Kirche am Scheideweg

"Konklave" bei Bischofswahl
Allianz der Dekane für Reform

Erstmals treten die katholisch-theologischen Dekane aller staatlichen und kirchlichen Hochschulen gemeinsam auf - für Transparenz, Mitbestimmung bei der Bischofs-Findung.

von Dietmar Neuwirth

WIEN. "Um seiner Hirtenaufgabe gerecht zu werden, bedarf der Bischof der Akzeptanz der Ortskirche, für die er bestellt wird. Eine Bestellung ohne, ja sogar gegen den Willen des Volkes widerspricht dem altkirchlichen Grundsatz: Ein Bischof soll den Gläubigen nicht gegen deren Willen aufgenötigt werden. Dies bedeutet angemessene Transparenz im Vorgang der Kandidatenermittlung."

Dieser Satz findet sich in einem der "Presse" vorliegenden Papier über neue Wege der Bischofsfindung. Die Autoren: alle acht Dekane der katholisch-theologischen Fakultäten der staatlichen und kirchlichen Hochschulen. Die Aktion ist auch insoweit einzigartig, als die Dekane bisher nie in der Öffentlichkeit zu einem gemeinsamen Vorgehen zusammengefunden haben.

Der Grazer Dekan Maximilian Liebmann - er war Vorsitzender in der Arbeitsgruppe, die das Papier erstellt hat - im Gespräch mit der "Presse" zur Intention: "Das ist ein Versuch, das hierarchische und das demokratische Prinzip in der Kirche zu vereinen. Die Entwicklung der Demokratie in der Gesellschaft muß Rückwirkungen auf die Kirche selbst haben." Gleichzeitig beeilt sich Liebmann zu betonen: "Das ist nicht gegen Rom gerichtet. Natürlich kann nur jemand Bischof werden, der das Vertrauen der Kurie findet." Für die Findung eines Bischofs wird eine Art "Konklave" in der betreffenden Diözese vorgeschlagen, dem neben Klerikern auch Laien angehören sollen, ähnlich wie dies in der Diözese Graz schon geschehen ist. Dabei soll keine Änderung des Kirchenrechts erforderlich sein.

Warnung vor Druck

Dem Gremium sollen insgesamt höchstens 30 Personen angehören: der Ortsbischof oder Administrator; die übrigen Diözesanbischöfe der Kirchenprovinz (Österreich besteht aus zwei Kirchenprovinzen, der Wiener und der Salzburger); Kleriker, die der Priesterrat auswählt; Laien, die der Pastoralrat aussucht; Vertreter der Orden. Dieses Gremium wählt mindestens zwei Jahre bevor der Ortsbischof die Altersgrenze von 75 Jahren erreicht Kandidaten für die Nachfolge aus. Dabei bieten die Dekane zwei Alternativen an: Es werden drei Kandidaten gewählt. "Der Papst bestätigt einen Kandidaten", wie es heißt. Die zweite Möglichkeit nimmt Anleihe bei den orientalischen Kirchen. Das Gremium nennt zehn bis 15 Kandidaten, deren Namen dem Heilige Stuhl vorgelegt werden, der die Eignung oder Nichteignung der Kandidaten für das Bischofsamt feststellt. Aus den von Rom als geeignet Bezeichneten wählt die Ortskirche den künftigen Bischof aus, der vom Vatikan nicht mehr bestätigt werden muß. Innsbrucks Dekan Herwig Büchele besteht - in Anmerkungen zu den Vorschlägen - auf Geheimhaltung des Ergebnisses der Kandidaten-Wahl: "Wenn man an die politisch-emotionalen Implikationen einer Bischofsbestellung denkt, halte ich diesen Punkt für unverzichtbar". Ohne Geheimhaltung sei mit einem "so massiven öffentlichen Druck zu rechnen, daß kaum anzunehmen ist, daß der Vatikan zustimmen wird".

Das Papier wurde bereits Nuntius Erzbischof Donato Squicciarini und dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn. übermittelt. Liebmann, gefragt nach den Realisierungschancen: "In nächster Zeit sehe ich sie nicht, aber längerfristig..."

Aus: Die Presse, 02. 06. 1999



Bischof Kothgasser für mehr Mitsprache bei Bischofsernennungen

Mehr Mitsprache der Ortskirche bei der Ernennung neuer Bischöfe wünscht sich der Innsbrucker Diözesanbischof Alois Kothgasser. Er leitet jene Arbeitsgruppe des "Dialogs für Österreich", die sich mit der Frage der Bischofsernennungen befaßt. Der Bischof im News-Interview: Man hätte sich in der Vergangenheit "mehr Transparenz und mehr Mitbeteiligung an der Erarbeitung von Vorschlägen" erwartet. Die Dialog-Arbeitsgruppe habe ein Papier zur Frage der Ernennung von Bischöfen vorbereitet. Es werde noch bis Mitte Jänner in Österreich bearbeitet, so Kothgasser. Danach wird es nach Rom übermittelt. Die Hauptforderung des Papiers: Die Ortskirchen sollten eine wichtigere Rolle spielen, wenn es um eine Bischofsernennung geht. "Es wäre wichtig, dass Bischofskandidaten auf Grund einer umfassenden Konsultation durch den Apostolischen Nuntius, die Bischofskonferenz und die Diözesanbischöfe im je eigenen Bereich ermittelt werden", betont Kothgasser. Eine breite Beteiligung des Kirchenvolkes wie bei einer Wahl hält Kothgasser aber nicht für zielführend: "Die Frage ist, wie die Ortsbischöfe entsprechende Kandidaten ermitteln. Es kann sicher nicht um ein rein demokratisches Verfahren gehen, wie dies im Bereich der Politik geschieht, denn bei der Ermittlung und Bestellung von Bischöfen muss jedweder Druck vermieden werden und größte Diskretion gewahrt bleiben, wenn Kandidaten nicht unnötiger Kritik ausgesetzt werden sollen".

Quelle: KAP 18.01.2000