Statuten der Gremien auf Pfarrebene widerspiegeln, ansonsten wird dadurch die Motivation für die Mitarbeit der Laien beeinträchtigt.
Der
derzeitige Vorschlag des Seelsorgeplanes legt den Schwerpunkt auf die
Abmilderung des Priestermangels. Ein Plan für die Seelsorge sollte aber die
Ziele der Seelsorge definieren und dann Überlegungen anstellen, mit welchem
Personal eine zeitgemäße Seelsorge stattfinden soll.
Wir
haben den Eindruck, dass mit dem Vorschlag des Seelsorgeplanes nur an den
Symptomen herumkuriert, aber nicht auf die wirklichen Ursachen des
Priestermangels eingegangen wird. Es werden auch keine langfristigen Änderungsvorschläge
unterbreitet.
Im
Kirchenvolksbegehren von 1995 wurden durch die Forderung nach Freistellung des Zölibates
und nach der Diakonats- und Priesterweihe von Frauen neue Wege aufgezeigt, um
einen Beitrag zur Behebung des Priestermangels zu leisten. Wir sind überzeugt,
dass die Kirche heute anders dastehen würde, wenn diese Forderungen in die Tat
umgesetzt worden wären.
Der
Vorstand der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche, 11. Dezember 2001
Nach
der Verlesung des Hirtenbriefes in allen Pfarrgemeinden (28. Oktober 2001) haben
die Dekane den Priestern und Pfarrgemeinderatsvorsitzenden ihres Dekanates den
Rohentwurf des neuen Personal- und Raumplans (Seelsorgeplan) vorgestellt. Es
ging dabei um die Bildung von Seelsorgseinheiten, die Zuweisung der vorgesehenen
Priester an die Seelsorgseinheiten, den Einsatz von Diakonen und
Pastoralassistenten/innen und die Einbindung von Laien in die
Pfarrverantwortung.
Jetzt
soll die Auseinandersetzung mit den Vorschläge in den einzelnen
Pfarrgemeinden erfolgen.
Dann
wird es ein erneutes Treffen der Priester und Pfarrgemeinderatsvorsitzenden
zur Erarbeitung eines definitiven Vorschlages geben.
Der
definitive Vorschlag soll bis 15. Mai 2002 an das Seelsorgeamt durch den
Dekan gesandt werden.
Der
Priesterrat, die Ordensoberen und andere kirchliche Gremien werden
gleichzeitig über die Erarbeitung des neuen Personal- und Raumplans
informiert und um ein Gutachten ersucht.
Das
Seelsorgeamt wird daraufhin alle eingebrachten Vorschläge einarbeiten.
Die
Dekanekonferenz wird am 4. Juni 2002 den überarbeiteten Plan
besprechen.
Schließlich
ist die Verabschiedung des Seelsorgeplanes 2002 -2012 im Pastoralrat und die
Weiterleitung an den Bischof zur Approbation vorgesehen.
"Mit großem Interesse hat sich der Vorstand des Katholischen Forums der Diözese Bozen Brixen mit dem Hirtenbrief von Bischof Wilhelm Egger 'Seelsorge in gemeinsamer Verantwortung' befasst. Darin wird auf die Wichtigkeit des Ehrenamtes und auf die Übernahme von Verantwortung durch die Laien hingewiesen.
Der Vorstand ist der Meinung, dass die Worte noch nicht mit den Taten übereinstimmen.
Wenn Laien gemeinsam mit den Seelsorgern Verantwortung übernehmen sollen, braucht es eine grundsätzliche Verhaltensänderung in unserer hierarchisch orientierten Kirche.
Dazu gehört die Bereitschaft, Laien in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und in allen Bereichen, in denen sie Verantwortung übernehmen, in die Entscheidungen einzubeziehen. Grundsätzlich gilt es, eine offene und transparente Kommunikation, bzw. einen kontinuierlichen Dialog aufzubauen.
Verantwortung delegieren darf nicht verwechselt werden mit Befehle erteilen, Verantwortung delegieren heißt Vertrauen schenken und Freiraum schaffen für gemeinsam formulierte Zeile.
Viele
Laien haben sich aus der aktiven Arbeit zurückgezogen, weil sie dieses
Vertrauen nicht spüren.
Wir regen deshalb an in Zukunft:
klare Zieldiskussionen zu führen
die vielseitigen Fähigkeiten der Laien zu fördern und zu nutzen
ihnen Verantwortung klar zu übertragen
Signale zu setzen, in denen die Worte des Hirtenbriefes mit Maßnahmen in Taten umgesetzt werden."
Für
den Vorstand des Katholischen Forums:
Lotte Dalsass und Georg Oberrauch
Bozen, am 19.11.2001