Die etwas andere Liebe
Ein
Homosexueller* berichtet von einer erfolgreichen Herbergssuche
"Es
kommt der Tag, an dem man/frau entdeckt, dass ein Gast in einem wohnt, der weder
bewusst erwünscht noch eingeladen ist: die eigene Homosexualität.", so
umschreibt Giovanni Dall'Orto in seinem Buch "Figli diversi" das Gefühl
vieler Homosexueller. Bis Homosexuelle zu ihrem Anderssein stehen können,
vergeht oft eine lange und schmerzhafte Zeit der Selbstzweifel, Erfahrung von
Vorurteilen, Verachtung und Intoleranz der Gesellschaft.
Um die eigene Homosexualität positiv zu erleben, startete im Oktober
1991 mit einem unscheinbaren Inserat im Wochenmagazin "FF" die
Homosexuellen-Initiative-Südtirol-Centaurus. In diesen fast 10 Jahren hat sich
einiges getan. Der Verein hat einen Treffpunkt, der zweimal in der Woche abends
geöffnet ist, um Leute zu treffen, etwas zu trinken oder einfach zu reden.
Weiters werden ein Telefonberatungsdienst, eine Jugendgruppe als Hilfe für das
"Coming out", Vorträge, Kurse zur Persönlichkeitsbildung,
Videoabende, Kultur– und Freizeitaktivitäten und Diskoabende angeboten.
Gerade
schwule/lesbische Christen/innen geraten immer wieder in einen
Gewissenskonflikt, ob Glaube und Homosexualität (man denke an die Lehrmeinung
der katholischen und einiger evangelischer Kirchen) vereinbar sind. So ist
deshalb vor 7 Jahren innerhalb der Homosexuellen-Initiative-Südtirol-Centaurus
ein religiöser Gesprächskreis ins Leben gerufen worden, der offen ist für
alle. Seitdem trafen sich regelmäßig ca. 4 – 5 Männer und Frauen einmal im
Monat am Sitz bzw. im Keller von Centaurus, um gemeinsam zu beten und über ihr
Leben und ihren Glauben nachzudenken. Die Basisgemeinden der Dritten Welt dienen
als Vorbild, Orientierung um einen sehr persönlichen und lebensnahen Zugang zu
den Bibelstellen zu finden und der auch gefunden wird. So deutete im letzten
Jahr einer der jungen Männer die Weihnachtsgeschichte auf sein eigenes Leben
um: Joseph und Maria, die bei ihrer Herbergsuche nirgends aufgenommen wurden,
und der Schwule, für den es in der kath. Kirche auch keinen Platz gibt. Die
Krippe im Stall wird dem Schwulen zum Symbol seiner eigenen Existenz. Der Keller
von Centaurus wird zu seinem "kalten Stall", wo er sich nicht
verstecken muss. Die Gespräche bei den Treffen sind sehr persönlich. Da wird
ganz offen von den eigenen Ängsten und Suizidgedanken gesprochen. Gemeinsam
versucht man, die unbeantworteten Fragen aus dem Leben auszuhalten, nicht zu
zerreden. Was zählt, ist Zuhören mit dem Verständnis, dass durch jeden von
uns "Gott spricht". Die Treffen klingen mit einem gemütlichen
Beisammensein aus.
Die
monatlichen Begegnungen der Glaubensgruppe im Keller von Centaurus haben im
Winter mit angezogenen Winterjacken stattgefunden. Auch entstand der Wunsch in
der Gruppe, aus diesem Keller, mag er noch so symbolträchtig sein, auszubrechen
und eine Pfarrgemeinde zu suchen, die zu ihnen steht und einen warmen, gemütlichen
Raum für die Treffen zur Verfügung stellt. In der evangelischen Gemeinde von
Bozen hat die Herbergsuche der schwulen / lesbischen Glaubensgruppe ein Ende
gefunden. Damit erfüllt sich der Weihnachtswunsch des jungen schwulen Mannes
von letzten Jahr: "Der kalte Stall von Centaurus wird durch den zur Verfügung
gestellten Raum der evangelischen Gemeinde zu einem warmen Stall."
*Name der Redaktion bekannt
Infos
über HIS–Centaurus und die Glaubensgruppe
Dienstag von 20 bis 22 Uhr
Tel: +39-0471-976342 - www.centaurus.org
Talfergasse 1 -
39100 Bozen
Unterstützung
für Unterhaltsvorschussstelle
„Wir
unterstützen die Errichtung einer Unterhaltsvorschussstelle und hoffen auf die
baldige Umsetzung des Anliegens“. Das erklärte der Vorstand in einem Brief an
den Landesbeirat für Chancengleichheit.
Alleinerziehende und ihre
Kinder haben ein Recht auf Hilfestellung, da sie allein überfordert sind.
Finanzielle Absicherung
ist eine wesentliche Grundlage für die Erziehung.
Männer dürfen sich
nicht aus der Verantwortung der Unterhaltspflicht stehlen können.
Auch
die Gesellschaft muss ihre Verantwortung gegenüber Frauen und Kindern in
Notsituationen wahrnehmen.
Deshalb unterstützt
der Vorstand das Anliegen zur Errichtung einer Unterhaltsvorschussstelle.
Zur
Information:
Laut Statistischem Jahrbuch 2000 gibt es in Südtirol 22.029 Haushalte mit
Familien mit nur einem Elternteil. Das sind etwa 25 % aller Familien mit
Kindern. Einige Tausend Alleinerziehende sind von den derzeitigen Problemen
betroffen. In Deutschland, der Schweiz, in Holland und in den skandinavischen Ländern
funktionieren Unterhaltsvorschussstellen seit Jahren gut.