5. Internationaler Kongress der weltweiten Federation der Verheirateten Katholischen Priester in Atlanta (USA)
Als Delegierter der Nationalen Bewegung Perus "Diálogo y Vida", hatte
ich das Glück, am Internationalen Kongress der Verheirateten
Katholischen Priester in Atlanta (Georgia) Wesentliches über den Wandel
in der Kirche zu erfahren. 300 Teilnehmer aus 18 Ländern, vom fernen
Australien über Europa bis Kanada, trafen sich vom 28. Juli bis 1.August
in der Emery University, Atlanta (USA) unter dem Motto: "Menschenrechte
und Versöhnung in der Kirche". Unter den Geladenen befanden sich auch
Vertreter anderer Reformgruppen, wie etwa von der Internationalen
Bewegung "Wir sind Kirche", die in der Person von Elfriede Harth
(Deutschland) das Hauptreferat übernahm. In ihren Ausführungen durchlief
Elfriede mit leidenschaftsloser Sachlichkeit die Jahrhunderte bezüglich
der Haltung der kirchlichen Führungsschicht in der Sache Menschenrechte
und Bereitschaft zur Versöhnung. Die Stimmung lockerte sich vollauf, als
Paul Collins, suspendierter Priester und Verfasser mehrere Bücher mit
viel Humor und einer starken Dosis Optimismus über "Eine Kirche im Umbruch
mit einer rückständigen Führungsschicht" referierte. Nach Collins erlebt
die Kirche eine Wandlung (metamorphosis), die am ehesten mit den Folgen
der Erfindung der Buchdruckerkunst und deren Folgen (Lutherbibel) zu
vergleichen ist. Alle Erneuerung bricht sich Bahn über kleine Gruppen
und den mutigen Einsatz von Persönlichkeiten, die mit Gottes Geist
erfüllt sind, meinte Collins.
Kirche kann man als Christ auf verschiedener Ebene erfahren: als Heimkirche, als Ortskirche, in Gemeinschaft von Gleichgesinnten, aber auch als katholische, weltweite Kirche, wie wir sie in Atlanta erfuhren. Auch kann man Kirche in verschiedener Intensität und Echtheit erleben: als klerikale, monologe, moralisierende, ausgrenzende, aber auch als befreiende, frohmachende, aufrichtende, Hoffnung und Kraft gebende. Es war diese letztere Kirche, die wir in Atlanta für einige Tage erlebten, die Kirche, die wir alle erträumen und wie sie in der Zeit der Apostelgeschichte erträumt und wohl auch gelebt wurde (2,42-46).
Dafür bot sich allerdings auch der entsprechende Rahmen dar: Die herrliche von Wald und Villen strotzende Umgebung von Atlanta, die Universitätsstadt, die uns weit ihre Tore öffnete, der Besuch am Denkmal John F. Kennedys und am Grabe von Martin Luther Kings, dem unnachgiebigen aber gewaltlosen Kämpfer für die Rechte der Farbigen, das gute Essen und vor allem die bereichernden Vorträge und Begegnungen. Wie es aber leider bei solchen Kongressen üblich ist, man hatte kaum Zeit, sowohl das eine wie auch das andere zu verdauen und das noch bei einer Hitzewelle, die die 40º C überstieg.
Den Höhepunkt jedoch stellte der gemeinsame Gottesdienst am Samstag, den 31. Juli in der Universitätskapelle dar. Ein junges, amerikanisches Priester-Ehepaar bestritt mit ergreifenden Liedern und Instrumenten den musikalischen Teil. Eine Frau, Maureen Fiedler hielt die Homilie und ließ uns die Gabe der Profetie im weiblichen Geschlecht erfahren. Ernst und Sammlung paarten sich mit Bewegung, Leben und Freude. Gottes Geist war spürbar zugegen. Zurück blieb die enttäuschende, von Rom auferlegte Abwesenheit des kanadischen Bischofs Remi de Roo, der mit uns über "Die Versöhnung in der Kirche" zu sprechen bereit war.
Daß man bei einem Kongress ein Herz und eine Seele sein kann, trotz der je nach Ländern, Regionen oder persönlichen Standpunkten verschiedenen Auffassungen, dafür setzte dieser Kongress ein sprechendes Zeichen von Toleranz, wie wir sie in der Kirche allgemein erwarten möchten. Nur wo niemand sich im absoluten Besitz der Wahrheit glaubt, ist Dialog möglich und hat Gottes Geist Eingang, um "in die volle Wahrheit einzuführen" (Jo 16,13).
Franz Wieser, Lima