Meinungen und Situationen

Aufgelesen...

Denn es tut gut, wenn sich engagierte Katholiken im guten Sinne des Wortes 'einmischen', wenn sie zu gegebener Zeit auch einmal Klartext reden und versuchen, eine Richtung vorzugeben. Dies gilt natürlich nicht nur für den ausserkirchlichen Bereich. Genauso wichtig ist die Beziehung von Positionen innerkirchlich.

Walther Werth in: Kath. Sonntagsblatt 6.10.1999

 

Erlässe, Entschuldigungen in aktuellen Fragen wären ermutigende Zeichen und eine gute Grundlage für den so und so fälligen Aufbruch. ... Überhaupt Mut. Mehr Mut zur Freiheit oder sagen wir umstandshalber zur Autonomie wünschen wir uns. Oft hat es den Anschein, die diözesane Kirchenführung ist ähnlich Rom-fixiert, wie das in Südtirol beispielsweise die Schulverwaltung, Gewerkschafts-Funktionäre oder Verbandspräsidenten sind.

Florian Kronbichler zum Heiligen Jahr in: Antoniusblatt Jänner 2000


Kluge Würdenträger haben dazu (zum Heiligen Jahr) "festgestellt, dass auch die Kirche rückblickend nicht all zu viel zu feiern hat. Wohl vermochte sie, die Botschaft Christi ein Jahrtausend weiter zu tragen, aber die Gefolgschaft hat sich in unseren Breiten verdünnt. Das mag mit dem grassierenden Bindungsverdruss besonders jüngerer Kreise eine gewisse Erklärung finden. Ob jedoch nicht auch eine Überalterung in der Ausdrucksweise und der Darlegung ihrer Reichtümer mit hineinspielt, wird nicht nur von extrem Kritischen überlegt. Der überstarke Akzent auf dem Bewahrenden ist nicht zu übersehen; die genauso auferlegte Pflicht zur aufgeschlossenen Erneuerung in Strukturen, Anweisungen und Lehrauffassungen enttäuschte manche Erwartungen nicht nur der Eiferer und bleibt eine Herausforderung, die ins neue Jahrtausend mitzutragen ist.

pp in: Dolomiten 27./28.11.1999

 

Artikel "Es darf nicht alles beim Alten bleiben" zum Heiligen Jahr 2000.

Für Prof. Stiglmair sollten in diesem Jahr nicht nur 'Appelle nach außen' erlassen werden, es sollte sich auch innerkirchlich etwas verändern. ... Ein heilsamer Schrecken würde auch der Kirche von heute gut tun. ... Der Papst forderte:'Öffnet die Pforten weiter!' 'Ob er dabei auch an jene denkt, die draußen stehen, weil sie von der Kirche bestraft sind?' frägt Stiglmair: die in einer ungültigen Ehe leben; die Priester, die ihr Amt aufgegeben haben; die Theologen, denen die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen wurde; die vielen engagierten Laien, denen ein ernster Dialog verweigert wird. Auch wäre es, so Stiglmair, an der Zeit, nicht bloß auf die Not der Dritten Welt hinzuweisen, sondern auch z.B. das Verhältnis zur Befreiungstheologie zu überprüfen.

Kath. Sonntagsblatt 26.12.1999/2.1.2000

 

Aus dem Bericht über das Referat von Josef Innerhofer bei der Tagung "Kirche im Spannungsfeld der Medien : "Bei kirchlichen Berichten spiele die Leitung oft eine zu dominierende Rolle, wobei das Bild der Gemeinde entstellt wird. Bei aller Bedeutung, die nach den Gesetzmäßigkeiten der Medien 'den Helden' zukommt, dürfen kirchliche Medien sich nicht auf leitungsorientierte Berichterstattung beschränken. Sie müssen besondere Aufmerksamkeit der Gemeinde schenken. Wie geht es den Mitarbeiter/innen, den einfachen Gläubigen und den Randgruppen? Auch Schwachpunkte dürfen nicht ausgeklammert werden. Für kontroverse Themen muss auch in kirchlichen Medien Raum sein. Pausenlos gute kirchliche Nachrichten wirken auf die Dauer unglaubwürdig und eintönig, nicht echt.

Dolomiten 3.11.1999

 

"Auch wir wissen um die Schwierigkeiten im Glauben, um die Probleme in der Kirche, die nicht verschwiegen werden sollen. In dieser oft leidvollen Situation dürfen wir aus der Erfahrung der Jünger Hoffnung auch für unseren Lebensweg und unsere Zeit schöpfen.

Bischof Wilhelm Egger in: Kath. Sonntagsblatt 26.12.1999/2.1.2000

 


Wir freuen uns, dass...

  • ...der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Karl Lehmann, den Mut gehabt hat, öffentlich die Frage des Rücktritts eines Papstes anzusprechen. Die Altersgrenze für Bischöfe (75 Jahre) sollte auch für den Bischof von Rom und den Diener der Diener Gottes - wie sich die Päpste nennen - gelten.
  • ...die Bischöfe Alois Kothgasser (Innsbruck) und Maximilian Aichern (Linz) die Anliegen des Transitforums Tirol-Austria ausdrücklich unterstützen. Dabei geht es um die Verlagerung des Lkw-Verkehrs auf die Schiene, um die Verminderung von Lärm und Schadstoffen und um die Einführung der Kostenwahrheit im Verkehr. (Tageszeitung vom 1.12.1999)
  • ...das Katholische Forum, der Zusammenschluß von 15 kath. Vereinen und Verbänden Südtirols - eine Initiative zur Förderung der Laienpredigt verabschiedet hat. In einer Arbeitsgruppe soll das Thema vertieft werden. Die Laienpredigt sei in vielen Pfarreien schon Wirklichkeit, betonte der Vorsitzende G. Oberrauch. (Dolomiten vom 1.10.1999)

Es macht uns betroffen und ist uns unbegreiflich, dass...

  • ...die Aktion "Junge Kirche in Lana die Gestaltung des Gottesdienstes an jedem Sonntag um 10.29 Uhr einstellen musste. Es fehlte die nötige Unterstützung von seiten des Kooperators, des Dekans und des PGR, nicht die Bereitschaft zur Mitarbeit. Auch die Besucherzahlen waren gut. Es ist zu hoffen, dass dieses zukunftsweisende und über Lana hinaus positiv aufgenommene Projekt in anderen Pfarreien weitergeführt wird. (Kath. Sonntagsblatt vom 28.11.1999)
  • ...dass am 9.1.2000 der Marokkaner Moustapha Wardan in Bozen erfrieren musste. Er hatte eine Arbeitsstelle, musste aber im Auto übernachten, da niemand bereit war, ihm eine Wohnung zu vermieten. Derzeit stehen mehrere tausend Wohnungen leer, vor allem in den Städten. Sie werden nicht vermietet, da die soziale Verpflichtung von Eigentum nicht erkannt wird. Eine Anfrage an unser Christsein!