Neue und zeitgemäße Pastoralrezepte um das Interesse an geistlichen
Berufen zu wecken, hat der Steyler-Missionar und ehemalige
Generalsekretär der Päpstlichen Missionswerke, P. Franz Helm, beim
Symposion der Bischöfe und Priesterseminar-Regenten in St.
Georgen/Längsee gefordert. Seiner Meinung nach wird in der Kirche noch
viel zu sehr auf veraltete Rezepte gesetzt. Statt auf die veränderte
gesellschaftliche und kirchliche Situation mit neuen Konzepten zu
reagieren, versuche man, die "traditionellen Strukturen" zu erhalten,
obwohl diese für den Dienst am heutigen Menschen "kaum mehr die
richtigen Instrumente sind". Das gelte - so Helm - auch für den Umgang
mit dem Priestermangel: "Statt strukturelle Veränderungen vorzunehmen
und die Gemeinden durch eine Vielzahl von Diensten in die
Mitverantwortung zu nehmen, wird versucht, den 'Status quo' trotz des
fehlenden Personals zu halten." Statt den Gemeinden den Priestermangel
existentiell bewußt zu machen, vermittle man ihnen mit Priester aus dem
Ausland das Gefühl, dass es "irgendwie doch weitergeht".
Eine Hauptursache für die kirchlichen Nachwuchsprobleme sieht Helm jedoch in der versäumten "Einwurzelung der Kirche in das veränderte sozio-kulturelle Umfeld". Statt aber die verändert Situation als "Zeichen der Zeit" anzunehmen und positiv als Herausforderung zu sehen, träume man vielfach von der "christentümlichen Gesellschaft", in der die Kirche "gesellschaftlich bestimmend" und "priester- und ordensreich" war. Dabei würden die heutigen Menschen in ihrer Art und Weise, das Leben zu sehen und zu leben, "zu wenig" in den Blick genommen. Helm wörtlich: "Muss jemand zuerst seine Eigenart, seine Lebenswelt und seine kulturelle Prägung ablegen, bevor er in der Kirche verantwortlich mitmachen kann?" Nach Helm müsse die Kirche "als Ort der Freiheit neu erfahrbar werden, wo miteinander geschwisterlich umgegangen wird und die Armen und Ausgeschlossenen zuerst kommen."
Helm empfahl deshalb der Kirche, zuerst nach ihrem Dienst am heutigen Menschen, und erst dann nach den "Dienst-Ämtern" zu fragen, die dafür notwendig sind. Dabei werde man auch die Konzentration des kirchlichen Dienstes auf die Person des "Klerikers" überwinden müssen. Denn wenn der Dienst an den Menschen Vorrang hat, öffne sich "Raum für eine Vielfalt an Diensten". Die Mitarbeit der Laien sei nicht deshalb notwendig, weil es zu wenige Priester gibt. Sie sei notwendig, weil jeder Christ dazu berufen sei, seine "Sendung" in der Kirche und für die Welt zu leben.
KATHPRESS Nr. 102, 6.5.99